Der Himmel ist so klinisch hell,
Wir brauchen schwarze Sterne.
Zu chronisch lacht die Himmelszell‘ –
Drum mach dich frei und lerne:
Die gute Laune als Gebot
Sei anderen verpflichtend,
Die social-media-devot
Den scharfen Kontrasten
So schräg betont nah steh’n –
Nach anderer Sehnsucht gewichtend.
Da liegt, vielleicht schon gut sechzig Jahrzehnte,
Diese Dattel, bereit zum Verkauf.
Die von zahllosen Auswahlen Abgelehnte
Schultert abermals frischeste Nachschübe auf,
Die dann stückweise ab in ein Einkaufsnetz wandern –
Seit sechshundert Jahren sind‘s immer die andern.
Ob ihr nun ob der Haltbarkeit
Des Aussortierers Hände droh‘n?
Die Dattel ist nicht alt, verzeiht!
Hier geht es um die Tradition.
Ich bin ein verlorenes Königstorsteinchen,
Mich sieht man erst, seit ich dort fehle.
Ich spür den Verbund nach so vier bis acht Weinchen
Als längst überwund‘ne Querele.
Doch keimt in mir irgendwie auch der Verdacht,
Man sähe die Arbeit, die einst sich gemacht,
Erst durch die entstandene Lücke.
So stützt die Beachtung wie Achtung der Massen,
Dass sie von den Ausscherern wurden verlassen;
Die Mutwilligkeit kleinster Stücke.
Ach, dass das, was du verdienst, sich im Dasein verringert
Zu dem, was ich zu verrichten
Am Grenzpfahl in der Lage bin!
Dass ich für dich immer vom Gabentisch sing, hat
Genau wie das Dichten
Nicht allzu viel Sinn.
Man muss nicht nehmen, was man hat –
Man hat, was man sich nimmt.
Und hofft dann, dass das Resultat
Im großen Kosmos stimmt.
Heute hab ich durchfalltrunken
Überall nach Kot gestunken.
Not amused war da Ottilie,
Die mir das nur schwer verzieh. Je-
Doch hieß sie mich, stilvoll zu essen,
Nicht so viel an Kack zu fressen.
So wie ich gefolgt ihrem stillen Gebot,
Befinde ich mich in olfaktorischer Not!
Will Gott nun, dass wir gleichstark stinken,
Wenn wir statt essen Scheiße trinken?!
In zehn Jahren kennt hier dann niemand mehr Polster
Und nuckelt nur am Digitalen,
Abhold der Komforts, derer ehemals tollster
Ist Teil des Tributs, den die Kalkfresser zahlen.
Und vorhanglos lügt sich zum Plan gegen Brände:
Der weltweite Rückzug in eigne vier Wände.
Doch werd ich die Logen, Parketts sowie Ränge
Mit meinem Gedächtnis auch weiter belegen.
Erinnerte Wucht jener Bilder und Klänge
Wird mich durch die Reizarmut flammend bewegen.
Ich möchte die Welt gern von oben betrachten,
Um die als Hürden ausgemachten
Bürden einzuebnen.
Auf die zu viel ich geb, denn
Es hängt ihre Macht an dem Dasein im Drunten
Und Ziel war: sich endlich zu trennen.
Dass sie mich stets runterzieh’n, hat seinen Grund, denn
Von weit oben
Sind ihre erhoben-
En Fallstricke nicht zu erkennen.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Die Geheimratsecken von J. W. G.
Der ob seiner Reim-Art
Geschätzte Geheimrat
Enthüllte mir haarlose Ecken.
Dort schien im Geheimen
Der Ursprung von Reimen
Sich unbedeckt kühn zu verstecken.
Und dessen beeindruckt erarbeite ich
Mir seither ’ne maßlose Glatze.
Doch trotz des Gefühls, ich verbesssere mich,
Vergrößert sich nur meine Fratze.