Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Bezahlt den Maler meiner Gemälde besser als den letzten!
Weil mir die jüngsten Jahre manches gute Mal zerfetzten.
Die Umstände erfrechten sich, mein Ruhen kraus zu streichen –
Im fast entleerten Wartesaal sitzt nur noch mein Erbleichen.
Ich richte meine Zukunft ein
Als Farbstrich von Gemälden
Vom armen Pinselborstenschwein –
Vermächtnis eines Helden.
Der Wind vom Meer kommt kühl daher
Doch die Sonne gibt sich schon verbindlich.
Mag sein, diesen Umschwung erwünsch ich zu sehr –
Ja, bin fürs Konträre zu blind ich?
Im früh gewählten T-Shirt darf man sich durchaus erkälten
Und mit jenen im Einklang dann husten und schnupfen,
Die ähnlich frisch sich aus dem Haus heut gesellten,
Um mutig und frohen Muts aufzumupfen.
Und versuch ich auch forsch voranzuschreiten,
Ein erster Blick wendet schon um …
Das Verdrängen muss sich ein Vergessen erfighten!
Das klappt bereits jetzt nicht mehr. Dumm.
In Alte-Männer-Leibern kompostieren all die Jahre
Stumm ertrag’ner Zumutungen, ausgefall’ner Haare …
Ich werd niemals die Ruhe finden,
Den erblüh’nden Balkon zu genießen
Und meiner Privilegien Rinden
Mit Nahrhaftigkeit zu begießen.
Ich werd wie gewohnt weiter Tanzflächen mähen –
Den Besitzanspruch lass ich verprickeln,
Lausch nachsichtig trendigem Vorwürfe-Blähen,
Begnüg und vergnüg mich mit Halmebefrickeln.
Ich hab der Bundesgartenschau
Kein Blühen vorzuwerfen,
Doch nachts sympathisier ich mit
Der Wühlmaus und den Kerfen,
Dass sie das Rabiate
In der Beetversorgung pflegen,
Und das baldige Umbruch androhende Knistern
Mit galantem „Nein, ich bin dagegen!“ –
Derweil heg ich mein Pflanzgefäß und was ich dort vollbracht
Im Privilegienpflegemodus, möglichst leis und sacht.
Ich wüsste gerne so viel mehr
Von so und so viel Dingen!
Doch wo bekomm ich Wissen her?
Man kann’s ja nicht erzwingen.
Nun, unser Dasein ist begrenzt
Von Sinn und Lebensjahren.
Doch manches Pfiffiküsschen glänzt –
Scheint alles zu erfahren …
Ach, könnte ich vorm Grauen Star
Die Nachtigall erkennen,
Am Blatt und an der Rinde Ma-
serung ’nen Baum benennen!
Ach, wüsste ich vom 30jährigen Krieg
Doch mehr als dessen Dauer!
Und mit einem My aus dem Reich der Physik
Wär ich bedeutend schlauer …
Wenn ich dereinst final verderb,
So hätt ich mein Dasein, das damit dann endet,
Zumindest in puncto Wissenserwerb
In vielerlei Hinsicht doch vollends verschwendet!
Und auch diese Woche rast dahin … –
Schon Mittwoch, da grade erst Wochenend war!
Der nahende Freitag beschwört ein WinWin –
Das übliche „Schmied schon mal Pläne!“-Blabla.
Denn auch dieses Weekend wird sinnlos sein –
Zu viel freie Zeit bei geschlossenen Läden.
Für das bisschen an Einladung mach ich mich fein –
Im Kalendertief zieht mein Verfall seine Fäden …
Simple Schönheit ernährt sich meistatemberaubend –
Du entgegnest „natürlich“, das Adjektiv meinend.
Nur: Was hier selbstverständlich ist, nähert sich glaubend –
Den Beschreibungen weit’res Erfassen verneinend.