Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Moldauschleife & das eintausendzweihundertfünfzigste Gedicht

    Blick auf Krumau an der Moldau

    Im letzten Sommer

    Die Wespen schwärmen hungrig aus
    Und stehlen den Motten ihr Licht.
    Selbst der kundigste Waidmann trägt nichts mehr nach Haus,
    Er sieht sich nicht mal in der Pflicht.

    Der Sommer schwenkt das Hungertuch,
    Doch schon längst wird an Zähnen genagt.
    Treuer Unmissverstand ziert des Jahreslaufs Fluch,
    Der hatte im Schatten geparkt.

    Du predigst stoisch Zuversicht,
    Aber irgendein Jahr gilt zuletzt.
    Wie der Frühling uns einwebt im einstfernen Licht,
    Verschanzt sich der Zauber vorm Jetzt.

    Du traust dem Kreislauf alles zu,
    Doch ein Blatt fällt, das scheint überreizt.
    All das Wespengeschwirr billigt mir keine Ruh.
    Vor Herbst wird der Stammbaum verheizt.


  • Krumau & das eintausendzweihundertzweiundvierzigste Gedicht

    Blick auf Krumau an der Moldau

    Reim & Insta

    Ich glaube, du könntest auf Insta sehr schön sein!
    Es gibt dort entsprechende Filter,
    Dass all die ergriffenen Follower stöhn’n ein:
    „So sweet, escht! Sin‘ vollschöne Bilter!“

    Die reale Welt bietet nur Ungünstigkeit
    Von Winkeln, Momenten und Licht.
    Sie zerrt deine Aura zur Unkenntlichkeit –
    Ein prosagedrucktes Gedicht.

    Aber kundig posiert vor der Linse vom Smartphone
    Verwäscht sich die Unförmigkeit der Figur –
    Dank Portraitautomatik beglänzet dir zart schon
    Feinster Glamsternenstaub deine Hilflosfrisur.

    Und glaub‘ mir, du ließest dich sehr schön bereimen!
    Denn gleich Filtern obliegt’s mir als Dichter,
    Die Grobporigkeit deiner Haut zu entkeimen,
    Weichschönend als Wirklichkeitsrichter.

    Du siehst, man hat dich falsch geboren –
    Du bist zur Schönheit auserkoren!

    (Gleichwohl entwertet bald das Bild,
    Dass dieses halt für alle gilt.)


  • Isar & das eintausendzweihundertdreiunddreißigste Gedicht

    Am Isarufer bei Thalkirchen

    Der alte Fluss

    Nun, mir scheint, du bist noch einmal träger geworden
    Und ich denke, ich kann das versteh’n.
    Nach oben ist Süden und unten ist Norden,
    So lang sie die Karte nicht dreh’n.

    Aber neuerdings schreit es, man müsse entscheiden,
    Ob dein Süden sich richtig verhält.
    Für irgendwen nimmst du klammheimlich Partei, wenn
    Du sagst, das sei nicht deine Welt.

    Du kannst nicht einfach durch zwischen Osten und Westen,
    Weil du meinst, das seist du so gewohnt.
    Die halten sich nicht nur zum Spaß für die Besten.
    Man hat dich sehr lang schon geschont.

    Und nun hast du den Drive für die Ufer verloren
    Und du hoffst, man wird dich überseh’n,
    Wenn Irrtumsimmune nach neuem Plan bohren.
    Ich denke, ich kann das versteh’n.


  • Rochuskapelle & das eintausendzweihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Rochuskapelle bei Bingen

    Wegen, wegen, Wegen! (Die Goethe-Ruh am Rochusberg)

    Nur wegen Goethe flöte ich,
    Der Klötgen Frank (auch: Klöterich),
    Auf dem allerletzten Loch –
    Und doch die Roch-
    Uskapelle hat der Mühen gelohnt
    (ich bin nur solch Fußwege nicht mehr gewohnt)!

    Mit dem Kirchlein an sich hat es gar nichts zu tun (ich
    Find’s weder verwegen, noch richtig ruinig),
    Denn es hat ja seit meiner schöngeistigen Häutung
    Das Geistliche (meist) für mich keine Bedeutung.

    Doch durch des Kreuzwegs Schatten schleich ich
    Mich lichtungswärts ins wahre Reich, ich
    Hocke müd mich hin im Schauen
    Auf die Rüdesheimer Auen.
    Und in des Rheins und Weines Weiten …
    Da stapeln sich Erhabenheiten.

    In solcher Natur wähne ich meinen Segen.

    Und bleib‘ auf der Spur von mir ähnlichen Wegen.


  • 42 Kilometer & das eintausendzweihundertsiebzehnte Gedicht

    Arkaden von Bologna

    Unter Arkaden

    Den Stau der von Marmor geglätteten Kühle
    Flattert kühn eine Schwalbe aus Warmluft entzwei,
    Ein Wind drängt die schwerfällig dreharme Mühle
    Zum Durchwirbeln der zeitlosen Aircraft-Kartei.
    Mancher Hauch ist hier auch schon vorm Zeitmaß gewesen,
    Riecht kellerdunstschmauchig, jahrhundertbelesen,
    Ist vom Blitztakt des Lichtspiels nur passiventzückt,
    In platzhirschgebührende Langmut entrückt.

    Wie verlahmt schlurft mein Dasein mit latschigem Schritt –
    Der gewinnt erst im Nachhall der Architektur!
    Die bewahrt ihren Wert und veredelt mich mit –
    Ich fühl mich beheimischt trotz Sightseeing pur.

    Und geschmeidig befächelt von Grade-Kaskaden,
    Ein Lächeln vom Bad in den alten Arkaden,
    Bestürmt frühe Anmut die Sehnsucht der Haut –
    Ich bin von der Straßen Zug gleichsam erbaut.


  • Botanischer Garten & das eintausendeinhundertneunundachtzigste Gedicht

    Im Botanischen Garten am Münsteraner Schloss

    Pista und Patzer

    Pizzaboten liefern halt
    Nicht in dichten Kiefernwald,
    Lassen lieber ihre Pfoten
    Von dem Platz, wo Kitze koten,
    Die von roten Rickenzitzen
    Gierig Rohmilch-Shots stibitzen.

    Die Pizzaboten liefern stattdessen
    Lieber in Städte die Delikatessen,
    Wo bekiffte Showbiz-Spitzen
    Schon als Kids sich Botox spritzen –
    Zotenreich und witzig motzend
    Vor die City-Bauten kotzend –
    Wohlumworben von devoten
    Pizzabotenidioten.

    Waldbewohner wie -besitzer
    Warten wie gewohnt auf Pizza.
    Deren Boten liefern halt
    Nicht in dichten Kiefernwald.


  • Schloss Suresnes & das eintausendeinhundertzweiundachtzigste Gedicht

    Schloss Suresnes in Schwabing vom Garten der Katholsichen Akademie

    Endlich Geld (ohne Ende)!

    Das Ausrauben von Banken
    Bezirzt meine Gedanken.
    Wir haben hier nicht ewig Zeit
    Und dort haust eine Möglichkeit –
    So dreh’n sich die Gedanken
    Ums Ausrauben von Banken.

    Das Ausrauben von Banken
    Heißt „Neue Chancen tanken!“
    In dem Spielraum alter Sorgen
    Bietet sich kein bess’res Morgen –
    Uns bleibt, um aufzutanken:
    Das Ausrauben von Banken.

    Dem Ausrauben von Banken
    Hab ich viel zu verdanken.
    Einfach rein und alles nehmen,
    Nachher ein klein wenig schämen –
    Auch ihr mögt euch erlauben,
    Mal Banken auszurauben!


  • Taubensee & das eintausendeinhundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Taubensee am Rauschberg bei Ruhpolding

    Die Ruhe an ruhigen Orten

    Völlig unverdient sonnt der Verkehr sich in Sanftheit,
    Wenn sein Lärm sich einwellig im Strandkies verliert.
    Hier, wo Lautlosigkeit alles Abendlicht anschreit,
    Weil sich zweihellig festigt, dass nichts mehr passiert.

    Die Allmacht der Stille als handwarmer Schoß
    Schließt den Sicherheitsbügel der Sorglosigkeit.
    Sie bezähmt die Erkenntnis, dieser Ort sei nicht groß,
    Mit der Irrelevanz deiner Kleingeistigkeit.

    Als wäre die Ruhe an ruhigen Orten
    Der letztforsche Hauch einer fremden Essenz,
    Der klärende Vers aus verschwundenen Worten,
    Das fehlende Album verschollener Bands.

    Der Verkehr mault sich kurzatmig wieder ins Gähnen,
    Als hätt‘ sich ein Zähnchen im Zimmer geirrt.
    Und der Salzrand von nicht mehr erinnerten Tränen
    Ist das Siegel vom Wissen, dass nichts mehr passiert.


  • Bode & das eintausendeinhundertfünfundsechzigste Gedicht

    Sonneuntergang am Bodeufer

    Am Langen See

    Dort ruht die letzte Schönheitsspur
    Aus altgedienten Zeiten –
    Von jetzt kann neue Einsicht nur
    Dir gleiche Freud bereiten.

    Ein altes Treppenfundament,
    Dem das Gebäude fehlt.
    Ich kenn noch wen, der das noch kennt –
    Der nennt den Ort: entseelt.

    – – –

    Damit kleine Dinge verschwinden,
    Muss wirklich nichts Großes gescheh’n.
    Die Zeit lebt vom steten Erblinden –
    Auch du bist schon nicht mehr zu seh’n!

    – – –

    Aufs Seeufer fällt manchen Abends ein Schatten
    Von einem verschwundenen Ausflugslokal.

    Und die Freude am Spiel, die wir einst darinn’n hatten,
    Verdimmt im Anno Dazumal.


  • Universitätskantine & das eintausendeinhundertfünfzigste Gedicht

    Luftballons in der Kantine der Universität der Seychellen

    Menschen

    Es ist gar nicht notwendig, Menschen zu essen,
    Um menschlichen Wohlgeschmack nicht zu vergessen.
    Wir können die Nähe von Körpern genießen,
    Auch ohne die Zahnreihen um sie zu schließen –
    Zur Sättigung lässt man das Augenlicht stöhnen
    Und wohlig Odeure das Stammhirn verwöhnen.

    Es braucht auch im Abstand das stiere Begehren,
    Um menschliche Leiber mit Anstand zu ehren –
    Von sexuellen Attraktionen,
    Die in jedem Hinblick lohnen,
    Muss niemand die sinnlichen Fingerchen lassen!

    Doch schmause auch vom Unbekannten,
    Drück dich nicht vor Varianten –
    Es gibt so viel Menschen, um nichts zu verpassen!


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

* Costa Rica
* Hawaii
* Indien
* Japan
* Kuba
* Madagaskar
* Malaysia (Borneo)
* Marokko
* Mauritius
* Namibia
* Seychellen
* Sri Lanka


Gedichtthemen:

* Alter, Schmerz, Tod
* Autor & Schreiben
* Berg, Fluss & Tal
* Berlin
* Fahrzeuge
* Frühling
* Gebäude & Urbanes
* Geburtstag/Hochzeit
* Geld & Karriere
* Grusel
* Haus & Heimat
* Herbst
* Internet & Technik
* Kleidung
* Kindheit & Jugend
* Körperteile
* Kunst & Inbrunst
* Länder/Kontinente
* Liebe & Beziehung
* Märchen
* Mord & Totschlag
* München
* Musik & Gesang
* Ostern & Weihnacht
* Pflanzen & Natur
* Poetry Slam
* Politik
* Promis
* Regionales
* Religion & Philo
* Reisen
* Rüpeleien & Tiraden
* Schlafen
* See
* Sex & Erotik
* Sommer
* Speis & Trank
* Sport
* Städte
* Strand/Meer
* Silvester & Wechsel
* Tabak & Alkohol
* Tanzen
* Tiere
* Unsinn
* Wind & Wetter
* Winter


Best of Poetry

Ripostegedichte

Die Oscarballaden

Poetry Slam Gedichte & Videos

Poetry Slam meets Klassik

SLAMMED! – das Buch – zum Sonderpreis!

Über den Autor


Achtzeiler Alter, Tod & Abschied Autor & Schreiben Berg, Fluss & Tal Berlin Dutzendzeiler Einakter Erde Essen Fahrzeuge Feuer Gebäude & Urbanes Geld, Arbeit, Karriere Grusel Haus & Heimat Internet & Technik Kindheit & Jugend Krummzeiler Kuba Kunst & Inbrunst Körperteile Liebe und Beziehung Luft Marokko Mord & Totschlag München Pflanzen & Natur Politik Reisen Religion & Philosophie Ripostegedichte Rüpeleien Schlaf & Langeweile Sechszeiler Sex & Erotik Speis & Trank Städte Tabak & Alkohol Tiere Unsinn Vierzeiler Wasser Wind & Wetter Zehnzeiler Zweizeiler