Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Check-In & das eintausendeinhundertfünfundvierzigste Gedicht

    Doha Flughafen

    Am Flughafen

    Mutti, sieh!
    Dem Duty-Free-
    Shop stopft
    Und pfropft
    Warenvielfalt
    Mit Zarengewalt
    Alle Regalle haltlos voll –
    Und nichts davon will man verzoll‘!

    Kind,
    Ich find
    Dein Int‘ressieren
    An der Welt, die wir passieren,
    Phasenweise –
    Ich sag‘s leise:
    Sprachlich zu geschwollen.
    Und Regal – das weißt du, gell?! –
    Spricht man nicht mit Doppel-L!


  • Warschauer Himmel & das eintausendeinhundertzweiundvierzigste Gedicht

    Warschauer Straße S-Bahnhof

    Dem Äther

    Radi – Radi – Radio,
    Ich drehe am Rad deiner Sendersuche
    Und flüchte mich ins Irgendwo,
    Getrieben vom seiernden Deutschpop-Eunuche.
    Wissend:
    In dem Gerausche der Ultrakurzwellen
    Gibt’s die momentelang richtigen Stellen,
    Die wandernd der lot-rote Strich für mich findet
    Und Gerättreue kurz an Bestätigung bindet.
    Erinnernd:
    Die matt hinterleuchteten Stadtnamenskalen
    Im Musiktruh’n entströmenden Röhrengeruch,
    Die ’nem Dreiersprung folgenden Megaherzzahlen
    Am Radiorecorder nebst Bandsalatfluch.
    Mixtape-alert auf der Suche nach Stil
    Stieß ich tiefnächtens aufs Herz von John Peel,
    Gab ihm die Lizenz, mir die Nächte zu stehlen
    Mit krudem Kram aus noch verdecktem Gefallen –
    Den würde mir Spotify niemals empfehlen!
    In solch Algorithmen riecht alles nach allen.
    Verklärend:
    Auf Grundig und Blaupunkt brach ich dereinst auf
    Zu landen an Stränden von neuen Instanzen.
    Von Sony und Sharp nahm ich Flotten in Kauf,
    Als Worte und Klänge mich lehrten zu tanzen.
    Abwehrend:
    Du maulst gekränkt, hier fehle die
    Probierkraft der Community –
    Der autarkische Schwarm sei der Held vom Gedichte!
    Das ist vielleicht nicht grundverkehrt,
    Mir bleibt’s ein Reichtum ohne Wert –
    Das wird später deine, nie meine Geschichte.


  • Stalinallee & das eintausendeinhunderteinundvierzigste Gedicht

    In einem Häuserdurchgang der Karl Marx Allee / Otto Grotewohl Grundstein

    Regen in der Simon-Dach

    In Berlin ist der Regen am grausten
    Und treibt durch die Straßen wie desint’ressiert
    An all der temporär enthausten
    Unwürdigkeit, die da frömmelnd spaziert
    Und irrt
    Und irrt.
    Und irrt.
    (Man will etwas Spirit ja trotzdem erleben.)
    Und immer nasser,
    Blasser
    Wird.
    (Hier wirkt aller Abschaum nur herrlich daneben!)

    Es belächelt die Stadt die zerzausten
    Schöpfe, die ohne Berechtigung sind.

    In Berlin ist der Regen am grausten
    Und aus dir nieselt immer noch Schönheit, mein Kind!


  • Abendrot & das eintausendeinhundertneununddreißigste Gedicht

    Abendrot an der Hamburger Hafenstraße

    Die Reblaus (ein revolutionärer Abzählreim)

    Ein Standbein auf Standby,
    Riskante Risskanten,
    Ins Display nen Riss, ey,
    Den Dissseits Verbannten!
    Es gibt eben nicht genug Chancen für alle,
    Oft kontamanieren Avanzen zur Falle!
    Verkannte Verwandte
    Und niemals Vermisste –
    Verschandelt vom Wandeln
    Durchs regungslos Triste.

    Ungeheuer, -ziefer, -mach
    Hol‘n jetzt aus zum Gegenschlag –
    Hier kommt keiner lebend raus!
    Außer eine Rebenlaus.


  • Max-Joseph-Platz & das eintausendeinhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Max-Joseph-Platz vorm Residenztheater München

    Nächtliche Busfahrt zum Theater

    Sternschnuppenhuschend verblitzen die Lichter
    Auf beschlagnen Fensterscheiben
    Das Vage in ihnen appelliert an die Dichter
    Bei diesem Thema dran zu bleiben

    Was wäre es, gäb es hier etwas zu sehen?
    Was gäbe es, wär es für uns zu verstehen?

    Gelbliches Weltlicht wirft mähliche Schatten,
    Die vom Tage verblasst sich im Rinnstein begatten.
    Die lernen noch die Dunkelheit,
    Kleben uns an den Hacken wie fehlende Zeit.

    Was würde es, könnt hier noch etwas entstehen?
    Was könnte es, würd es nicht einfach vergehen?

    Die Schaufenster strahlen wie Suchscheinwerfer
    Über treues Kopfsteinpflaster.
    Keine Frage in mir stellt mein Augenlicht schärfer,
    Kein Vers ist ein zum Plan Gefasster.

    Doch manches scheint im Werden.


  • Dohaausblick & das eintausendeinhundertsechste Gedicht

    Doha von oben

    Überflieger

    Überflieger,
    Übe lieber,
    Eh du übel fliest!

    Fliesenleger,
    Wiesenpfleger
    (Auch der Bisonvieh-Erleger,
    Über den man liest)
    Haben ihr Handwerk nicht nur überflogen!

    Ich weiß, solch Kritik findest du nur verschroben,
    denn alle Kriterien sei’n nunmehr verschoben –
    Soweit, wie du das überblickst von dort oben.

    Doch vieles ward bloß in den Schoß dir gelogen!

    Dir gehör’n nicht die Wiesen, auf denen du weidest,
    Und weil du den Werteerwerb ja vermeidest,

    Füllt sich der Safe der Tarnung nicht –
    Drum nimm zur Warnung dies Gedicht!

    Zwar folgt der New Wave
    Oft ein günstiger Rave,

    Doch

    Manch früh bewurmten Überflieger
    Zervögelt man zum Unterlieger!


  • Landtag & das eintausendeinhundertzweite Gedicht

    Bayrischer Landtag München

    Sechs Jahre (Zur Schließung der Neuen Pinakothek)

    Wenn in sechs Jahr’n dieser Ort wiedereröffnet,
    Werde ich, ungeordnet, fast sechzig sein
    Und schaff’s, wenn’s gut läuft, noch ein Weilchen
    Hier ohne Unterstützung rein.
    Werd manch Hoffnung und Mensch begraben haben,
    Am Restschorf vieler Narben schaben
    Und Altbekanntes wie Fremdes betrachten,
    Auf andere Konturen achten.

    Als ein chronisch ins tiefste Tal Eingepferchter
    Steh ich sechs Jahre älter dann wieder hier –
    Inmitten frischem Putz erwägend:
    Wie viel vom Ich beließ man mir?
    Für die, die im Bald keine Zukunft haben,
    Ist ein So-weit-nach-vorne-schauen
    Vorweggenomm’nes nahes Darben.
    Ich mag so weit mich vor nicht trauen!

    Mich wundert nicht der Wehmut Stärke,
    Weil ich nur allzu gut versteh,
    Dass ich die weggeschloss’nen Werke
    Nicht ähnlich glücklich wiederseh.


  • Halsbandsittich & das eintausendachtundneunzigste Gedicht

    Halsbandsittich im Yalla Nationalpark

    Stille Weihnacht

    Ich entdecke
    In der hinterste Ecke
    Der Wohnstube, wohin sonst niemand gerät
    (Wo höchstens mal drohend ein Einbrecher steht),
    Einen mächtigen
    Prächtigen
    Leuchtenden Baum,
    Und Festlichkeit durchströmt den Raum,
    Spiegelungen potenzieren
    Warmes Licht wie Grippeviren,
    Ärmlichkeit scheint überwunden
    In der Herrlichkeit für Stunden.

    Doch dahinter sehe ich
    Zwischen den Zweigen,
    Die Einbrecher wieder in Vorfreude schweigen.


  • Victoria Viharamahadevi Park & das eintausendzweiundneunzigste Gedicht

    Buddha Statue im Viharamahadevi Park in Colombo

    Weihnacht

    Als wär’n wir noch nicht eingeschult,
    Dackeln wir durch der Tage Schablone –
    Im schönsten Sinn von abgespult.
    An jedem Klimbim prangt ein „Geht halt nicht ohne!“.

    Und überall
    Liegen Babys im Stall.

    Als wär’n wir wissensresistent,
    Umarmen wir warmherzig uralte Lieder.
    Wenn erst die vierte Kerze brennt,
    Kehrt auch jeder Brauch völlig unbrauchbar wieder.

    Und überall
    Liegen Babys im Stall.

    Als wär’n wir vor Vergessen blind,
    Erscheint uns der Trott in perfekt schnurr’nden Gleisen.
    Und jährlich grüßt das Christuskind
    Auf den unsere Wagenburg schmückenden Weisen

    Und überm Stall
    Beginnt fast schon das All.

    Mehr Gedichte zu Weihnachten & Ostern


  • Malabarhornvogel & das eintausendzweiundachtzigste Gedicht

    Malabarhornvogel Paar

    Deine Beleidigungen

    Ich ließ mich drauf vereidigen:
    Die Art, mich zu beleidigen
    Zur Kunst zu machen, beherrscht nur du!
    Ach, wie gern hör ich dir zu …

    Wie tief wie produktiv du bist!
    Wie wendig du mich endlos disst!
    Ergiebigkeit krönt deine Maschen,
    Die mich stetig überraschen.

    Dumpf verklumpte Nettigkeiten
    Mögen uns ins Bett geleiten –
    Denn Schwärmerei benötigt nicht viel,
    Ist vom Anspruch unsubtil.

    Deinen Zank, der niemals langweilt,
    Ehr ich so, dass hier nun Dank zeilt!
    Denn seine Brisanz verwebt uns zwei
    Zu ewig währ’nder Bändelei!


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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