Ich streb nach der Neutralität des Reis‘ –
Muss gar nicht so viel sein, nur verlässlicher Grund.
Meine Unaufgeregtheit verlangt diesen Preis –
Ich entfalte die Stärke durchs Sein im Verbund.
Ich streb nach der Leistungsbereitschaft des Reis‘ –
Will vielerlei Soßen Geschmacksträger sein –
Leg eigene Krönungen vorerst auf Eis –
Verschreib mich qua Körnung dem Drall vom Verein.
Ich streb aber auch nach der Vielfalt vom Reis,
Von dem Toprating-Augenmerk blind unterschätzt.
Die Wirkmacht der Milde sucht keinen Beweis
Und wird selten in fremde Jargons übersetzt.
Shitstormgefährdetes Städtegedicht (verfasst auf der Regio-Rückfahrt von Offenbach)
Offenbar ’nen schlechten Tag
Hatte Gott bei Offenbach!
Führte dann ein Harnstau
Seine Hand bei Hanau?
Und ward Aschaffenburg nicht doch
Hervorgepresst durchs Afterloch?
Gibt’s da noch Ärg’res, führt’s durch
Das kerkergleiche Würzburg!
Da wir schon genug an solch Abgründchen leiden,
Schwor’n wir, die Besuche von München zu meiden!
Alternatives Ende:
Es versöhnt, dass sobald wir solch Müll übersteh’n,
Wir schon die Schönheit Münchens seh’n!
Ein eingedelltes Mittelmaß
Will meinem Selbst ich bieten.
Ich kolonialisiere Spaß
Und ignoriere Nieten.
Wo ich mich als Mogul aufführ,
Ist Arme-Sau-Terrain –
Da erlässt man dem Image die Ausleihgebühr
Und ruft die Noblesse „à demain!“.
Ich pimpe mir mein Mittelmaß
Für das Sinnenreich der Dekadenz
Im Ferienhaus gepflegter Stars.
Wir tanzen auf den Rücken von Krokodilen
Und jeder verlor schon ein Bein.
Wir zählen uns beide als manche von vielen,
Denn man tanzt ja nicht gerne allein.
Und wir komm’n nicht umhin, uns einander zu danken,
Aneinander gelehnt nicht mehr kritisch zu schwanken –
Wär’n wir auch prinzipiell bereit
Zu früh bestand’ner Wackligkeit.
Ob wir je zurück an das Ufer gelangen?
Ob ich einbeinig doch besser flieg?
Wenn andre auch um unsre Sicherheit bangen –
Noch immer läuft unsre Musik!
Gerade ein Mahnmal umstreunt das Vergessen.
ein Schrei ist ein Schrei ist ein Schrei
Was sorgsam in brutalen Zahlen vermessen,
Borgt uns spröde Tablettchen, bedruckt mit „Verzeih!“.
Man kann einen vordem geharkten Pfad harken.
ein Schrei ist ein Schrei ist ein Schrei
Man kann all die Reue am Pavillion parken,
Aber die mit dabei war’n, sind nicht mehr dabei.
Die Mathematik lässt sich immer vererben,
Auch Repliken von „Arbeit macht frei“,
Erinnern, gemahnen wie weitere Verben.
ein Schrei ist ein Schrei ist ein Schrei
Wüste schmeckt man immer im Gaumen
Als vom Boden reflektierter Staub.
Es drückt der entgrünende Daumen
Die Kehlen mit Flüssigkeitsraub.
Ein Flimmern massiert unsre Schläfen
Und das Licht grellt sich tief in den Leib;
Verdorrt sind der Schleimhäute Häfen
Und die Zeit zäht sich durch den Vertreib.
Eine Gastfeindschaft hat sich hier fest etabliert,
Die ist nur an Auslöschung interessiert.
Man schmiegt sich in Benommenheit,
Da alles „Nicht willkommen!“ schreit.