Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Berlin

Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und danach einige Jahre noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender. Mittlerweile viel zu selten.


  • Im Jagen 86 & das eintausendeinundzwanzigste Gedicht

    Sandgrube Jagen 86 Grundewald

    Schon hat sich etwas Kühle in

    Schon hat sich etwas Kühle in
    Den Sommerwind gelegt

    Dem trotzt wie ich mich fühle – bin
    Von Hoffnung untentwegt

    Doch was sich da verschoben, es
    Dringt niemals so zurück

    Und unbemerkt verwoben, nes-
    Telt Irrtum um mein Glück

    So lasse ich auch gehen, was
    Zu halten ich vermocht

    Es ist das Neuentstehen das,
    Wofür ich immer focht


  • U55-Start/Zielbahnhof & das neunhundertvierundzwanzigste Gedicht

    Berliner Hauptbahnhof

    Der Panther 55 (im Jardin des Chanceliers, Berlin)

    Die Fahrt geht brandenbun zum Hof und hauptbandta ins Tor
    Bis 18 Uhr nur vor – zurück, danach zurück und vor

    Richtungswechsel, die kaum lohnen
    Weil man eh nur zweimal hält
    Mir ist, als seien drei Stationen
    Eine ganz schön kleine Welt

    U-Bahn wie Panther sind beide, mir bangt
    Vermutlich an Hospitalismus erkrankt


  • Warschauer & das neunhundertdreiundzwanzigste Gedicht

    S-Bahnhof Warschauer Straße

    U-Bahnvibe und Unterleib

    An dem untersten Ende der Fahrgästerücksicht
    Steh’n die rollkofferzieh’nden Touristen
    Für die geht man sowas von nicht-aus-dem-Weg
    Denen funkelt es zu: „Bei der nächsten Begeg-
    Nung werd’n wir eure Bauchnäbel fisten!“

    Doch am untersten Ende der Fahrgästerücksicht
    Muss keiner sich langfristig quälen
    Und wird daheim vom roughen Charme
    In dem Berliner U-Bahndarm
    Fast süffisant erzählen


  • Berliner Sommer & das neunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Berliner Sommer am S-Bahnhof Landsberger Allee

    Berlin kann kein Sommer

    Berlin ist im Sommer immer so hilflos
    Und sieht dabei oft scheiße aus
    Stolziert dann umher wie’n williger MILFschoß
    Und pfeift sich selbst nach: „Heiße Maus!“

    Hier dörrt jeder Grashalm ’n Spürchen zu schnell
    Und verkleidet sich manch Mensch zu mutig
    Hier staubt hohle Wärme ’n wenig zu grell
    Ist das Grillgut ein bisschen zu blutig

    Bei brüllendster Hitze wird romantisiert:
    Diese Stadt macht aus uns Sukkulenten!

    Berlin kann kein Sommer – dein Touristguide irrt
    Diesen Kram glaub’n hier nur die Studenten


  • Potsdamer Platz & das neunhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Potsdamer Platz

    Potsdamer Platz (und ein, zwei Gedanken über eine Namensänderung)

    Potsdamer Platz, Potsdamer Platz
    Auf dich reimt sich eig’ntlich nur Kotzalarm, Schatz!

    Wie: „Ach, da schau ma‘ her, hey – das wusst‘ ich ja nich!“
    Mensch, Platz, dafür braucht’s auch ’nen Dichter wie mich
    Wie: „Toll, aber fällt dir nichts Schöneres ein?“
    Nun, Kotzalarm, Schatz! kann so schlecht ja nicht sein
    Impliziert doch der Reim: Da sind zwei, die noch fighten
    Für die Liebesbeziehung in schwierigen Zeiten

    „Mein Zielpublikum wird das wohl nicht so versteh’n …“
    Dann müssen wir beide am Endreim was dreh’n

    Hier kommt schon Teil Zwo: Gib Pföt’gen, Schatz!
    Und dich, dich nenn’n wa Klötgen-Platz!

    Einverstanden? „Ja, ok!“
    Ich glaub’s, wenn ich die Schilder seh’…


  • Kulturforum & das neunhundertzwanzigste Gedicht

    Kulturforum und Potsdamer Platz

    Spaghettieis (Die Konstanten des Lebens)

    Ein Teil deines Zaubers ist die Profanität
    Wenn nach lustlosem Scannen der Eisbecherkarte
    Vorm „Ach, das klingt auch lecker!“ klar wird: Zu spät!
    Denn bevor ich auf eigne Entscheidungen warte
    Heißt es: „Einmal Spaghettieis – ganz normal!“
    Drei Sorten zur Auswahl – klar, weiß ich, egal!
    Inmitten von hunderten Fruchtkreationen
    Die sich schon allein ob des Obstwertes lohnen
    Brütet kühl jener Standard ganz ohne Verkleidung
    Und die Wahl, die auf ihn fällt, ist keine Entscheidung

    Will: Dieses fädrig verwob’ne Vanillegekräusel
    Unter erbeerversüßendem Saucenbehang
    Und den weißschokoknackigen Fettzuckerstreusel!

    Ein mit meiner Kindheit verknoteter Zwang

    Und auf dem Grat zum Ewig Gerne
    Genieß ich, dass die tief im Kerne
    Eis geword’ne Sahne is
    Schon von der Haptik Leckerbiss!

    Doch ahn ich wohl, dass eines Tages
    Sitz ich in ’nem Café und wag es
    Am Standard vorbei etwas andres zu wählen

    Fortan wird auch dort dann die Auswahl mich quälen


  • 3 Grauglöckchen & das achthundertsiebenundvierzigste Gedicht

    Schlossbrücke Berlin

    Lückenlos

    Und der Tod reißt voller Tücke
    In dein Leben eine Lücke …

    Dich umgarnt des Trostes Schoß
    Doch das Loch ist viel zu groß
    Und es hallt von seinen Rändern:

    Alles, alles wird sich ändern


  • 2 Knüpfwerk & das achthundertsechsundvierzigste Gedicht

    Der Heilige Georg. Nikolaiviertel Berlin

    Die Bewegten

    Die Düsternis eint uns als Leidensgenossen
    Und einhellig kling’n unsre Lieder
    Vielleicht hat man einst aufeinander geschossen
    Und sicherlich tät‘ man es wieder

    Herr Ober, dies Drittelchen Geisterverwandtes
    Zentriert unsre Mitten aufs Essen!
    Umsäumt unsre Teller noch leidlich Verbanntes
    Ersucht stiller Kammern Vergessen!

    Denn Düsternis eint uns als Leidensgenossen
    Und einhellig kling’n unsre Lieder
    Vielleicht hat man einst aufeinander geschossen
    Und sicherlich tät‘ man es wieder …


  • Tempodrom & das siebenhundertachtundachtzigste Gedicht

    Tempodrom

    Der Eleve

    Ich schob den Rock ihr sanft nach oben …
    Doch die Textilie blieb nicht droben
    Ich zog an ihrem Slip dadrunter …
    Der fiel an ihren Beinen runter
    Ich schob den Rock noch mal nach oben
    Denn was misslingt, das muss man proben


  • Modersohnbrücke & das siebenhundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Modersohnbrücke

    Berliner Boden

    Hier ist das Pflaster noch Teil einer Wunde
    Klatscht der Schritt über Härte zurück in das Bein
    Im Gestein klebt das Wimmern getretener Hunde
    Ist die Coolness ein Bittbrief, hier glücklich zu sein?


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

* Costa Rica
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