Beides geht nicht
Magst du nackert den Kuss eines Nussknackers schmecken
Oder mal mit Genuss an ’nem Busfahrer lecken?
Man weiß ja um den Reiz von beiden,
Drum dräng’n die Herrn dich zu entscheiden.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und danach einige Jahre noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender. Mittlerweile viel zu selten.

Beides geht nicht
Magst du nackert den Kuss eines Nussknackers schmecken
Oder mal mit Genuss an ’nem Busfahrer lecken?
Man weiß ja um den Reiz von beiden,
Drum dräng’n die Herrn dich zu entscheiden.

Sigmund Jähn
Warum ein Gedicht auf Sigmund Jähn?
Weil Dinge lässig fortbesteh’n,
Egal, was die Zeiten verändern.
Weil Erster zu sein zu seiner Zeit
Sich misst bis in die Ewigkeit.
(Ja, den Satz darf man gern auch begendern.)

Vom Schreiben
Ich startete im Krickelkrakelsturm meiner Gedanken,
Umarmte dann fast sehnsuchtsvoll die Planken früher Schranken.
Den angewöhnten Bogenstrich hat Tasterei geglättet,
Die kurz darauf mechaniklos zum Bildschirmpunkt geflattet.
Fürs Krickelkrakel brächte ich die Kraft wohl nicht mehr auf –
Im Kerker der Bequemlichkeit verlernt man freien Lauf.

Ripostegedicht zu „Im Anfang“ von Else Lasker-Schüler, das aus Worten besteht, deren Anfangsbuchstaben viermal den Namen „Else Lasker-Schüler“ ergeben.
Else Lasker-Schüler: Ends Los
Als Satans Küsse Else rammten,
Sich chancenlos hart über Lippen erbrachen,
Raunte ein Lobgesangsrequiem samten
Endlose Lehnwörter anderer Sprachen.
Kein Ende rühmt sich christusgleich!
Hundert Übel lebt eine Ruine!
Entsprechend löst sich Elses Leich‘
Als korrekt etablierte Routine.
Statt chorgesängig hinzufahren
Übt lieber ein recht eckig‘ Leben!
So erlebt Lust als Kür eines raren,
– statt cash – hier üblichen Lohns ew’ger Reben!

Schöne Berliner Worte: schau
An den Rändern von Berlin
Stauen sich die Seen.
Brenda spricht zum Gatten Ian:
„Schau, wie schau!“ – sprich: scheen!

Stadtteiler Zweizeiler: Köpenick (Eisern bleiben!)
Wo Köpenicker Köppe nicken,
Sag nie: „Pöh, ihr könnt eh ni‘ kicken!“

Am Langen See
Dort ruht die letzte Schönheitsspur
Aus altgedienten Zeiten –
Von jetzt kann neue Einsicht nur
Dir gleiche Freud bereiten.
Ein altes Treppenfundament,
Dem das Gebäude fehlt.
Ich kenn noch wen, der das noch kennt –
Der nennt den Ort: entseelt.
– – –
Damit kleine Dinge verschwinden,
Muss wirklich nichts Großes gescheh’n.
Die Zeit lebt vom steten Erblinden –
Auch du bist schon nicht mehr zu seh’n!
– – –
Aufs Seeufer fällt manchen Abends ein Schatten
Von einem verschwundenen Ausflugslokal.
Und die Freude am Spiel, die wir einst darinn’n hatten,
Verdimmt im Anno Dazumal.

Dem Äther
Radi – Radi – Radio,
Ich drehe am Rad deiner Sendersuche
Und flüchte mich ins Irgendwo,
Getrieben vom seiernden Deutschpop-Eunuche.
Wissend:
In dem Gerausche der Ultrakurzwellen
Gibt’s die momentelang richtigen Stellen,
Die wandernd der lot-rote Strich für mich findet
Und Gerättreue kurz an Bestätigung bindet.
Erinnernd:
Die matt hinterleuchteten Stadtnamenskalen
Im Musiktruh’n entströmenden Röhrengeruch,
Die ’nem Dreiersprung folgenden Megaherzzahlen
Am Radiorecorder nebst Bandsalatfluch.
Mixtape-alert auf der Suche nach Stil
Stieß ich tiefnächtens aufs Herz von John Peel,
Gab ihm die Lizenz, mir die Nächte zu stehlen
Mit krudem Kram aus noch verdecktem Gefallen –
Den würde mir Spotify niemals empfehlen!
In solch Algorithmen riecht alles nach allen.
Verklärend:
Auf Grundig und Blaupunkt brach ich dereinst auf
Zu landen an Stränden von neuen Instanzen.
Von Sony und Sharp nahm ich Flotten in Kauf,
Als Worte und Klänge mich lehrten zu tanzen.
Abwehrend:
Du maulst gekränkt, hier fehle die
Probierkraft der Community –
Der autarkische Schwarm sei der Held vom Gedichte!
Das ist vielleicht nicht grundverkehrt,
Mir bleibt’s ein Reichtum ohne Wert –
Das wird später deine, nie meine Geschichte.

Regen in der Simon-Dach
In Berlin ist der Regen am grausten
Und treibt durch die Straßen wie desint’ressiert
An all der temporär enthausten
Unwürdigkeit, die da frömmelnd spaziert
Und irrt
Und irrt.
Und irrt.
(Man will etwas Spirit ja trotzdem erleben.)
Und immer nasser,
Blasser
Wird.
(Hier wirkt aller Abschaum nur herrlich daneben!)
Es belächelt die Stadt die zerzausten
Schöpfe, die ohne Berechtigung sind.
In Berlin ist der Regen am grausten
Und aus dir nieselt immer noch Schönheit, mein Kind!

Das Treptower Ehrenmal
Den Treptower Ehrenmalerdhügelmann
schau‘ ich mir sehr gern und auch häufiger an
Ditt Hakenkreuz noch anne Hacken
rechts Schwert und links das Kindlein packen
wirft er gemächlich seinen Schatten
auf Gras und Grab- wie Gehwegplatten
Dem Dichter: Oase, herrscht allmächtig: Stille
Davon gibt’s ja sonst hier nu wirklich nich ville
Und drum beehr‘ ich’s hundertmal
als Versemehrers erste Wahl!
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