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Gedichte über das Schreiben, das Dichten und das Autorendasein.

Marienplatz & das vierhunderterste Gedicht

U-Bahnhof Marienplatz

Ripostegedicht zu Novalis "Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren"

Wenn doch vor Zahlen und Figuren ...

Wenn doch vor Zahlen und Figuren
Gefügig alle Dichter spuren ...
Als Pagen ihrer Gagen müssen
Grad sie, die's eig'ntlich besser wissen
Den Furor zähmen zum bequemen
Für-den-Sponsoren-zurück-sich-Nehmen
Wenn dann sie auch in den Metaphern
Versuchen, Großes nachzuaffern
Kopieren sie in ihr'n Gedichten
Die immergleichen Weltgeschichten
Doch verbleibt die Inbrunst unversehrt
Jenes selige Geifern
Und tolle Ereifern
Für Stil und Genie
Aber auch Anarchie
Dass Figuren und Zahlen
Werd'n wertlose Schalen
Schreibt der dichtende Wicht
Dieses eine Gedicht ...
Dann sei er trotz allem für dieses verehrt!

Zurück im Englischen Garten & das vierhundertste Gedicht

Englischer Garten

Das Stuttgarter Wundenlecken ist vollzogen. Man zieht wieder durch die herbstige Hood. Und vollendet die vierte Hundert!

Der Plagegeist (Ein Verdachtgedicht)

"Das war ich nicht!"
Mault dies Gedicht
Und plärrt noch kindlich:
"Immer ich!"

Doch woher kommt die Traurigkeit
Die wild verstreut im Zimmer liegt
Und dieser Sack verlorner Zeit
Der massiger als Schwermut wiegt?

Wer hat die zwei Fell von der Leine gelassen?
Wer hat vor die Einfahrt den Grübel geladen?
Wer billigte willig das sinnige Prassen?
Wer naschte vom Melancholateralschaden?

"Ja, ich doch nicht!"
Spricht dies Gedicht
"Verdächtige nich
Immer mich!"

Pause & das dreihundertachtzigste Gedicht

Augsburg

Nichts zu tun, außer für eine Slam-Revue in Augsburg drei Texte hervorzusuchen - und trotzdem kein neues Gedicht im Blog?! Ist das schon der Anfang vom Ende?

Schreibblockade bei Dreihundertachtzig?

Schreibblockade bei Dreihundertachtzig!
Plötzlich stoppt all der Schreibfluss mit quietschenden Reifen
Was dir ein Profil erschien, dampft und verflacht sich
Vermag auf dem Untergrund nicht mehr zu greifen

Der Nullfallsreichtum schleicht sich an
Und fragt, ob er dir helfen kann
Die Antwort kennst du, doch sagst: "Nein -
Das regelt sich von ganz allein!"

Ich werd' jetzt mal ein Stündchen warten
Dann vorsichtig den Motor starten ...
Und vom Start weg mit Vollgas Ressourcen verprassen!

Der Rat, es mal langsamer angeh'n zu lassen
Verbreitet zwar mit dreister Macht sich
Doch nicht bis zur Taktzahl von Dreihundertachtzig!

Laub & das dreihundertneunundsiebzigste Gedicht

Herbstlaub

Herbstlaub

Wenn Herbstlaub mir aufs Haupthaar fällt
Und gnädig bedeckt all die lichteren Stellen
Die manch Gedicht schon hergestellt
So drängt es die Erben, die Stämme zu fällen

Wie mutig die sich an den Sägen verheben
Und an den verlockenden Knebelverträgen
Die man noch lockig abgesegnet
Und die bald schon die Stille der Flocken beregnet

Indes kämme ich mein Haupthaar
Lass das Laub hinunterschweben
Wenn ihr Bäume es erlaubt, ja
Mag ich noch ein Jährchen leben -
Nicht den Blick nach oben richten:
Übers Schweben möcht' ich dichten

Alter Nordfriedhof & das dreihundertundzwölfte Gedicht

Alter Nordfriedhof Maxvorstadt

Wie soll das alles enden?

Das Weitere und die Endzeit

Diese Zeile hat noch gar keinen Dunst, wo sie endet
Und auch dieser hier werde ich das nicht verraten
Diese glaubt, dass sich durch ihr Dazutun was wendet
Und nun steh'n sie zu viert hier geschrieben - und warten

Sich im Ist einzurichten, klingt manchmal gescheiter
Denn oft geht's im Leben ja gar nicht groß weiter

Kloster Tegernsee & das dreihundertundzehnte Gedicht

Kloster Tegernsee

Auf der Suche nach kindischem Beistand im Kloster Tegernsee.

Lindernde Bindungen

Kinder,
Bin der
Minne leid:
Findet mir
'Ne Tinder-Maid!
Ab Beginn der
Winterzeit
Sind die unbepaarten Barden
Hilflos
In der
Minderheit

Kurzurlaub & das dreihundertundneunte Gedicht

Tegernsee

Für einige Unterkategorien dieses Blogs braucht es ein paar Blogunterkategorieerklärungsgedichte. Hier zum Begriffs Kurzzeiler.

Auf die Länge kommt's an

Angesichts 'ner
Langen Zeile
Bange ich vor
Langeweile

Holz ohne die 7 Todsünden & das dreihundertundsechste Gedicht

Holz ohne die 7 Todsünden

Für die Unterkategorien dieses Blogs braucht es ein paar Blogunterkategorieerklärungsgedichte. Hier das erste - zur Erläuterung des Begriffs Zweizeiler.

Zweikampf

Zwei Pfeile feil' ich, voller Gift
Und coach' sie mit 'ner Überschrift

Abendrot & das zweihundertzweiundneunzigste Gedicht

Kochel am See

(...)

Die Neige

Kein glänzender Einfall grätscht jetzt noch ins Senken
Kein Wortwitz ernörgelt sich seine Notiz
Kein Reim möchte sich kurz vorm time out verschenken
Die Metrik verkneift sich verspätete Beats

Kein Strophengeäst will sich weiter verzweigen
Wenn alles errötet, heißt's: Einfach mal schweigen

Publikum & das zweihundertsiebzigste Gedicht

Fesselballon über dem Englischen Garten

Oben: Idylle. Unten: Abgründe.

Poetry Slam

Diese Masse an Menschen! Und alle verdauen!
Wie sollt' als Ästhet ich mich nun noch getrauen
In diesen Morastpulk mein Lied zu versenken
Da alle an Glied- oder Scheidenstrom denken
Um schon in der Pause ein Meer voller Pisse
In Kübel zu strullern? Wo ich doch gewisse
Ideale von Schönheit zu gern propagiere ...
Vor Körpern, den'n Kotknetung und Uriniere
Das einzige Gebot der Zeit
Führt solcher Anspruch bloß zu Leid

Drum geh nicht den Weg über weit're Verkopfung
Sondern quäle die andern und sorg für Verstopfung!

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