Alter, Tod & Abschied

Gedichte über das Älterwerden, den Lebensabend, Krankheiten. Und den Tod.

Auf La Digue & das eintausendvierhundertachtzehnte Gedicht

Am Anse Source d'Argent auf La Digue

Es rührte mich so sehre ...

Ich blinz'le lidmüd in den frühen Sonnenuntergang ...
Das unabändernd Endgewissen dauert mich zu lang!
Zäh fällt die Schlottertür ins Schloss -
Die aller Schönheit Pforte
Gibt nie mehr preis, was ich genoss,
Und schließt sich ohne Worte.

Mangrove & das eintausendvierhundertelfte Gedicht

Mangroven am Anse Takamaka auf Mahe

Unnötig Altern

Jede Warteminute im reiferen Alter
Ist ein höh'rer Prozentsatz an Restlebenszeit.

"Wat is'n getz?!", geift deren Nutzungsverwalter
Bei jeglichem Reifen von Unpünktlichkeit,
Ereifert sich zu Lob und Huld
Des Phönix' brenn'nder Ungeduld.

Wem die Lebenszeit abläuft, muss im Zwangslauf sich sputen,
Ist berechtigt zum Unmut auf Warteminuten.

Feensee & das eintausendvierhundertachte Gedicht

Feenseeschwalbenpaar auf La Digue

Treffen unter alten Freunden

Wir erinnern die Lieder, die wir damals sangen -
Nur der Text dazu fällt uns nicht ein.
Gern täten wir wieder, was wir nie begangen,
Uns einander das Alter verzeih'n ...

Flughafen Riem & das eintausendvierhundertste Gedicht

Flughafen München Riem Abflughalle heute

Reingefallen!

Du wusstest es, oder? Die Welt galt der Planung
Einer Großüberraschung für dich!
Du verneinst das zu schnell, als wär da keine Ahnung,
Durch die ein Gewissheitshauch strich.
Du trichtertest dir doch am Tresen oft ein:
Das kann's noch nicht gewesen sein!

Nun hör der durchs Bühnenbild Huschenden Tuscheln,
Die selig sich in ihrer Vorfreude kuscheln -
Was gab's da nicht Blödes, an dem du genagt,
Wie schön, wenn da gleich wer mit Löschtaste sagt:
"Überraschung, Junge! Schau mal da:
Hinterm Sarg - die Kamera!"

Du hast dich wirklich gut geschlagen
Und bist bei allem cool geblieben,
Noch bis zuletzt fern vom Verzagen!

Wir hab'n's ja manchmal übertrieben -
Doch wussten auch: Der kann was ab!

Und jetzt erhol dich gut im Grab.

Santa Margherita & das eintausenddreihundertsechsundachtzigste Gedicht

Am Campo Santa Margherita

Der alten Jungfer

Bist bis zum Sterben schön gewesen
Und bliebst doch am Schluss so alleine,
Warst so begütert wie belesen -
Und so schöne Beine!
Derweil du dich so gut gehalten,
Hielt niemand deine Hand.

Hier liegt im Grab der zählbar Alten:
Ein Schatz, der kaum bekannt.

Überseekirchturm & das eintausenddreihundertsiebenundsiebzigste Gedicht

In Übersse am Chiemsee

Lichtblicke

Wie sich ein Hauch von Sommer in den Winterwind verirrt,
Befällt auch uns mal Heiterkeit (obschon man stets verliert).
Eh, dass der Frühling Bahn sich bricht, sind wir wohl längst erfroren.
Doch wer uns kennt, der sage nicht, wir hätten nur verloren.

Prinzregentfirst & das eintausenddreihundertsiebzigste Gedicht

Auf dem Dach vom Prinzregententheater

Der Selbstmörder

Ach, er stand irgendwie nur daneben -
Und die Welt schien ihm immer zu klein!

Nun, er hatte schon Lust auf das Leben,
Doch die Umstände schrie'n so laut: "Nein!"

Neuperlach & das eintausenddreihundertneunundsechzigste Gedicht

Neuperlach City

Abendkälte

Da mir der Abend Kälte wünscht,
Muss ich mich wohl verkühlen.
Weil er des Tages Pläne lyncht,
Die tief in mir noch wühlen.

So dünnt sich dunkel aus: die Zeit.
Zu viel bleibt ungelesen.
Mein Wille ist zu viel bereit
(was nutzt's mir jetzt?) gewesen.

Zero Gravity & das eintausenddreihundertsechsundsechzigste Gedicht

Die Ausstellung Zero Gravity in der ERES Stiftung Schwabing

Gnadenhof

Du reichst der Welt die fremden Federn,
Mit denen sie sich schmückt.
In Daunenkissen findet jeder 'n
Kleinod, das ihn schmückt.

Schon liegt dein Köpfchen wieder hart,
Das hindert dich am Schlafen.
Die hab'n dich hier aus Angst verscharrt,
Du könntest wen entlarven.

Zu gierig rupfen sie dein Hab
Und geben keine Ruhe.
Und schon verdächtigt sich ein Grab
Wie zu bequeme Schuhe.

Du musst - egal, wie alt er ist,
Den Einspruch noch erheben.
Du bist - egal, wie müd du's bist,
Halt immer noch am Leben.

Kerimäki & das eintausenddreihunderteinundfünfzigste Gedicht

Decke der größten Holzkirche in Kerimäki

Kleine Adieus

Es war nichts Wichtiges, das ging.
Kein Schatz, an dem man wirklich hing.

Doch sträubt den Samt der kleinen Schmerzen
Die Täubnis deines Zugemuts -
Der sammelt bloß, bald auszumerzen
Die alten Pläne deines Guts!

Dein Stern ist aus der Welt gesunken.
Du hast zu oft Adieus gewunken
Und tat auch keines weh -

Es werden die Veränderungen
Schon längst als Status Quo besungen,
An dir prangt ein a.D.

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