Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Körperteile

Jedem Körperteil sein Gedicht …


  • Helgoland revisited & das neunhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Auf dem Weg zur Langen Anna

    Bei meiner Lesebühne P&P wünschten sich die Zuschauer mit großer Mehrheit ein Ripostegedicht auf Jan Böhmermanns Erdogan-Schmähgedicht. Ich nahm mich der Aufgabe an, unter besonderem Fokus darauf, das Gedicht in einer einem Staatsmann angemessenen Qualität zu verfassen – nicht wie die eher dahingerotzten Böhmermann-Verse, die vermutlich vor allem auch wegen mangelnder lyrischer Qualität beanstandet wurden.
    Ich bin bei der bereits etablierten Unterleibsthematik geblieben – weswegen hier im Netz auch nur die „entschärfte“ Version veröffentlicht wird. Vielleicht ja ein Beitrag zur Befriedung des aufgekommen Streits.

    Die Eichel Recep Erdogans (Ein respektvolles Schmähgedicht)

    Altersfleckgrindig, vom Speckglanz gefettet
    Zuckt nach ’nem Spuckkrampf, nun ölig gebettet
    Im spermaverkrusteten Schamhaargewölle
    Gleich einer Verwesungsmief hortenden Hölle:
    Die Eichel Recep Erdogans

    Ein Teich gekippten Pferdeharns
    Vermochte nicht an ihr Aroma zu reichen
    Kein Dom voll weichgekochter Leichen
    Könnte jene versengende Fäulnis entsenden
    Wie ’ne Eichel, gestreichelt von Erdogans Händen

    Schon als ein In-die-Hosen-Kacker
    War er ein echter Motherfucker
    Beim Drang auf Mamas Schoß zu rutschen
    Ging’s bloß um: „Los hier – Pimmel lutschen!“
    „Denn Frauen,“ lehrt sich Erdogan
    „Sind Herdtier und mir Untertan!“

    So war Recep Ätztyp Erdogan
    Im Pre-K-Alter schon erfahr’n
    Und seine ädrig durchknorpelte Schwellkörperpracht
    War ihm immer zur Hand bei dem Weg an die Macht
    Fast göttlich verstand Erdogan
    Auch der Mullah Puller hochzufahr’n
    Mit religiös verbrämter Kraft
    Ging’s jetzt um den Alleinherr-Schaft

    Und ganz oben, da keimt die Recep-Eichel
    Umschleimt von Alte-Männer-Speichel
    Und buttergelb verkästem Samen / Ja, fußgeruchgetauft sind alle
    Ergüsse, die aus Erdi kamen / Und fermentiert in Retro-Galle

    Und jeder, der von diesem Gestank noch nicht blind
    Lehrt jetzt sein türkisch verwurzeltes Kind:
    „Fass lieber Herd und Ofen an
    Als irgendwas vom Erdogan!“

    Wie könn’n wir Mutter Erd erspar’n
    ‚Nen weit’ren Tag mit Erdogan?
    Bevor da wer ’nen Würgreiz kriegt
    Sobald von der Türkei man spricht –
    Eins der schönsten und spannendsten Länder Europas!
    … in der Hand des der Steinzeit verpflichteten Opas!?

    Entledigt euch seiner, oh, ihr freundlichen Leute
    Tut’s mit Wut, notfalls Blut, aber tut es – noch heute!


  • Vancouver revisited & das neunhundertfünfundachtzigste Gedicht

    Vancouver Panorama

    Brüste

    Der zarte Schwung nebulös zielforschen Willens
    Formt die rosig ins Licht stier’nde Jungfrauenbrust

    Noch zärtelt die Trainingselevin des Stillens
    Mit der allseitig plump auf sie strömenden Lust

    Doch Säuglingsdurst wird nach den Sprösslingen schnappen
    In den Zwangsruhepausen des Liebhaberwahns

    Und Irdisches fängt sich im schmutzscheuen Wappen
    Und versprengt die Zerbrechlichkeit des Porzellans

    Schon maßt’s mich an, hier einzugreifen
    Als Ranger für das, was des Schutzes bedarf

    Nur bin ich für Gerechtigkeiten
    Auf all die Zerstörung ja selbst viel zu scharf


  • 39 Schilfwurzelkittel & das achthundertvierundachtzigste Gedicht

    Wein in Kaltern am See

    Mein Lächeln

    Nur weil dein Mund die volle Berechnung behaust
    Werd‘ ich nicht mit den Lächelnden brechen
    Nur weil du mit dem Zahngold die Süchtigen laust
    Löse ich nicht die alten Versprechen

    Ich werd‘ das Mimetische kritisch studieren
    Und ich weiß ja durch dich, was nicht echt ist
    Werd‘ andere Falschheiten falsch eruieren
    Beteuern, dass mir es so recht ist

    Ich werde unsre Parkkulissen
    Nicht irr wie ein Jagdhund durchhecheln
    Ich werde manch Trug im Grün einsehen müssen
    Kopfschüttelnd seufzen – und lächeln


  • 24 Augenwerk & das achthundertachtundsechzigste Gedicht

    Innenhof Schloss Blutenburg

    Ohne Worte

    Derweil meiner Fresse die Zähne zerfielen
    Und ein Pilz aus dem Lippenriss spross
    Schälten sich von meiner Zunge die Schwielen
    So kam’s, dass ich schweigend genoss
    Und nach und nach Loch um Loch wiederbefüllte
    Und Essensrestnester mit Wundfleisch umhüllte

    Weil aber den Zerfall eine Zähheit befraß
    Die jeden Sporn Hoffnung vermüllte
    Kam’s, dass ich um Hilfe zu schreien vergaß


  • Anse Royale & das achthunderteinunddreißigste Gedicht

    Anse Royale

    Kakao

    Ihre Lippen sind wie Schokolade
    Deren Schmelz sich nie verzehrt
    Von dem ich mich ab einst bis grade
    Unersättlichstens ernährt


  • Gänze & das achthundertzwölfte Gedicht

    Wasservögel Flauchersteg

    Hastig

    Du hast die Seuche an den Hacken
    Sie zwingt dich, bäuchlings abzukacken
    Und alles ist Malheur

    Du hasst die Seuche an den Hacken?
    Dann zwing dich, beide abzuzwacken
    Es bessert sich, ich schwör‘!


  • Winterkleidung & das siebenhundertachtundneunzigste Gedicht

    Winter 2018

    Der Winterspaziergang

    Die Kälte kommt über den Kragen gekrochen
    Beknabbert meine Wangenknochen
    Und klatscht sich patschig an die Stirn
    Eisig betäubt sie mein sträubsames Hirn

    Jeder Atemzug gleist in die Lungen hinein
    Die schein’n um ein Vielfaches tiefer zu sein
    Der Restkörper spendet der Kleidung Applaus
    Nur die Nasenspitz‘ quengelt: „Wann geht’s denn nach Haus?“


  • St. Hedwig & das siebenhunderteinundachtzigste Gedicht

    Dach der St. Hedwigskathedrale

    Den Hintern in Saunen

    Der Backen Schwung, der Backen Schwung
    Der Backen Schwung von alt auf jung
    Verändert den Verlauf
    Mein Blick hausiert, mein Blick hausiert
    Mein Blick hausiert, gefriert, pausiert
    Und hält dann schamlos drauf
    Der Symmetrie, der Symmetrie
    Entsprechen sie bei Phantasie
    Im Dunst der kühlen Schauer
    Das Ideal, das Ideal
    Sinnt Berg und Tal und singt „Egal!“
    Kein Alter ist von Dauer

    Doch das Geschlecht ruft selbstgerecht
    Und massig echt zum Blickgefecht
    Es blökt aus kahlen Lenden
    Allein der Po summt freundlichfroh
    Hat auch vom Show-Wert mehr Niveau
    Im Dunst steht „Bitte wenden!“


  • Letzter Entwurf & das siebenhundertvierzigste Gedicht

    Auf der Ilkahöhe

    Die da werden von der Wintersonne

    Die Schatten werden nicht nur länger, sondern int’ressanter
    Wer vermisste schon das Quengeln Sonnenbadverbrannter?

    Der letzten Tage Sonnenschein
    Birgt das Wissen von einem zerschlissenen Jahr
    All das Brüllende, Brennende dringt nicht mehr ein
    Und er stellt dich Gestalt gnädig riesenhaft dar


  • Schloss Goldegg & das sechshundertsechzigste Gedicht

    Blick auf Schloss Goldegg

    Welch Irrtum! (Ein Zahnpflegeslogan)

    Die Bälger mit den gelben Zähnen
    Vor Bergen sich verborgen wähnen


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