Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Dutzendzeiler


  • Stuttgart 2016 b & das dreihundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Stuttgarter Schlossplatz

    Die Einschläge

    Wenn Dinge gelingen
    Und Fanhymnen singen
    Wie teuflisch fantastisch dein Leben sich brät

    Gilt’s hart zu bewachen
    Was dir in den Rachen
    Und was Zentimeter daneben gerät

    Das Treffliche findet sich selten im Leben
    Und noch am Geringsten wirst du dich verheben

    Bewahr‘ die Gnade der Momente
    Und spar sie an als Hauptgang-Rente!


  • Belgien & das dreihundertneunzigste Gedicht

    Bild 7

    Aufgelöst

    Dürrbeinigkeit stiefelt über das Pflaster
    Im Warteraum lächelt ein Magergesicht
    Nur mich übermannen die üblichen Laster
    Ich könnte es schaffen, ich will es nur nicht

    Da seufzt der verlorene Anfang des Tages
    Ich schüttle ihn durch, brüll: „Was willst du Kerl, sag es!“

    Doch bis zum Abend bleibt er still
    Und stellt infrage, was ich will
    Und was ich überhaupt noch kann
    Ganz unberührt von „Wie?“ und „Wann?“

    Schon hampelt die Hagerkeit hinter der Tür
    Ich werde so traurig und weiß nicht wofür


  • Pläne & das dreihunderteinundachtzigste Gedicht

    Ritter Butzke Kreuzberg

    Das zweite Mal in diesem Monat in der Stadt der Projekte. Das x-te Mal in diesem Jahr. In Berlin.

    Der Traumtänzer

    Für deine Pläne bräucht‘ es drei weitere Welten
    Doch die Götter – sie halten sich grade zurück
    Wie oft fehlte dir nur der Platz, um zu gelten?
    Du hast mit den Schöpfern von Rahmen kein Glück!

    Wenn die Welt erst beginnt, dich Versager zu nennen
    Wappnest du dich schon längst mit ’nem neuen Projekt
    Du bist und du bleibst einfach ewig im Rennen
    Und hältst dich in puncto Erreichtes bedeckt

    Kostümierst dich so gerne mit Excel-Tabellen
    Und negierst deine Neigung zum Festangestellten
    Du würdest dich ja deinen Aufgaben stellen
    Doch bräuchte es dafür: drei weitere Welten


  • Trottcomeback & das dreihundertsiebzigste Gedicht

    Ziegelbrennerei im Hochland Madagaskars

    Schon scheint es, man sei bereits Ewigkeiten wieder zurück – Zeit für ein Erinnerungsfoto von einer madagassischen Ziegelbäckerei.

    Zweiter Anlauf

    Und langsam glättet das Leben sich wieder
    So sehr auch die Hektik dagegen sich stemmt
    Es schlüpft unlasziv alle Last aus dem Mieder
    Und bleibt in der Nackigkeit seltsam gehemmt

    Spreiz dich aus, du alte Nervschildkröte!
    Ich hab meine Glanzlosigkeit überlebt
    Nun wird dir das Blech der fanfarischen Tröte
    Mit rächender Geste ins Bauchfell gewebt!

    Und dein ewig beutegeiles Hecheln
    Auf jeder Spur von meinem Schwächeln
    Bricht fortan aus dem Wanst als Stöhnen …

    Du kannst dich schon mal dran gewöhnen!


  • Rückreise & das dreihundertsechzigste Gedicht

    Madagaskar Stilleben

    Abschied von Madagaskar und den Seychellen. Über Abu Dhabi.

    Vom anderen Ufer

    „Weh mir, Emir,“
    Sprach ich panisch, „Piraten!

    Aus den arabischen Emiraten

    Alle Welt bangt vor ihr’n
    Rabiaten
    Taten und Matern an Patern!“

    Da war der Rat vom Emir:
    „Lieber Rabbi, eh dir

    Die Art der Piraten ’nen Alptraum bereite:
    Die Jungs sind seit Samstag auf unserer Seite!
    Selbst gläubigste Räuber treibt stets, so gelob‘ ick
    Gewinnmaximierend Gesinnungsaerobic!“


  • Campen & das dreihundertfünfzigste Gedicht

    Okay, dreihundertfünfzig ist eine Hausnummer. Aber in diesem Jahr nur eine Zwischenstation der Tour-Dichtung. Unser Camp am Fluss.

    Reisefieber

    Das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
    Öffnet Momenten der Kindheit die Pforten
    Da ich campend an Ufern französischer Flüsse
    Nichts ahnend von späteren Heimsuchungsorten
    Den sorgenden Eltern am Rockzipfel hing
    Und die Aufbruchsbereitschaft als Hostie empfing
    Ließ den Staub und Gebrauch von gut vier Dutzend Ländern
    Meinen Glauben und some Chromosome verändern

    Doch führt uns im Fremden empfundenes Glück
    An früher genossene Orte zurück
    Und das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
    Bleibt ewig den Ufern französischer Flüsse


  • Afrikanische Fähre & das dreihundertsechsundvierzigste Gedicht

    Fähre über den Tsiribihina

    Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Zwei Boote, Brett drüber, Autofähre fertig!

    Don’t pay the Ferry, man!

    Autofähre, Autofähre
    Wenn das mal so einfach wäre
    Doch nur durch Rüber-und-Zurück
    Verändert sich die Welt kein Stück

    Zweimal Rüberzufahren – als erste Lektion
    (Ohne Zwischenzurück!) überfordert dich schon
    Und gleich „Das geht nicht!“ rumzuschrei’n!
    Ich frag mich, wie dumm kann man sein?!
    „Bla, bla, erst rüber, dann zurück…!“
    Du bist ein derart blödes Stück …

    Als wenn das eine Lösung wäre
    Autofähre, Autofähre


  • Chilloutzone & das dreihundertsechsunddreißigste Gedicht

    Schwarz-Weißer Vari

    Aus der Reihe der Faulenzergedichte. Mit passender Vari-Übung m Frühstückstisch.

    Hängematte

    Die Hängematte sagt mir barsch
    Dein Körperschwerpunkt ist dein Arsch
    Hier sammelt sich das, was von dir von Gewicht
    So zeigt dir the Hammock dein wahres Gesicht
    Dein hehrer Kopf stakt leichtgewichtig
    Von Hüftenschwerkraft aufgerichtet
    Und nistet hart im Knotenstrang
    Weil er nicht wahrhaft von Belang
    Dein Zentrum ist am Ende doch
    Nur triebfäkales Ausflussloch
    Es scheidet zumindest den Menschen vom Tier
    Das sichre Gebrauchen von Lokuspapier


  • Kronenlemur & das dreihundertdreiunddreißigste Gedicht

    Kronenlemur followed by dunkelfellige Kreuzung zwischen Mohren- und Kronenlemur.

    Nach der gut gefüllten Lemurengedichte-Serie in „Mehr Kacheln!“ bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge zwei von vier. Es folgen noch zwei Gedichte und Fotos u.a. vom Aye-Aye.

    Kronenlemur

    Das sind bloß zwei Flecken und gar keine Krone
    Du wähnst dich mit Herrschaftsbereich, doch bist ohne

    Obgleich auch dein Selbstbild nicht wirklich benagt
    Dass mancher der andren dich weit überragt
    Denn du bist der Lemur mit den zwei braunen Flecken
    Die höchst majestätisch die Stirne bedecken

    Die hat man eh’r schmeichelnd einst Krone genannt
    Das hab’n nur die and’ren noch nicht recht erkannt
    So dass du klammheimlich ihr Zweifeln bekicherst
    Indem du dir chefliche Anteile sicherst
    Bevor auch die tumbsten Lemuren entdecken:

    Der trägt keine Krone – das sind nur zwei Flecken!


  • Anjozorobe & das dreihundertdreißigste Gedicht

    Saha Forest Camp

    Auch eine notorische Situation: Leise durch den Regenwald stapfen, mit großem Interesse an demgegenüber höchst undankbarer Fauna.

    Spotting the Paradise Flycatcher

    „Did you see it?“ „No.“ „There!“ „Where?!“
    „Jetzt seh ich ihn auch nicht mehr!“
    „Doch, er sitzt doch noch hier vorn!“
    „Hab ihn irgendwie verlorn …“
    „Jetzt kann man ihn ganz toll seh’n!
    Kannst du mal zu Seite geh’n?!“
    „Wo denn? Ich würd auch mal gern …!“
    „Ja, wie soll man das erklär’n …?
    Siehst du diesen dunklen Ast?
    Etwas weiter links davon …hast
    Geseh’n? Jetzt ist er weggeflogen!“

    Vielleicht wurd’st du auch angelogen.


– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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