Und zärtlich kläfft der Muezzin:
„So, allet jetzt zur Kirche hin!
Ach, wat sach ich – zur Moschee!
Aber, Jesses, wie ich seh
Will ma wieder keener beten!
Zu erschöpft vom Hoden Kneten?
Vom Befummeln eurer Biester?
Wartet nur, ihr Schweinepriester!
Ich setz nie mehr Ablassfristen –
Klär mich auf zum Atheisten
Steig schnell ab vom Minarett
Und leg mich zu euch ins Bett!“
Ich konjugiere die Vergangenheitsform von Effektivität
Und verfehle dabei noch die Unternorm – von morgens früh bis spät
Im Korridor meines Elans herrscht der Strand, ganz tief gedrückt ans Meer
Wo die Kühle des stiebenden Salzdunsts entspannt – mit Füßen, sandstapfschwer
Wenn du in den Kern meiner Langsamkeit dringst, der sich nur selbst umgarnt
Mag sein, dass du gleichtief und tiefer noch sinkst – nun gut, du bist gewarnt!
Der beglückende Schimmer benässter Haut wird eins mit ihrem Glanz
Vor der noch die windigste Brise abflaut ob solcher Eleganz
Silhouettenbeglättend versiegt die Zeit ins tiefgedrückte Meer
Vor dem Idyllen-Kokon der Einsamkeit entseufzt sich Gegenwehr
Ich konjugiere die Gerundiumsform von Attraktivität
Aus der sonnenbetankt sich der Rest an Strom ganz ohne Puls entlädt
Anlässlich des 175sten Geburtstags des Liedtextes – entstanden auf Helgoland – habe ich alle Worte der für die Deutschlandhymne gestrichenen ersten zwei Strophen neu arrangiert. Wurden schließlich auch bezahlt und sollten nicht unnütz verkümmern.
Lied der Deutschen, Strophe 1-2, re-arranged
1) Der treue Deutsche hält die Maas von Wein – und be(l)lt:
Unser Frauen sollen stets ihren Alten begeistern – über den schönen Biss!
Von Deutscher an Deutsche zum Deutscher über Deutsche Deutscher in Deutsche!
Lang‘ alles an, alles – bis der Frauen Memel übertrutze!
Und es zusammen KlangSangSang …
2) Alles wein‘: „Der Leben behalten!“
Uns brüderlich: „In Deutschland!“ – edler Tat!
Und alles Welt in Deutschland …
Der Treue über – deutscher Schutz!
Wenn der ganzes Welt Deutschland:
Deutschland zu – Etsch, Welt!
Das von Bergkettenbändern gebändigte Land
Hechelt am Knebel der glänzenden Seen
Und ständig fließt irgendwas über den Rand
Und Ängstlichkeit reift längst zum bangen Versteh’n:
„Vorm Deifi sind wir hier im Tal niemals sicher!“
Und höhnisch erklingt auf den Höh’n ein Gekicher
Rauscht eisekalt brausend als Windstoß hinab!
Vom See schweigt Kühle wie ein Grab
Es fröstelt tief in allen Seelen
Die hier fromm ihr Leben fristen
Und oft sich mit der Frage quälen:
„Weshalb kommen die Touristen?“
Das Dutzend ist voll: zwölfte Berlin-Reise in diesem Jahr.
Berlin ist das
Berlin ist Spatz
Blaue Baugrubenröhren (oder in rosa)
Ist „Gab mal viel Platz …“
Und gluckst: „Nachtruhe stören!“ (als Allzweckbühne für die Poser)
Ist seit Jahr’n auf der Kippe
Und immer noch Punk
Historiengerippe
Seziert für das Hippe
Riskiert als Xanthippe die ganz dicke Lippe
Mit stets einer Brise Kloakengestank
Wenn du willst, stillst du hier noch den irrigsten Durst
Wenn du still bist, ist vieles ein Irrtum und Wurst
Wo einem Berlin noch wie Berlin vorkommt. Nach einem Schwarzbier mit Bauernfrühstück.
Unter den S-Bahnbögen
Unter den wummernden S-Bahnbögen
Gestanden sie stumm sich einander zu mögen
Befreit, beseelt sah’n sie sich an
Derweil die Bahn verschwand und dann
Enteilten auch sie, ohne weitere Worte
Doch fortan verbanden die zwei mit dem Orte
Wie nah man dort einander war
Obschon ja wirklich nichts geschah
Nachtrag:
Nun, wer den beiden zugeschaut
Schiebt dies auf im Lärm noch gefallene Worte
Doch dafür war’s dann echt zu laut
Und wer mehr versteh’n will – der lausche dem Orte!
Ach, Hall, mir macht dein ferner Schall
Bewusstig, dass ich überall
Mal konsterniert „Ach, hallo!“ sag
Mal forsch „Na, und wie geht’s so?“ frag
Und mehr abscheulich Zeug abruf
Als der, der mich dereinst erschuf
Mir in die Fibel eingelegt!
Es klagt Gepetto unentwegt:
„Was redet mein Balg bloß so blöde und schief?!“
Sei du mir, Hall, das Korrektiv!
Da ich der Stichwortgeber bin –
Berüst den Mist mit etwas Sinn!
Diese Masse an Menschen! Und alle verdauen!
Wie sollt‘ als Ästhet ich mich nun noch getrauen
In diesen Morastpulk mein Lied zu versenken
Da alle an Glied- oder Scheidenstrom denken
Um schon in der Pause ein Meer voller Pisse
In Kübel zu strullern? Wo ich doch gewisse
Ideale von Schönheit zu gern propagiere …
Vor Körpern, den’n Kotknetung und Uriniere
Das einzige Gebot der Zeit
Führt solcher Anspruch bloß zu Leid
Drum geh nicht den Weg über weit’re Verkopfung
Sondern quäle die andern und sorg für Verstopfung!
Beinahe Urlaub: drei freie Tage in München. Im, aber ohne Sommer
Moose und Mosern
Da atmen die keuchenden Bäume den Staub
Den der sonnendurchdrungene Boden nicht hält
Es senkt sich verzagend vom Zweige das Laub
Dem gilbenden Grase als Frage gestellt:
„Weißt du, ob des Regens belebender Guss
Ist schon auf dem Wege zu uns? Denn sonst muss
Das vom Frühling Erworbene wieder verderben
Und noch als Gedeihendes frühzeitig sterben!“
Da, wie auf ein Zeichen, verfinstern sich Wolken
Werd’n Wasser auf Wasser aus Watte gemolken
Den Pflanzen ist’s fraglos erlösender Segen
Nur ich moser‘ böse: „Den ganzen Tag Regen!“
Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Abflug.
Nun bin ich manche Stunde
Solch Beschaulichkeit müsste erfunden werden
Um als Ernte der kopfsteingepflasterten Erden
Den Kantenvernarrten in mir zu entspannen
Das aufsässig Drängende sanft zu verbannen
Aus diesem Garten der Nostalgie
Wo die saftigsten Früchte aus Melancholie
Und einstiger Pracht nun im Immerfort reifen
Dass mich deren Düfte wie Ahnungen streifen:
Hier fänd’st du deine Ruh!
Doch brennst halt immerzu …
Ich trinke genüsslich, gemächlich Kaffee
Erspür‘ so viel Gründe zu bleiben, doch … nee!