Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Berlin

Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und danach einige Jahre noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender. Mittlerweile viel zu selten.


  • Tier(e im )Garten & das sechshundertsechsundneunzigste Gedicht

    Im Tiergarten Berlin

    Die Schlacht am Schlachtensee (Präludium)

    Wenn Tauben ihre Ohren spitzen
    und Spatzen schmatzend Silben (…)bitzen
    dein Hund in Mikrowelsen gart
    wird dir gewahr: Das Ente naht!

    Wenn die sich erst trauen
    am Menschen zu kauen
    werd’n die ein’n nach’m andern
    am Stück uns verdauen

    Dir schwant beim Anblick jedes Schwanes:
    Das Tier plant ganz was Abgefahr’nes!

    Und niemand von uns wird in Ehren ergrauen
    wenn die sich erst trauen
    wenn die sich erst trauen


  • Regierungsviertelinsel & das sechshundertfünfundneunzigste Gedicht

    Regierungsviertelinsel

    Eierschale Zenner im Winter, von der Insel der Jugend betrachtet

    Auf Baccara mit Achim schwoofen …
    Ach, im Prinzip jeht’s uns ja juut!
    Ick jeh mir noch ’ne Weisse koofen!
    Wer weiß, wie lang’s deen Knie noch tut …

    Wir tanzten eenen janzen Sommer
    Eierschalendiscofox
    Unser Drive kam nich vom Drive-In
    Burger Stinker – Zenner rocks!

    Nu is aus unserm Biere Garten
    die letzte Ernte einjefahr’n
    Ick werd‘ auf den Saisonstart warten
    und auf sechs Dutzend Weisse spar’n

    Ditt Handy klingelt. „Ja?“ Der Achim!
    „Mit dem Knie – ditt wird nüscht mehr…!“
    Baccara und i can Boogie
    allet janz schön lange her


  • A&P-Plätze & das sechshundertvierundneunzigste Gedicht

    Berlin Alexanderplatz

    Pariser Platz

    Jetzt bist du fast.
    Wie Früher. Und jeden Tag
    7.000 Megabyte schwerer.

    Hier nimmst du ein Bad im Dat
    enmeer der Speicherkart
    en. Und tauchst wieder auf
    in Japanitalien, Spaniengland, Bergischglatt, Bach.

    Sowie Paris, natürlich.


  • Im Reichstag & das sechshundertzweiundneunzigste Gedicht

    Berliner Reichstag

    Dem dolcen Feudel

    Per Schlange fädelt man sie ein
    Metalldurchdoktort komm’n’se rein
    Von Luftboys werd’n’se aufgezogen
    Verwendelt und im Schritt gebogen
    Kreisenhaft aufs alte Haus
    Kaum sind’se drin, schon schau’n’se raus

    Vom Reichstag verkuppelt
    Janz eene Wolke

    Trau’n zu, dass der Bau hält:
    Dem deutschen Volke


  • Der Berliner Neptunbrunnen & das sechshunderteinundneunzigste Gedicht

    Der Berliner Neptunbrunnen

    Nichtstun und Neptun

    Um mich vom Nichtstun auszuruhn
    flaniert‘ ich heut zu Neptuns Brun’n

    Kandiert von Kalk und Grünspans Zier
    hockt ungeduscht im Muscheltier:
    Neptun. Und wartet aufs Waten im Zufluss
    (man weiß nich‘, wassersonsso als Wassermann tun muss …)
    spricht ein Machtwort an die Kinder, die sich um ihn gruppieren
    „Nich‘ Schuppen hier – die überlasst ihr den Tieren!“

    Vom Erdgeschoss her reckt sich ringsum Reptil:
    Schildkröt‘, Schlang‘ und Krokodil
    Fehlt zoologisch noch ’ne Echse
    Dann guck’se nach und wat entdeck’se?

    ’n Seehund. Hinterm Neptun und
    denks‘: Was’n da der Hintergrund?
    und andrerseits: Is‘ doch mal schön –
    so ohne Grund ’n Seehund seh’n!

    Einmal um Neptuns Brunnen rennen
    kann man nu‘ auch nich‘ Nichtstun nennen
    Ich wünsch‘ (mein Tagwerk ist erbracht)
    ’ne schlecht gereimte Gute Nacht!


  • Unterm Fernsehturm & das sechshundertneunzigste Gedicht

    Unterm Berliner Fernsehturm

    Ripostegedicht zu Ricarda Huchs an ihren Jugendschwarm und Cousin Richard gerichtetes „Liebesgedicht“ (Geschwister sind sich alle schönen Dinge).

    Never trust a Lovepoem

    Cousiniert sind sich alle Dinge, die schön sind
    Das verstimmte schon früh manch Instrument
    Weil man sich für das Aneinandergewöhn’n, Kind
    Schon vom Start weg zu gut kennt
    Ein Notenblatt bewahrt sich nur seine Verheißung
    Wenn dessen Lied bleibt ungespielt
    Beschau Dir die Noten, doch bau keinen Scheiß, Jung
    Wenn sich wer per Reim als Geheimnis empfiehlt


  • BVG & das sechshunderteinundachtzigste Gedicht

    BVG U-Bahnhalt

    Berlin an guten Tagen

    Berlin an guten Tagen ist
    Wie wenn man warmen Honig frisst
    Und Musen schmusend danach gieren
    Dich, Dichterwicht, zu inspirieren
    Für immerdar
    Ambrosia
    Und Fräuleins
    Die an ungestörten
    Orten sportlich unerhörten
    Wohlgefallen auf dich schwallen
    Selbst die U-Bahn empfängt dich mit offenen Armen
    Alles spielt hier kokett nach des Zufalls Erbarmen
    Ständig geküsst von Laternenschein-Milde
    Schnurrt die Nacht um den Tag
    Und die Nacht ist ’ne Wilde

    Doch von dir werd ich immer gezwungen zu sagen
    Wie Berlin ist an wen’jer gelungenen Tagen

    Nun,
    Nicht so gelungen. Aber das dann mal richtig!
    Nur drei Tage später ist’s auch nicht mehr wichtig


  • Karl-Marx-Allee & das sechshundertachtzigste Gedicht

    Karl-Marx-Allee

    Ich bau‘ dir ein Schloss

    … ans Ende der Karl-Marx-Allee!
    Wär‘ das nicht der aller Entrées ihr Entrée?
    Ein jeder käm‘ uns noch von sonstwo entgegen
    Um nur einmal sich dortlängs hinfortzubewegen
    Alles pro Promenieren und Boulevardieren
    Per flachem Flanieren dem Trott trottoiren

    Und halt manchmal auch einfach nur gradwegs spazieren

    Mit Upgrade-Gezwirntem mittenmang
    Wer sich geh’n lässt, ergibt sich dem Droschkenzwang
    Hei, da grüßt schon recht stramm die Strausberger Garde
    Man hält sich an Restkandelabern gerade
    Und im bersteinrostgoldenen Lichtergewühle
    Beschleichen uns schlendernd noch Torschluss-Gefühle

    Da fühlt sich der Streuner wie ein Burgherr in spe
    Auch wenn hier kein Schloss steht – Kerl, wat’n Entrée!


  • Charlottenburg & das sechshundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Straße in Charlottenburg

    Wandrers Nachtlied. Der Spreepark-Remix

    Über allen Schienen
    Ist Ruh,
    Und in bemoosten Fahrkabinen
    Ahnest du
    Schlummern Fahrtwindturbulenzen.
    Alle Statik
    Starrt und knarrt
    Dir und uns den Riesenrat:
    Jeder stößt an seine Grenzen.

    Vor dem Tore: Kassenhäuschen.
    Die warten schon lange
    Auf Wärter und Schlange
    Und wundern sich: Kerl, wat’n krasset Päuschen!

    Hier liegt
    Des Vergnügens Mumie
    Zu Ruinen aufgebahrt;
    Die Dinos verrotten im Walde.

    Warte nur, balde
    endet auch für dich die Fahrt.


  • Tiergarten & das sechshundertzweiundfünfzigste Gedicht

    Tiergarten Skulptur

    Berliner alleen uf Berliner Alleen

    Sie so alleene, hier uf der Allee, ne?
    Mir kam die Idee, äh …
    Ick meene, wir beede – ditt tät doch ma passen!

    Kann sein, vielleicht – trotzdem: Ditt sollten wa lassen!

    Tja, dann, äh, sachma: Wiederseh’n
    (ick kannz ja irjendwie vasteh’n)


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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