Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Berlin

Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und danach einige Jahre noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender. Mittlerweile viel zu selten.


  • Holzmarkt & das fünfhundertzehnte Gedicht

    Holzmarktstraße

    Ein Korallenriff aus Baukränen gibt mir zu verstehen: Auch meine alte Hood of F’Hain bekommt jetzt eine Mall! Aber anderswo bleibt die Zeit stehen. Seit immer.

    Krankram

    Ey, Berlin, wat wird’n ditte –
    Bauste dir ’ne neue Mitte?
    Nochma eene Innenstadt
    Klotzte uns hier hin? Sach, wat
    Wird’n ditte, jetzma echt?!
    Ach, ’ne Mall? Okay. Nich schlecht …
    Halt zum x-ten mal ’ne Mall
    X-beliebt bei Jung und Aal
    Nix für unjut – der Passion
    Frönste ja seit Jahren schon

    Mag sein, Berlin wird sich aus Freude am Bauen
    In eenem Jebäude mal selber verstauen


  • Pläne & das dreihunderteinundachtzigste Gedicht

    Ritter Butzke Kreuzberg

    Das zweite Mal in diesem Monat in der Stadt der Projekte. Das x-te Mal in diesem Jahr. In Berlin.

    Der Traumtänzer

    Für deine Pläne bräucht‘ es drei weitere Welten
    Doch die Götter – sie halten sich grade zurück
    Wie oft fehlte dir nur der Platz, um zu gelten?
    Du hast mit den Schöpfern von Rahmen kein Glück!

    Wenn die Welt erst beginnt, dich Versager zu nennen
    Wappnest du dich schon längst mit ’nem neuen Projekt
    Du bist und du bleibst einfach ewig im Rennen
    Und hältst dich in puncto Erreichtes bedeckt

    Kostümierst dich so gerne mit Excel-Tabellen
    Und negierst deine Neigung zum Festangestellten
    Du würdest dich ja deinen Aufgaben stellen
    Doch bräuchte es dafür: drei weitere Welten


  • Kreuzberg & das dreihundertundvierte Gedicht

    GSW-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße

    Ripostegedicht auf Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer.

    Der römischere Brunnen

    Es prasselt, es pläddert und plätschert und spritzt
    Und sammelt sich erst auf der untersten Stufe
    Sind Stile der Wasser kreativ bis gewitzt
    Sprudelt es über und drüber! Ich rufe:
    Ey, kennt keiner den Herrn Meyer mehr?!
    Den Becken-Eins-bis-Drei-Verkehr?
    Was soll sich hier an Sinn entfalten
    Wenn keine Wasser innehalten
    Und nicht ihr Fluss zur kurzen Rast
    Von Marmorschalen wird gefasst?
    Wenn alles nur strömt und gar nichts mehr ruht
    Ist das für das Image des Brunnens nicht gut!
    Dies hat sich seit Jahr’n als Metapher bewährt …
    Wie schon der Herr Meyer höchst trefflich erklärt


  • Berlinische Galerie & das dreihundertunddritte Gedicht

    Eingang Berlinische Galerie

    Museale Sehnsüchte.

    Das Mus der Dinge

    Was hab’n wir nicht alles schon tot hier begraben?
    Und nichts hallt noch nach, bist du, Freund, nicht Museum
    Doch du bist nicht Museum – Museum? Du nicht
    Wir zwäng’n uns in engste Erinnerungswaben
    Und all unsre Bilder und Schilder, die Wildheit
    Fall’n eine Welt später nicht mehr ins Gewicht


  • Blaue/rosa Bauröhren & das dreihundertundzweite Gedicht

    Baustelle Unter den Linden

    Das Dutzend ist voll: zwölfte Berlin-Reise in diesem Jahr.

    Berlin ist das

    Berlin ist Spatz
    Blaue Baugrubenröhren (oder in rosa)
    Ist „Gab mal viel Platz …“
    Und gluckst: „Nachtruhe stören!“ (als Allzweckbühne für die Poser)
    Ist seit Jahr’n auf der Kippe
    Und immer noch Punk
    Historiengerippe
    Seziert für das Hippe
    Riskiert als Xanthippe die ganz dicke Lippe
    Mit stets einer Brise Kloakengestank

    Wenn du willst, stillst du hier noch den irrigsten Durst
    Wenn du still bist, ist vieles ein Irrtum und Wurst


  • Bahnhof Friedrichstraße & das zweihundertachtundneunzigste Gedicht

    Bahnhof Friedrichstraße

    Wo einem Berlin noch wie Berlin vorkommt. Nach einem Schwarzbier mit Bauernfrühstück.

    Unter den S-Bahnbögen

    Unter den wummernden S-Bahnbögen
    Gestanden sie stumm sich einander zu mögen
    Befreit, beseelt sah’n sie sich an
    Derweil die Bahn verschwand und dann
    Enteilten auch sie, ohne weitere Worte
    Doch fortan verbanden die zwei mit dem Orte
    Wie nah man dort einander war
    Obschon ja wirklich nichts geschah

    Nachtrag:

    Nun, wer den beiden zugeschaut
    Schiebt dies auf im Lärm noch gefallene Worte
    Doch dafür war’s dann echt zu laut
    Und wer mehr versteh’n will – der lausche dem Orte!

    Mehr Gedichte über Liebe und Beziehung


  • Pause dahoam & das hundertvierundachtzigste Gedicht

    Berliner Hauptbahnhof

    Ein themenbedingter Rückgriff auf das Foto-Repertoire von den Berliner Streifzügen.

    Handpuppenschicksal

    Es war’n der Kapser und die Heske
    Vermutlich ja nicht einmal untalentiert
    Doch hat in das Genre der Puppen-Groteske
    Wohl niemals ein Kind ohne Not sich verirrt


  • Berlin 10 & das hundertsechsundsiebzigste Gedicht

    S-Bahnhof Jannowitzbrücke

    Zehnte Berlin-Reise des Jahres. Heute mal in heiß.

    Berlin Summer Nights

    Die Milde des Abendlichts kehrt hier nicht ein
    Weil Erfolgsdruck zum Wilden die Stimmung verkauft hat
    Die Stadt darbt am Image, zu billig zu sein
    Und feiert die Nächte, bevor sie verschnauft hat


  • Berlinmilde & das hundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Silhouette Berlin

    Noch mal was zur alten Heimat Berlin. Und dem ewigen Update-Stress dieser Stadt.

    Berlin vermag

    Berlin vermag
    An einem Tag
    Den Charme einer Pangalaxie zu verlieren
    Kann im Großen und Ganzen
    Verstoßen
    Verranzen
    Verstörend den Rest alter Gunst infiltrieren

    Doch sogleich
    Kann’s butterweich
    Flüstern: „Hab dir jrad verlor’n, wa?
    Bis‘ mir so een kleener Zornja …!
    Willste mir keen Lächeln borgen?
    Krisst ooch wieda. Übermorgen.“


  • Wetterumschwung & das hundertsechsundsechzigste Gedicht

    Unter den Inden

    Der neunte Stopp in Berlin in diesem Jahr. Mit Graupelschauer.

    Der Wolkenbruch

    Wenn das Blau ein Grauen aufbraut
    Aus der Tiefe Schiefer raushaut
    Schwärzeres in Schwären aufstiebt
    Wolkenfreiheit vor sich her schiebt
    Wenn mit wuchtig ersten Winden
    Letzte Hoffnungsfetzen schwinden
    Dann, mein Lieber … ahnste was?
    Wirste nass

    Mehr Gedichte zu Wind & Wetter


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