Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

  • Ungeschminkt & das zweitausenderste Gedicht

    Ungeschminkt & das zweitausenderste Gedicht

    Der Geist der Weihnacht (mit zwei Endoptionen)

    Da war ich über Weihnachten kurz zwei Minuten nüchtern,
    Schau meines Platzes Nachbarn an und melde etwas schüchtern:
    „Ich glaub, ich bin nicht richtig hier – ich kenn Sie alle nicht!“
    (Dies ist die erste Möglichkeit fürs Ende vom Gedicht.)
    „Setz dich getrost – wir wissen da genauso viel wie du!“
    Flugs füllte man mein leeres Glas und prostete mir zu.

    So macht der Geist der Weihnacht nicht allein aus Fremden Brüder –
    Wir nebeln die Familie ein und werden selig müder,
    Bis man sich bald mehr und schon nicht mehr erkennt.
    (Das ist Ende zwei. Einen schönen Advent!)


  • Zwei, hauend & das zweitausendste Gedicht

    Zwei, hauend & das zweitausendste Gedicht

    Zwei Taue

    Zwei Taue send ich dir

    Das eine, dich an mich zu binden
    Und auswegslos den Weg zu finden,
    Das andre form zu einer Schlinge!
    Dass ich mich auch nach oben zwinge,
    Bevor das Rückgrat mir zerbricht.

    Ich weiß, die Taue sieht man nicht –
    Und nennt sie trotzdem vorschnell hässlich.
    Doch sind als Halt sie halt verlässlich
    Und schon taut’s endlich im Winterquartier.

    Zwei Taue send ich, dichtend, dir


  • Massenevent & das eintausendneunhundertneunundneunzigste Gedicht

    Massenevent & das eintausendneunhundertneunundneunzigste Gedicht

    „Hast du eigentlich zugenommen?“ (Mein Fett)

    Ich habe mir so manches Pfund
    Aus Faulheit angefressen
    Und doch noch nie – aus gutem Grund –
    Den Bauchumfang gemessen.
    Längst bläht mein Körper, schwartenreich,
    Sich feist aus seinem Rahmen,
    Schlaff schwabbelt er sich, butterweich,
    Zum Schauplatz welker Dramen.
    Die Unform grölt manch Garstigkeit
    Zwäng ich die Plumpheit in mein Kleid –
    So resigniert an mir auch die
    Kühnste Positivity,
    Denn dieser Body flockt grad aus
    Mit prallbrutalem Optikgraus!
    Da wölbt die Wampe sich hervor
    Als Walleibinselschmer,
    Presst schmatzend sich durch jedes Tor
    Aus schmalzdurchduns’nem Meer.
    Es speckt der Wanst sein Zellulied,
    Die Fleischigkeit zu gerben –
    Die ratlose Ästhetik zieht
    Als letzten Vorschlag: „Sterben!?“

    Das scheint weise, denk ich leise,
    Als ein Ziel von meiner Reise –
    Kann doch grad ich fettes Schwein
    Dann der Welt Entlastung sein!


  • Neuschwanstein? & das eintausendneunhundertachtundneunzigste Gedicht

    Neuschwanstein? & das eintausendneunhundertachtundneunzigste Gedicht

    Reisevorbereitungen 1: Das Körperpacken

    Beim Beinhalten sei mir mein Koffer ein Fuß.

    Der Arme erbarmt sich zum hoffenden Gruß
    An großkopfertpropfenden Reinstopfinhalt –
    Als Krüppel entrückt alle Koffergestalt.

    Mit Wut und Blutdruck zugeklappt,
    Verkörpert er die pure Pein.
    Hat erst das Schlosswort zugeschnappt,
    Beknie ich schon das zweite Bein.


  • Doppelgänger & das eintausendneunhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Doppelgänger & das eintausendneunhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Potential am Ententeich

    Wenn Schwäne mit Tränen in den Augen
    An durchgeweichten Brötchen saugen
    Zum Hungersoundtrack ihrer Küken
    Und du entgegnest kühl „Nun, büken
    Die Viecher gefälligst selber ihr Brot,
    Dann wäre ihr Wurf auch nicht morgen schon tot!“,
    Schwärmt Härte über Teig und Teich.

    Vielleicht wirst du mal sehr, sehr reich.


  • Zugvogel? & das eintausendneunhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Zugvogel? & das eintausendneunhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Pure Chance (Die Überwinterer)

    Wenn ihr die
    Hiesigen Breitengrade
    Grad Unbehagen bereiten
    Und ihr der Biss des Winters stinkt,
    Tragen sie alsbald die Weiten
    Ihrer Flügel und beschwingt
    Gleitet sie gen Afrika
    Für ein gutes Vierteljahr.

    Dort gilt’s bloß, Hyänenzähnen
    Forsch die Stinkefeder zeigen!
    Und beim Anblick größ’rer Mähnen
    Hoch in heiße Höh’n zu steigen,
    Um auf flirr’nder Luft zu segeln
    Und der Rest wird sich schon regeln
    Im besagten Vierteljahr.

    Heute klagt man: Afrika
    Sei noch so ein Sinnbild vom Voll-Übertreiben –
    Man müsse doch gar nicht so weit!
    Denn die, die im Froste vor Orte hier bleiben
    Wärmt Flucht als pure Möglichkeit.


  • Absageüberbleibsel & das eintausendneunhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Absageüberbleibsel & das eintausendneunhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Lass mal an uns selber glauben

    Scheint, dass ich mich beim Zwiebelnschneiden
    Von Jahr zu Jahr verbesser!
    Natürlich müssen da andre entscheiden –
    Im besten Fall, freilich, die Messer!

    Ich denk ja, dass für mich das Jahr
    Zweitausend sehr entscheidend war.
    Vermutung nur zwar, die durch wenig zu stützen
    (wem sollten Details hierzu letztendlich nützen?) –
    Doch setzt das Ergebnis ein ganz klares Zeichen:
    Es lässt, was man wirklich will, sich auch erreichen!

    Und das Schneiden von Zwiebeln ist fürs Kochen soo wichtig!
    Wer echt an sich glaubt, kann’s von selber bald richtig!
    Im Jahre Zweitausend hat’s bei mir dann gefunkt,
    Rein kochtechnisch ein Wendepunkt.

    Diesen Rat mag zur Weihnacht ich Mutlosen schenken:
    Auch tränenden Auges stur positiv denken!


  • Phoenix & das eintausendneunhundertvierundneunzigste Gedicht

    Phoenix & das eintausendneunhundertvierundneunzigste Gedicht

    Aufstehen, leise

    Das Tageslicht reißt restlos nieder
    Den kleinsten Fetzen Traum,
    Steht pimmelschwingend, chefarztbieder,
    Deppselbstherrlichst im Raum
    Und denkt sich, man könne hier alles beweisen.

    Ich leiste noch gähnenden Widerstand, leisen.


  • Île aux Nattes & das eintausendneunhundertdreiundneunzigste Gedicht

    Île aux Nattes & das eintausendneunhundertdreiundneunzigste Gedicht

    Vari-Verse

    Wär‘ i ein schwarweißer Vari
    (die Wahrscheinlichkeit erspar‘ i
    mir mal hier zu eruier’n – möcht‘ kein Wirrwarr provozier’n)
    fühlt‘ i wahrlich
    wunderbar mich!

    Lauthals schreiend rumzutoben
    ob am Boden oder droben
    auf der Wipfeln höchsten Zipfeln
    Flauschigweißes Engels-Fell
    (stellenweise nicht ganz hell)
    Kerl der puscheligsten Dern

    Wahrlich, Vari wär‘ i gern!


  • Nachtwanderer & das eintausendneunhundertzweiundneunzigste Gedicht

    Nachtwanderer & das eintausendneunhundertzweiundneunzigste Gedicht

    Schluss und aus, Maki Maus

    Sie, Marquis Maus, schau’n handlich aus
    ein Fäustling wär‘ Euch ein Full House

    Als heller Kopf scheut Ihr das Licht
    mit knopfbeäugtem Trollgesicht
    welches aufglüht im blendenden Schein meiner Maglite
    und wir starren erstarrt, bis dass Ihr plötzlich weg seid

    Nur mäuschengroß sind Nachtmakisen
    doch Motten fürchten sich vor diesen
    Sie entflieh’n den Grapschern, schrei’n stumm: „Oh, Graus!
    Herrmott, was schau’n die riesig aus!“


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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