Wenn Weichheit immer leiser klingt
Und sanfte Einschlafweisen singt,
Will ich von Seelenruhe schwafeln,
Am Tisch der Esoterik tafeln …
Schon wollen mich alle Bäume umarmen,
Es schreibt jeder Schneeflockenfall meinen Namen!
Und mich verschlingt der Pulverschnee,
Dessen grundkühle Sprache ich plötzlich versteh …
Die Sonne gleißt vom Firnschneemeer,
Wo Frische, Wärme, Licht sich mischen –
Ob solch vereister Schönheit Herr
Will Gott sich selbst ein Loblied zischen,
Mit dem er seine Güte preist
(er ist – wie wir – betrunken meist).
Diese Pracht über tödliche Zonen zu weiten,
Anstatt in von Menschen bewohnbaren Breiten,
Zeigt: Er liebt uns nicht wirklich – er lockt uns ins Eis,
Sind wir auf die Wunder der Firnschneewelt heiß!
Am Zenit unsrer Treu zollen wir dann Tribut,
Grollen: „Gott hat’s echt drauf – voll brutal, aber gut!“
Ein Schloss, sehr beschaulich,
Spricht: „Los, Spross, beschau mich!
Bewunder meiner Zimmer Zahl
Und das, womit ich immer prahl:
Türme, Mauern – abzuwehren
Würmer, Bauern, die sich wehren!
Aufstand? – Oh, so trau Er sich:
Dann wird’s richtig schauerlich!“
Der Erfinderin des Cordon Bleu, dem Schöpfer der Straßenbeteerung
Und einem Piloten vom fernen Peru – die Stätten der Heldenverehrung
Sind in Brig
Auf einem Blick
Zwar spartig, doch sehr ausgewogen!
Nicht Päpste und Feldherr’n
Je nochmals als Held ehr’n
(die oftmals noch falsch abgebogen)!
Für den schmalen, genialen Moment statt fürs Leben
Den passenden Namen aufs Denkmal zu heben,
Ist von unumstößlicher Zeitlosigkeit,
Die vorm Größenwahn wendiger Trends scheint gefeit!
Jed Dasein benötigt Asphalt für die Raser,
Das Cordon Bleu, El cóndor pasa!
Als ich das Verlies verließ, fiel als Ziel die Wahl aufs Wallis.
Weil – ich verweil nich noch ein Jahr, wo überall ein Wall is –
Was im Wallis trotz der Berge wahrlich nich der Fall is.
Für die paar Zentimeter, die wir uns bewegen,
Ist noch keine Entfernung vorhanden.
Wir veratmen die Lüftchen, sobald sie sich regen,
Ohne Aussicht, an Ufer zu landen.
Ob Sonne, ob Wind unsre Körper auslaugt –
Für uns fühlt sich’s an, als sei’s gleich.
Nun haben wir so lang die Nautik gepaukt,
Doch leben wie einst hinterm Deich.
Ihre Küsse sind von fauler Süße –
Die sind auf den Straßen gegärt.
Ein schrilles Parfüm sendet günstige Grüße –
Da Billigkeit langsam verjährt.
Doch so viel Erfahrung,
So oft Offenbarung –
Daraus muss doch die Welt etwas lernen
Vom Rand unsrer Mitte!
Eh tippelnde Schritte
Sich weitersfort von uns entfernen …
Es sind neue Jahre vorab schon entleert –
Und ich schieb’s nicht allein auf das Alter!
Wenn ganz offenbar eine Karre nicht fährt,
Ist das nicht die Schuld von dem Halter.
Was ging, das hab ich eingestielt –
Und erkenne schon wieder entsetzt,
Dass restlos zerstört ist, worauf ich gezielt
Vom stetig erneuerten Jetzt.
Erteilt mir vorm nächsten naiven Erheben
Den Segen, endlich aufzugeben!