Stille
Stille ist Zeit, die sich fast nicht bewegt
Nur mit flachem Atem gütig hinabschaut
Derweil sich da draußen die Welt selbst zersägt
Und der Spänegeruch wie durch Zärtlichkeit abflaut
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Stille
Stille ist Zeit, die sich fast nicht bewegt
Nur mit flachem Atem gütig hinabschaut
Derweil sich da draußen die Welt selbst zersägt
Und der Spänegeruch wie durch Zärtlichkeit abflaut

In Zug
Recht zeitig bin ich zugestiegen
Um rechtzeitig den Zug zu griegen
Ja, seit ich zeitlich weise plane
Reis‘ ich mit der Eisenbahne
Dank GA sehr angenehm
Bin auch heute recht bequem
(die Verspätung ausgenommen)
In Zug im Zug zum Zug gekommen
Das „GA“ entspricht der Bahncard 100 der Deutschen Bahn

Die Niedergelegten
Das Gras, auf dem wir nieder lagen
Hat sich schon wieder aufgerichtet
Und unser Sang vom Widersagen
Wird zwanglos als Symptom gewichtet
Doch sind unsre Tinten vergebens geflossen …?
Ich hab, Freund, das Neben-Dir redlich genossen

Die Schlacht am Schlachtensee (Präludium)
Wenn Tauben ihre Ohren spitzen
und Spatzen schmatzend Silben (…)bitzen
dein Hund in Mikrowelsen gart
wird dir gewahr: Das Ente naht!
Wenn die sich erst trauen
am Menschen zu kauen
werd’n die ein’n nach’m andern
am Stück uns verdauen
Dir schwant beim Anblick jedes Schwanes:
Das Tier plant ganz was Abgefahr’nes!
Und niemand von uns wird in Ehren ergrauen
wenn die sich erst trauen
wenn die sich erst trauen

Eierschale Zenner im Winter, von der Insel der Jugend betrachtet
Auf Baccara mit Achim schwoofen …
Ach, im Prinzip jeht’s uns ja juut!
Ick jeh mir noch ’ne Weisse koofen!
Wer weiß, wie lang’s deen Knie noch tut …
Wir tanzten eenen janzen Sommer
Eierschalendiscofox
Unser Drive kam nich vom Drive-In
Burger Stinker – Zenner rocks!
Nu is aus unserm Biere Garten
die letzte Ernte einjefahr’n
Ick werd‘ auf den Saisonstart warten
und auf sechs Dutzend Weisse spar’n
Ditt Handy klingelt. „Ja?“ Der Achim!
„Mit dem Knie – ditt wird nüscht mehr…!“
Baccara und i can Boogie
allet janz schön lange her

Pariser Platz
Jetzt bist du fast.
Wie Früher. Und jeden Tag
7.000 Megabyte schwerer.
Hier nimmst du ein Bad im Dat
enmeer der Speicherkart
en. Und tauchst wieder auf
in Japanitalien, Spaniengland, Bergischglatt, Bach.
Sowie Paris, natürlich.

Das gilt insbesondere für Dich, Pauline!
Eh der Efeu Feuer fängt
Und lodernd überm Boden hängt
Eh dort Feen lebendig garen:
Bändigt ständig Brandgefahren!

Dem dolcen Feudel
Per Schlange fädelt man sie ein
Metalldurchdoktort komm’n’se rein
Von Luftboys werd’n’se aufgezogen
Verwendelt und im Schritt gebogen
Kreisenhaft aufs alte Haus
Kaum sind’se drin, schon schau’n’se raus
Vom Reichstag verkuppelt
Janz eene Wolke
Trau’n zu, dass der Bau hält:
Dem deutschen Volke

Nichtstun und Neptun
Um mich vom Nichtstun auszuruhn
flaniert‘ ich heut zu Neptuns Brun’n
Kandiert von Kalk und Grünspans Zier
hockt ungeduscht im Muscheltier:
Neptun. Und wartet aufs Waten im Zufluss
(man weiß nich‘, wassersonsso als Wassermann tun muss …)
spricht ein Machtwort an die Kinder, die sich um ihn gruppieren
„Nich‘ Schuppen hier – die überlasst ihr den Tieren!“
Vom Erdgeschoss her reckt sich ringsum Reptil:
Schildkröt‘, Schlang‘ und Krokodil
Fehlt zoologisch noch ’ne Echse
Dann guck’se nach und wat entdeck’se?
’n Seehund. Hinterm Neptun und
denks‘: Was’n da der Hintergrund?
und andrerseits: Is‘ doch mal schön –
so ohne Grund ’n Seehund seh’n!
Einmal um Neptuns Brunnen rennen
kann man nu‘ auch nich‘ Nichtstun nennen
Ich wünsch‘ (mein Tagwerk ist erbracht)
’ne schlecht gereimte Gute Nacht!

Ripostegedicht zu Ricarda Huchs an ihren Jugendschwarm und Cousin Richard gerichtetes „Liebesgedicht“ (Geschwister sind sich alle schönen Dinge).
Never trust a Lovepoem
Cousiniert sind sich alle Dinge, die schön sind
Das verstimmte schon früh manch Instrument
Weil man sich für das Aneinandergewöhn’n, Kind
Schon vom Start weg zu gut kennt
Ein Notenblatt bewahrt sich nur seine Verheißung
Wenn dessen Lied bleibt ungespielt
Beschau Dir die Noten, doch bau keinen Scheiß, Jung
Wenn sich wer per Reim als Geheimnis empfiehlt
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