Am Rückzug
Walze, Walze, falze mich
Gestalte gewaltsam mein haltloses Ich
Hilf mir, den sperrigen Unrat an Schmerzen
Aus meinem Schicksal auszumerzen
Ich möchte glatt geschliffen sein
Denn was ich hoffte, trifft nicht ein …
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Am Rückzug
Walze, Walze, falze mich
Gestalte gewaltsam mein haltloses Ich
Hilf mir, den sperrigen Unrat an Schmerzen
Aus meinem Schicksal auszumerzen
Ich möchte glatt geschliffen sein
Denn was ich hoffte, trifft nicht ein …

Der Isar
Das grüne Schmuckband dieser Stadt
Ist ewig neigsam kühl und hat
Jed‘ Charmedefizit aus den Ufern gespült
Das Obergeflachte mit Plätschern befühlt
Hier gerät Langeweile noch angenehm lang
Wird Alltag zum Urlaub im strömenden Drang
Durch Dich fließt die Kraft, alle Stadt zu besiegen
Und die Blöße, mit der wir Dein Kiesbett beliegen
Ist bloß Unterwerfung – denn, sieh: Unsre Schwänze
Schaukeln im Beat Deines Triebs ihre Tänze!
Sie tauchen ein „Für immer Dein“
Erfrischt und frei in Dich hinein

Der letzte Schluck Sommer
Nimm den sättigend letzten Schluck Sommer
Derb angesüßt von schwerer Reife
Und gib Dich den späten Räuschen hin (Komma)
Traue dem Traum einer endlosen Schleife

Von Herzen (doch im kleinen Rahmen)
Ich kaufte meiner alten Mutter
Eine Schaufel Taubenfutter
Auch eine Traubenzuckertafel
Verkraftete noch das Geburtstagsbudget
Einschließlich eines – laut Packungsgeschwafel –
Tagesbedarfes an Vitamin C
„So“, sagte ich
„Das ist beides für Dich!“
Eine Schaufel voller Futter –
Gutes, das auch Tauben schmeckt!
Plus der Trauben Zucker, Mutter –
Wo noch Vitamin drin steckt!
„Ach, ich bat Dich doch nicht so viel auszugeben …!“
Ich nick‘ nur mit Blick auf die Sachen, sag: „Eben!“

Hochofen
Verweile Moment, derweil Du nicht schön bist!
Dass Stroh prächtig brennt, denkt, wer Flammen in Höh’n misst
Doch, wenn ich von Flammen schwärme
Mein‘ ich eher deren Wärme

Die Anmut der Rehe als Menu
Wir beschwärmen mit unsrer Debattengewandtheit
Im Bahnhofs-McDonald’s die Anmut der Rehe
Unser gieriger Schlingtakt der Fastfood-Verspanntheit
Kontrastiert mit solch Makelentschlacktheit. „Ich sehe
All die Paradomestiziertheit des Rehs
Im Lichte der Dickichtverluste der Neuzeit!“
Sprach ich zwischen Pommes und Du sprachst: „Ich seh’s
Als ein Demutsorakel: Erkennt, dass Ihr scheu seid!“
Jeder Burger-Belagbalg enthemmt sich ins Rutschen
Und nötigt uns, Hände und Finger zu lutschen
Wir saugen versonnen an Refill-Getränken
Da wir still der Anmut der Rehe gedenken

An Anne Bude (Schwitters im Twitterformat)
Anne Bude, schönet Gör
tust den ganzen Pott versorgen
mit Geklön, Gedöns und möhr
Danke, Anne – und bis morgen!

Schwuppdiekrupp
Schwupps – der Krupp vom Ruhrgebiet
Stillt den Wachstumsappetit,
Schickt den Stahl aus seinem Stall
Weltallweit ins Überall.
Von der höchsten Eisenbahn
Bis zum bösen Größenwahn –
Unser Krupp, der tut dat wuppen!
Macht Tuff-Tuff und tough die Truppen.
Aber nach zwei Weltkriegsrunden
Kann der Krupp nur kurz gesunden,
Stahl sich fort und ward vergessen:
Schwuppdiwupp, der Krupp aus Essen.

Weitengrade
Heute dacht‘ ich, kurz vorm Späti,
Plötzlich an die Serengeti.
Du, der Du noch niemals da warst,
Nie ein Gnu so nah im Gras sahst,
Sagst, gar weit wär’s bis zum Späti.
Alter, in der Serengeti
Klebt an jedem „Ach, so weit …“
Noch ein Stück Unendlichkeit!
– Mehr Gedichte über das Reisen, den Urlaub und das Unterwegssein –

Unter Mentoren
Und weiterhin noch keine Pause
Ein Kosmos voll wedelndem Schwanz
Der Pfarrer bestellt mir ’ne Brause
Und schiebt mich nach vorne: „Jetzt tanz!“
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