Achtzeiler

44 Suchwurmspitze & das achthundertneunundachtzigste Gedicht

Chorgestühl im Ulmer Dom

Den kommenden Veteranen

Das Siegreiche darf sich schon wieder verpissen
Zur Notiz noch die Anzahl der Leichen
Im Gilb ihrer Kopfhäute glitzern die Nissen
Bevor sie dann gleichsam erbleichen

Von einem Twen wird der bereits welke Triumph
Zu den alten Geschichten geschrieben
Der Jugend ist hierfür kein Griffel zu stumpf
Und sie drängt uns, sie dafür zu lieben

30 Blauschockfolgen & das achthundertfünfundsiebzigste Gedicht

Nachthimmel am Isaruferweg

Erfolg

Nun, der Angriff erfolgte
Und Ergriffenheit wolkte
Über jene Zielobjekte
Denen jetzt der Projektile
Inhalt tief im Kopfe steckte
Als Frucht der Hülsen, derer viele
Kullerten vom Trottoir

Bis dass Totenstille war

29 Volksgangbekleidung & das achthundertvierundsiebzigste Gedicht

Isaruferweg

Deine Stimme

Allein des Klangs deiner Stimme wegen
Mag ich Überflüssiges hören
Selbst Lügen erstrahlen im stimmigen Segen
Und keine Beleidigung kann mich empören
Denn du, du kannst mir gern alles erzählen

Was soll ich durch lahme Gespräche mich quälen
Aus Worten, die stören und unnütz erregen?

Ich möchte zu allem dich einstimmig wählen!

28 Lichtpflichtstunden & das achthundertdreiundsiebzigste Gedicht

Alter Nordfriedhof

Endlosgedicht (für lautsensible Kinder)

Das Signal meint: Sag nie Nil
Dann krieg i a Krokodil
Oder ein Ei von der Dohle
Keiner leiht Jodokus Kohle
Zweierlei Protestgeschrei:
Mann, wann wird der Lokus frei?
Es hotzt und plotzt auf dem Kanal
Plötzlich hört man ein Signal:

27 Männerkunde & das achthundertzweiundsiebzigste Gedicht

Ruhpolding Ausblick

Unverzeihliches

Das Unverzeihliche bleibt in der Welt
Wie ein passloses Alpenmassiv
Für mögliche Freisprüche zu sehr entstellt
Zu maßlos, zu schmerzhaft, zu tief

Doch möchte die Welt nicht nur fassungslos flennen
Lässt allerlei Münder Begründungen nennen
Nach denen man scheinheilig dann nur bemisst
Dass etwas unverzeihlich ist

25 Irrspiegel & das achthundertsiebzigste Gedicht

Skyline Schwabing

Roaring Houses

Die Häuser verlassen nun ihre Gemäuer
Und der Korridor schlüpft durch die Keller
Das Wachstum der Steine ist ewig Gesetz
Was sie stoppte, macht heut alles schneller

Die alte Bescheidenheit wendet sich heuer
Gegen jegliche Form von Respekt
Die Räumlichkeit schluckt nun ein tieferes Netz
Das im Jenseits der Sinne versteckt

17 Inwändigkeiten & das achthunderteinundsechzigste Gedicht

Ruhpolding

Das Töten kleiner Tiere

Grad eben war noch lebend
Was nun am Fenster klebend
Längstens ist umhergeschwirrt
Um sich 'ne Zukunft aufzubau'n -
S' ward augenblicklich totgehau'n!

Ein Sein in die Zermalmung schmiert ...

Aus Angst, er könnt' der Nächste sein
Zerhäkselt dich dein Rexilein

12 Querwasser & das achthundertsechsundfünfzigste Gedicht

Schadlose Tat

Da ist schon Gewalt, wenn sich unangesprochen
Nasses Laub auf Befangenheit legt
Da kommt jede Ahnung als Angst angekrochen
Und wird auch beständig gepflegt

Die gut Situierten und anmaßend Rohen
Sie sippeln an Smoothies aus wortlosem Drohen
Und ihr Schweigen spricht: Füg dich, sonst mach ich dich kalt!

Eine Tat ist nicht nötig, da ist schon Gewalt

10 Flaschenglasgrün & das achthundertvierundfünfzigste Gedicht

In den Isarauen

Die Alkoholleiche

Es war'n in meinem Fall sowohl
Aufprall als auch Alkohol
Mit im Spiel
Als ich fiel
Abgrundtief
Verstarb und schlief
Bald umwallt
Von Grabschlundmief

1 Innenwind & das achthundertfünfundvierzigste Gedicht

independence avenue victoria mahe seychelles

Auf zum lesebegleitenden Dichten! Zu jedem der 45 Kapitel des Romans "Miakro" von Georg Klein werde ich ein Gedicht verfassen, zu dem ich durch irgendeine Wendung, irgendeinen Ausdruck oder sonstige Abschweifung angestoßen wurde. Keine Nacherzählung - zumal ich während des Verfassens nicht einmal weiß, wie die Geschichte verlaufen wird, aber vielleicht eine stimmungsbegleitende Vershülle.

Vorahnen

Schon dem Morgenwind entrinnt
Das Quäntchen der Verlässlichkeit

Wer erwacht noch sorgenblind
Wenn jeder Hauch nach Augen schreit?

Trotz der Stille aufgerührt
Sammeln sich wandernde Zeichen
Willensschwach und leicht verführt
Fügen sich die Weichen

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