Sechszeiler

Wintermond & das eintausendneunhundertsiebenundachtzigste Gedicht

Winterlicher Vollmond am Tegernsee

Gerafft?

Sehr schleierhaft, wie Schleierhaft
Es leis in manch' Geseier schafft,
Ein Zeichen freier Kraft zu sein.

Sie bleibt ein Eid auf Heiland Schaft,
Gebenedeit vom Eiersaft
Jahrhundertreifer Wundenpein.

Bartgeier & das eintausendneunhunderteinundsiebzigste Gedicht

Bartgeier im Zoo Berlin

3G-Regel

Nur zwei G-säße pro Sitzbank im Bus -
Wo nötig, gilt auch 2G plus!
Für drei G-säße, bittesehr,
Reicht einfach dann der Platz nicht mehr!
Und vor dem Sitzplatzokkupieren
Bitte kurz sich registrieren!

Wasserrad & das eintausendneunhundertvierundfünfzigste Gedicht

Wasserrad im Jnan Sbil Park nahe der Medina von Fez

Auf Rutengang

Ich bin als Wünschelrutengänger
Des tiefen Grunds Signalempfänger -
Drum schaudert's mir auch vor Rissen.

Was da unter der Krume vom sorglosen Leben
So dräut und gärt an Horrorbeben -
Das möchtet ihr lieber nicht wissen!

Cimitero Monumentale & das eintausendneunhundertfünfzigste Gedicht

Cimitero Monumentale In Verona

Die ??? und der unheimliche Vertrag

Wie wird es wohl weitergeh‘n,
Wenn wir vor ner Ampel steh‘n,
Deren Lichter alle leuchten?

Nicht so richtig, wie mir deucht, denn
Es führt zu drei Fragezeichen,
Tagelang sich anzugleichen.

Trilobit & das eintausendneunhundertfünfundzwanzigste Gedicht

Aufbereitete Fossilien an der Straße der Kasbahs

Ausdrücklich

Dank der Kraft der Saftmaschine
Schafft ich, Frank, der Apfelsine
Einen Trank voll Vitamine
Auszupressen und rasch in 'ne
Karaffe zu tanken.

Der Maschine mag ich hierfür ausdrücklich danken.

Fläche & das eintausendneunhundertvierundzwanzigste Gedicht

Kamele in der Sahara bei Erg Chebbi

Der Drücketaler

Alle Welt scheint gewillt, mich grad zu zerreiben -
Da verpiss ich gechillt mich, in sehr dünnen Scheiben.

Denn die entkommen dem Radar
Und niemand checkt mehr, wo ich war.

So versteckt, werd ich all ihrem fordernden Rauschen
Aus dünne gemachter Gemütlichkeit lauschen.

Chefchaouengasse & das eintausendneunhundertneunzehnte Gedicht

In der Medina von Chefchaouen

Späte Parade

Unabwendbares zu schlucken, hat Gewohnheit mich gelehrt,
Bevor ich mich verweigerte, fand ich's auch nicht verkehrt.
Die Enden jeder Möglichkeit will ich hier nicht bestreiten -
Und doch erlischt die Erntechance nach eignen Jahreszeiten.

Im Immerforten horten sie Standarderträge und -güten.
Es rottet im Verworfenen die Sehnsucht rarer Blüten.

Stampflehm & das eintausendneunhundertzwölfte Gedicht

Ruine auf der Straße der Kasbahs

Vergänglichkeitsschauder

Wir kauern vor Mauern,
Die uns überdauern,
Und lauern auf eignen Belang.

War solch ein Verlangen
Den Mauererbauern
Auch dauernd sie gängelnder Drang?

Skoura & das eintausendneunhundertneunte Gedicht

Ausblich vom Marktplatz von der Berberstadt Skoura

Rasa rasa

Die Welt, sie bietet wieder nichts,
Was eine Andacht wäre.
Sie biegt vorm Anspruch des Gedichts
Ins lustlos Ungefähre.
„Wieder nichts Notizwürdiges,“ lautet die Notiz,
Kokettierend mit der grauen Chance auf einen Witz.

Djemaa el Fna & das eintausendachthundertachtundsechzigste Gedicht

Der Djemaa el Fna, Platz der Gehängten, in Marrakesch

Marrakesch

Wie sollten sich tausendundein Versprechen in nur einer Stadt sich erfüllen?
Wie sollte solch ein Etikett nicht lauthals "Schwindel!" brüllen?

Es wurden hier so viele Selfies geschossen - die Stadt kennt sich nur noch als Tag!
Es wurde immer mehr im Hier als Helfer vom Mittel zum Zweck.

Als wäre solch Flair nur ein günstiger Zeitpunkt - und du hast ihn einfach verpasst!
Als wär ein sehr, sehr oft Gelobtes sich selber eine Last.

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