Liebe und Beziehung

Klassische und sehr unklassische Liebesgedichte.

Michalská Brána & das zweitausendeinhundertsiebte Gedicht

Die Spitze des Michaelertor (auch „Michaelertorturm“) - der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Bratislava

Renewal

Wir renovier'n heut vor der Welt
Die altgediente Treue,
Dass sie uns weiter aufrecht hält,
Im Fortbestand, aufs Neue.

Sendestation & das zweitausendeinhundertzweite Gedicht

Bratislava Radiostationsgebäude (Budova Slovenského rozhlasu)

Weg Gefährten

Da du so viel an Abstand schufst,
Entschwandest du auch mir.
Dass du nach uns wie weiland rufst,
Ist postsoziale Zier.

Wir werden nie einander fremd,
Doch trennen uns jetzt Welten -
Was junge Schönheit nicht mehr stemmt.
Ob mich das dauert? Selten.

Lovin' Liegebarrieren & das zweitausendsechsundneunzigste Gedicht

Liegebarrieren am Slowakischen Parlamentsgebäude in Bratislava

Unverzagt Gesagtes

"Springlebendig freundlich" ist ein gutes Begegnungsgefühl,
Ebenso gewinnt mich ein "verbindlich, aber kühl".
Zwar sagt mir ein "sarkastisch scharf" als Spartenfreude zu -
Doch schwärm ich täglich heuchelwahr: Man muss so sein wie Du!

Zwei, hauend & das zweitausendste Gedicht

Statue im Münchner Rosengarten

Zwei Taue

Zwei Taue send ich dir

Das eine, dich an mich zu binden
Und auswegslos den Weg zu finden,
Das andre form zu einer Schlinge!
Dass ich mich auch nach oben zwinge,
Bevor das Rückgrat mir zerbricht.

Ich weiß, die Taue sieht man nicht -
Und nennt sie trotzdem vorschnell hässlich.
Doch sind als Halt sie halt verlässlich
Und schon taut's endlich im Winterquartier.

Zwei Taue send ich, dichtend, dir

Außerirdische & das eintausendneunhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Elefanten vor der Hochhausnachbarschaft vom Zoo Berlin

Man on Mars

Die Kühle flüstert mir zu,
Ich sei der Erste auf dem Mars.
Minus 63 Grad und du
Sprachst: "Guten Flug, monsieur - das war's!"

Noch verspricht ein Schwerkraftgruß:
"Du wirst dich leichter fühlen!".
Doch am Olympus Monsens Fuß
Wird sich jed Hoffnung verkühlen.

Die Berge werden immer fremder,
Kälter, höher, steiler.
Wer glaubt da an östliches Morgengedämm? Er
Setze mich auf den Verteiler!

Ich errechne noch, wie lang die Jahre nun sind,
Aber mag das Ergebnis nicht seh'n.
Es war ja der Plan, dass ich tunlichst verschwind,
Und nicht, den Planeten,
Den frostwindumwehten,
Mit Forscherelan zu versteh'n.

Bienenfresser & das eintausendneunhundertachtundsechzigste Gedicht

Bienenfresser in der "Welt der Vögel"-Vogelhaus im Zoo Berlin

Der Minnesang

Es ist ja grad die Hohe Minne
Im Tiefen zu erspür'nden Sinne
Ohne Maß.

Das immergleiche Leid als Suhlgrund
Empfand man einst als megacool und
Man blieb dem Trip der Agonie fromm,
Dem Liebesrausch, obschon man nie vom
Mohne aß.

Jardin Majorelle & das eintausendneunhundertneunundfünfzigste Gedicht

Im Jardin Majorelle in Marrakesch

Nachthand

Sie zog die Hand so plötzlich fort
(Und sie wäre zu halten gewesen).

Zu schuldig am leicht zu verhindernden Mord
Gelobten wir, bald zu genesen.
Doch der Mond, der uns in jener Nacht sacht’ beschien -
Er wächst nicht mehr zu ganzer Fülle,
Kreuzt den Nachthimmel nach unverrückbarer DIN
Und die Taglast belärmt ein Gebrülle
Aus „Wieso?“ und „Warum?“ und „Liebst du mich noch?“
Als drei der dich suchenden Finger
Vorm bleich übers Laken sich spannendem Loch.

Und käsig thront
Über all dem der Mond -
Ein Hüter, doch auch ein Bezwinger.

Stranddisco & das eintausendneunhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Im Ausgehviertel von Essaouira

Diffizile Musendomizile

Weil ich hier auf Usedom
Nie so recht zum Schmusen komm',
Hab' ich meine Muse vom

Dienst suspendiert.

Fezfalter & das eintausendneunhundertdreiundfünfzigste Gedicht

Schmetterling im Jnan Sbil Park nahe der Medina von Fez

Traumwandler

Sie sagte, es sei ja nur
Ein schlechter Traum, nicht mehr.
Ich widersprach ihr, litt noch stur
Und ward der Lage Herr,
Nun erkennend: Nichts war den Ärger wert.

Nun trennt uns, dass sie unbeschwert
Den Weg, den sie erkannt', auch ging
Und nicht am oft Genannten hing.

Ich denke oft, jetzt wach zu sein.

Ob ich sie vermiss, magst du wissen? Ach, nein -
Ich erinner ihrer ja kaum.
Doch hatte sie recht,
Nichts zählt hier in echt.
Auch sie ist schon nur noch ein Traum.

Madonna Verona & das eintausendneunhundertachtundvierzigste Gedicht

Brunnen der Madonna von Verona auf der Piazza Delle Erbe

Die Minnelichen

Du bist mîn, ih bin dîn -
Es rettet uns das Immerhin
Und geht doch keinen etwas an,
Wies under uns zwein ist getân!

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