Leipzig

- 18.03.16 Leipzig, Buchmessen-Slam, Schauspiel Leipzig
- 26.07.16 Leipzig, Erotikslam Slam, Wärmehalle
- 15.03.18 Leipzig, Lesungen auf der Buchmesse und zu Gast bei Leipzig liest!, Schauspielhaus

Messemännchen & das achthundertzwanzigste Gedicht

Leipzig Messemännchen

Neonarkotische Rebellion

All der Provozierrat
Als Vollzug einer Tat
Gönnt uns stübisch ein bübisch' "Hoho!"

Wie wir dekonstruieren
Und Grenzen passieren!

Die Welt schaut kurz auf, sagt: "So, so."

Messelatten & das achthundertneunzehnte Gedicht

Leipziger Buchmesse 2018

Zur Fülle und Detailgenauigkeit

Kein Maß der Bescheidung
Kein Maß der Verschwendung
Kann den Glanz eines Stromes beschreiben

Wir zerlegen den Globus
Wir servieren den Globus
In prä-galileischen Scheiben

Buchmesse 2017 & das fünfhundertneununddreißigste Gedicht

Buchmesse Leipzig 2017

Die erste Version von "Slammed!" ist vollendet - passenderweise zur Leipziger Buchmesse. Und ein Verlagsvertrag unterschrieben ...

Stammwürze

Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
An schwierigen Tagen geht a Liebstöckel auch
Doch Majoran und Koriander
Bringen's zu sehr durcheinander
Das brauch ich gar nicht zu entdecken
Hat auch der fremder Länder Brut Flut
'Ne Freud dran, hin und her zu schmecken -
Ich weiß, was meinem Magen gut tut
Und das Normale schmeckt nur fad
Weil es in einer Ordnung harrt
Ein Teller ist halt kein Bazar
Wenn's euch gefällt - na, wunderbar!
Ich muss nichts Unbekanntes kauen
Vom Tellerrand nach sonstwo schauen

Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
Und an schwierigen Tagen tut's a Liebstöckel auch
Vom Würzen wird der Mensch nicht satt
Grad, wenn es keine Ordnung hat
Und Majoran und Koriander
Die machen schwirr und durcheinander
Was soll man da jetzt übertreiben?
Was richtig war, darf's doch auch bleiben
Integrieren ist löblich, nur nicht gleich ins Essen
Wir haben hier so was auch sonst nicht gegessen!

Mag sein, dort locken arabische Schätze
Und da asiatischer Kräuterfuror
Erspart mir die Mätzchen osmanischer Meze
Ich muss auch nicht essen wie irgendein Mohr
Ein Teller ist halt kein Bazar
Mir rücken die Würzstreuer einfach zu nah!
Schon droh'n sie: Wir kämen schon auf den Geschmack
Und treten das Glück unsrer Ordnung zu Scherben
Bald führt uns kein Weg mehr zurück und dann, zack:
Wird die letzte Kartoffel an Rosmarin sterben!

Ich pflanz' auf ihr Grab Petersilie und Lauch
In solch schwerer Zeit ginge Liebstöckel auch
Und andres Gewürz kommt mir nicht in den Bauch!

So will es die Ordnung, so will es der Brauch ...

Leipzig Mitte & das zweihundertdreiundachtzigste Gedicht

Bahnhof Leipzig Mitte

Bahnhof Leipzig Mitte. Tief gesunken, groß geraten.

Genug

Heikle Schnitte durch die Kehle
Vorlaufdritte, Ukulele
Angepisste Islamisten
Schleimhautzyste, Popos fisten
Kopftuchnot der Rechtsmuslima
Pokemon und Konfi-Beamer
Infernal und Staatsgewalten
Alle mal die Fresse halten!

Cospudener See & das zweihundertzweiundachtzigste Gedicht

Cospudener See in Leipzig

Cospudener See in Leipzig.

Wenn im ...

... ersten Sommer nach dem Krieg
Ich neben dir im Grase lieg'
Schwebt über uns der Dunst von Schuld
Und spottet aller Ungeduld

Wilhelm-Leuschner-Platz & das zweihunderteinundachtzigste Gedicht

Leipzig S-Bahnhof Wilhelm-Leuschner-Platz

S-Bahnhof in Leipzig City.

Stolz und Urvorteil

Die Klarheit der Form klagt dem Kitsch-Ornament:

"Es nervt mich enorm, dass mich keiner erkennt!"

"So schluchzet laut auf und beginnt nicht im Kleinen!
Ihr sollt plakativ Krokodilstränen weinen!"

Der Klarheit erschien solch ein Auftrag zu dick
Sie beschloss zu verhärmen - mit schnippischem Schick

Krypta & das zweihundertachtzigste Gedicht

Totenwächter im Völkerschlachtdenkmal

Totenwächter im Völkerschlachtdenkmal.

Anteil

Wenn schon Blues, sag, wessen Tränen
Woll'n wir in den News erwähnen?

Leipzig Völkerschlacht & das zweihundertneunundsiebzigste Gedicht

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nach Wolkenbruch

Wuchtig, donnernd, wuchtig, wuchtig - Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nach Wolkenbruch.

Stirb Langsam, Teil Nichts!

Das furorlose große Seniorenmenu
Es strotzt vor Geschmack eines "Tout est perdu"
Und eigner Überkommenheit

Man kleckert sich lecker durch kleine Portionen
So lange wir über der Erdkruste wohnen
Wenn der Mund auch schon voll ist - das Schlucken braucht Zeit!

Die vergebliche Hege des Ausgedienten
Schwingt zwischen Gewohnheit und Liebhaberei
Im Fond des nach etlichen Brüchen geschienten
Hechelnden Lächelns nach Ehrungenbrei ...

Doch kommt da nix, ohweiohwei!

Nein,
Mit drei Mai Thai und Heiteitei
Wirbt man nun frech um unser Lob
Berechnet Erbanteile, grob

Städtetourismus & das zweihundertachtundsiebzigste Gedicht

Im Gras liegen

Mein Gebiet.

Von Städten

Es gibt Städte, dort baut man mit größeren Steinen
Weshalb auch die Städte viel größer erscheinen

Es gibt Städte, da siehst du nur mächtige Türen
So möchten sie dich, Bursch, zum Diebstahl verführen

Es gibt Städte, in denen läuft nichts ohne Grund
Dort wird man dich fragen: Was willst du hier? Und

Es gibt Städte, da geht man am besten nicht hin

Und dann gibt's noch die Stadt, in der ich immer bin
Aber frag nicht, ob ich vielleicht Zeit für dich hätte

Es gibt keine Zeit in dem Dickicht der Städte

Leipziger Buchmesse & das hundertste Gedicht

Leipziger Buchmesse

Jubiläum. 100 Gedichte. Mit Gruß von der Leipziger Buchmesse. Und weil ich nie so recht weiß, was ich dort machen soll, kein Leipziger Gedicht, sondern Teil 2 der Oscar-Balladen. Ebenfalls - wie Black Swan im Teil 1, Gedicht 85 - aus der Unterrubrik "Weibliche Hauptrolle":

Margaret Thatcher (Die eiserne Lady, Meryl Streep)

Misses Thatcher wird unerlaubt Milch kaufen gehen
Das von ihr stramm gestaltete Königreich sehen
Wie's sich ohne Respekt vor die Boss-Lady drängelt
Die resignativ weder aufbraust noch quengelt
Sondern altersmild - weil schon bedeutungslos - aufweicht
Und erkennt, dass am Ende ihr Ehrgeiz nicht ausreicht

Denn wer nur stur den eignen Weg geht
Wird am Ziel alleine sein
Niemand kann, da sich die Welt dreht
Wirklich ewig Sieger sein

"Mom, du kannst nicht mehr allein hinaus!
Das war doch längst so abgemacht?"
Der Taumel der Erinn'rungsstaus
Hat den Rest ihrer Welt durcheinander gebracht
Sie reißt sich zusammen, "shall we dance?" fragt ihr Mann
Und dann reist sie zu Stätten, wo all dies begann

Schier unbeschämt trug sie das Joch der
Provinziellen Krämerstochter
Und stampft die vor Kampfeslust brennenden Zähne
In die träge, morastige Männerdomäne
Der törichten Tories Parteipolitik
Die ihr wackeres Gretchen viel zu lange belächelt
Als ein Dienstmädchen, das sich im Tonfall verstieg
Dessen Bärbeißigkeit bald geschlechtsbedingt schwächelt

Doch Miss Thatcher wird zielstrebig Milch kaufen gehen
Sich des Parlaiments Houses von innen besehen
Sie ministriert vom Frau'ngebiet
Sich schnurstracks in die Downing Street
Und überstrahlt im blauen Kleid
Der grauen Herren Herrlichkeit
Mit stählern onduliertem Haar
Die Perlen - nicht verhandelbar!

Als ein handtaschentätschelndes Teatime-Klischee
Steht sie unumstößlich zu dem, was sie will
All das Tantige ist nur ein Grantig-in-spe
Da ihr hastiges Stimmchen, so schneidend wie schrill
Tönt sich jäh in die Höh bis zum Absprung vorm Kreischen
Um den letzten Cretin das Gehör zu zerfleischen

Denn irgendwer muss das Unsagbare sagen
Und wer nicht rentabel ist, soll auch nicht klagen
Sondern arschtrittbewegt seinen Lebenslauf würzen
Misses Thatcher wird drastisch die Milchration kürzen
Und mit provokantem Prinzipismus
Zügelt sie vom hohen Rosse
Den Malocher-Chauvinismus
Alternder Gewerkschaftsbosse
"Nennt mich, ihr Brüder, bittesehr
Ruhig Bitch of England - i don't care
Werd' mit cooler Mine eure Coalminen schließen
All das Labour-Gelaber soll mich nicht verdrießen!"
Selbst in Bürgerkriegsnähe bleibt Maggie dabei
Dass die Medizin bitter, doch notwendig sei

Auch kein Zornstreich der IRA kann sie so treffen
Nicht bereits aus den Trümmern die Losung zu kläffen:
"Wir werden den Schurken um keinen Zoll weichen!"
Kurz Flaggen auf Halbmast - das soll dann auch reichen
Denn dass jeglich Unrecht ungerächt bleibt
"Das ist, wo uns Schwäche hintreibt!"
Schon zimmert sie Vergeltungsschläge
Zum Geschnurr der Sargholzsäge
Und, ja, niemand wird die Falklandinseln
Je von Englands Falkplan pinseln
Alles bleibt britisch und zermürbt stoppt der Streik
Und Mag kassiert ein Doppel-Like

Doch wer immer nur stur den eignen Weg geht
Wird am Ziel alleine sein
Niemand kann, da sich die Welt dreht
Scheinbar ewig Sieger sein

Zwischen Oxford-Stress und Ochsentour
Kann den Kreis ihrer Lieben sie nur halbwegs umrunden
Den Mann, die Kinder sieht sie nur
In den nicht an den Ehrgeiz verfütterten Stunden

Also, Maggie, shall we dance?
Sprich dein Mantra, letzte Chance!
Es wird einsam um dich und um deine Prinzipien
Das Verständnis wendet sich ab von dir
Doch du setzt auf Konfrontation statt "Vergib ihn'n!"
Kompromisslosigkeit als privates Plaisier
Du wirst nicht gewinnen, Mag, diesmal nicht
Die Triumphe verrinnen, auf die du erpicht
Werden grau mit der Zeit und umarmt vom Vergessen
Trotz der Standhaftigkeit, auf die du so versessen

Wer kennt in einst loyaler Runde
Noch das Wörtchen "obstinat"?
Die Opportunen plan'n im Grunde
Lange schon den Hochverrat
Du kannst weiter dem Pöbel die Milch vorenthalten
Und als sinkendes Schiff deinen Standpunkt verwalten
Bloss im großen Britanien ist für sowas kein Platz mehr
Und ein Rücktritt erspart dir noch größere Patzer

Du lehrtest ein Heer dich zu fürchten und hassen
Nun hat selbst dein Dennis dich letztlich verlassen
"Du kannst doch nicht ohne Schuhe geh'n!?"
Dein Protest kommt zu spät, es ist längst schon gescheh'n

Irgendwann verwebt sich die Welt in das Gestern
Nivelliert sich jed Aufruhr in ebene Flächen
Wo brühwarm und ungesühnt Schwächlinge lästern
Und Eisen sich windet im mählichen Brechen

Gardinengedämpft irrt ein Blick durch die Welt
Mit 'ner Ahnung vom Draußen, die Miss Thatcher missfällt
Diese Sturheit - von keinem Arzt niederzuringen
Und zu Unbeugsamkeit will sie sich wieder zwingen

Misses Thatcher wird unbeirrt Milch kaufen gehen
Die Welt, sie mag sich weiter drehen
Und trägt hart am Gepäck ihrer ruhmreichen Taten
Lässt auch deren Sinn sich nun kaum mehr erraten
Ein aalglatter Brutus tritt statt ihrer ans Steuer
Und die Milch scheint wie jedes Jahr doppelt so teuer

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