Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Zehnzeiler


  • Städtetourismus & das zweihundertachtundsiebzigste Gedicht

    Im Gras liegen

    Mein Gebiet.

    Von Städten

    Es gibt Städte, dort baut man mit größeren Steinen
    Weshalb auch die Städte viel größer erscheinen

    Es gibt Städte, da siehst du nur mächtige Türen
    So möchten sie dich, Bursch, zum Diebstahl verführen

    Es gibt Städte, in denen läuft nichts ohne Grund
    Dort wird man dich fragen: Was willst du hier? Und

    Es gibt Städte, da geht man am besten nicht hin

    Und dann gibt’s noch die Stadt, in der ich immer bin
    Aber frag nicht, ob ich vielleicht Zeit für dich hätte

    Es gibt keine Zeit in dem Dickicht der Städte


  • Unter Birken & das zweihundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Landpark Lauenbrück

    Open Air im Landpark. Mit Wald.

    Die kleinen Stämme

    Wir gerippigen Bäume können nicht richtig schwingen
    Wir wippen und kippen dann um, doch wir singen:
    „Wenn jeder hier mitmacht, dann schaffen wir Wald
    Und sind uns einander bezweigend ein Halt!“

    Doch sind wir es nur vorübergehend
    Schon stürmt ein Wind, uns niedermähend
    Den Schwunggewandten Platz zu bereiten
    Welche in die geschaffenen Astlöcher gleiten

    Wir wippen und kippen, wir steh’n hier nicht lang
    Wenn wir auf was stolz sind, ist’s unser Gesang


  • Badewasser & das zweihunderteinundsiebzigste Gedicht

    Isarwehr

    Spielverderber an der Isar.

    Dogmendog

    In Sommerfrischen denke nicht / an Kirchen im November!
    Weil deren Todesnähe ist / durch Phantasie nicht dämmbar
    Lass dir kein X für’s U andreh’n
    Setzt auch die Welt aufs Schnellversteh’n
    Und schreibt auf Fassaden „Hier: Vier dünne Risse!“
    So steht es im Sketch-Bxch, ist gleichsam Kulisse
    Bleib das, was du denkst – wenn auch alles vergisst
    Dass längst noch nicht November ist


  • Abreise & das zweihundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Olympiapark Munich Mash

    Es geht wieder los. Mächtig: acht Stunden bis Görlitz.

    Astronautenkost

    Mir ist so, als wenn ich in kosmischer Ödnis
    Vor etwa zehn Jahren ein Trümmerstück sah
    Das ich nun erinn’re, da mir grad so öd is‘
    Schon rätselnd, ob’s wirklich ein Trümmerstück war
    Und nicht bloß der Wunsch, den ich da vor Dekaden
    Nach Steinen verspürte im ähnlichen, faden
    Daseinsgequäle in kosmischer Ödnis

    Obwohl es auch sicherlich epochal blöd is‘
    Gleich das anzuzweifeln, was hier je von Gewicht war
    In der endlosen Weite aus dem, was ich nicht sah


  • Die Osterseen & das zweihundertvierundvierzigste Gedicht

    Iffeldorf

    Da war doch was, sagen mir die Pusteln nach dem Badeausflug zu den Osterseen. Zeit für eine Merkhilfe in Versen.

    Die Osterseen

    Gut, vor Ostern geh ich eh
    Niemals an den Ostersee
    Doch, so riet mir wer diskret
    Nachher sei’s auch schon zu spät
    Weil der Wasser frühe Wärme
    Brüte wahre Mückenschwärme

    „Wann,“ fragt ihr, kurz vorm Versteh’n
    „Ist’s denn ratsam hinzugeh’n?“

    „Immer!“ preist die Stadtreklame

    Mehr weiß der Gewässername …


  • Iffeldorf & das zweihundertdreiundvierzigste Gedicht

    Iffeldorf

    Zehn Tage am Stück daheim in München. Das gibt es dieses Jahr exakt einmal. Fast zu schön, um wahr zu sein … Daher an dieser Stelle ein idyllebrechendes Garstiggedicht. Vor der Kulisse Iffeldorfs (bei München, keine Angst!).

    Die Reinigung der Schuhe

    Ja, die Reinigung der Schuhe
    Nach dem Zertreten einer Katze
    Sie erfordert Zeit und Ruhe
    Mit dem Rosenzweiglein kratze
    Ich allen Grind aus dem Stiefelprofil
    Und füttere damit mein Zwergkrokodil
    Lasse, wenn ich Gassi geh‘
    All das Blut im Frühlingsklee
    Schaut, schon sind sie blitzeblank!
    Und ich lob‘ mich: Spitze, Frank!


  • Nordkette & das zweihundertfünfunddreißigste Gedicht

    Nordkette Innsbruck

    Der Blick auf Innsbruck von der Nordkette.

    Gebieter der Stille

    … und unten lärmt man vor sich hin:
    Getösestolz aus Mittendrin

    Der dringt nur als verdecktes Wummern
    Zur Soundcloud von Insekten-Summern
    Denen einzig Vogel-Tirillenz
    Grätscht in die Laute-Prominenz

    Verhalten hallt mal kurz ein „Muh!“
    Von irgendeiner Alm dazu
    Ansonsten ist’s hier völlig still

    Dann schrei ich: „Nur, wenn ich es will!“


  • Nordsee & das zweihundertvierunddreißigste Gedicht

    Kiel

    Bevor es in die österreichischen Berge geht, noch etwas Wind von der Nordsee:

    Die Nassforschen

    Wir heuern an beim Schwesterschiff
    Erneuern noch mit letztem Schliff
    Die Liftings unsrer Entourage
    Das Plan-Getäu, die Takelage
    Und stechen als Schon-mal-Gesunk’ne in See
    Losch Pech auch die Lunte der alten Idee
    Die Neue scheint vermeintlich groß
    Drum Segel setzen, Leinen los!
    Die noch triefende Kleidung beföhnt uns der Fahrtwind

    Es wird erst gestöhnt, wenn wir weniger hart sind


  • Thüringen & das zweihunderterste Gedicht

    Saale-Schleife

    Weil ich Thüringen immer schon das landschaftlich schönste Bundesland nenne, Rainald Grebe (in Vertretung vieler) nicht mag und sich dies schicksalhaft in dessen Lied „Thüringen“ zu einem Gesamtmurren’n’Schnurren sammelt, hier eine Zusammenfassung als Gedicht.

    Die Rache der Prärie

    Für Thüringen
    Umbringen
    Könnte man,
    Einverstan-
    -den, den überheb-, gräss- und gewöhnlichen Grebe
    Weil dummbeifallsüchtiges Flachwitzesingen
    Grund genug nimmt, dass er weiters wohlgemut lebe …

    Nun

    Durch die Saale-Schleifen läuft kein RTL II
    Und die einfachsten Scherzchen geh’n meist schnell vorbei


  • Pfingstwetter & das hundertneunundachtzigste Gedicht

    Bad Tölz

    Wettertragödien, vermieste Feste. Aber das kann auch vielleicht das Beste sein, was passieren konnte.

    Feste, die ins Wasser fallen

    All den Festen, die ins Wasser fallen
    Bleibt die nicht widerlegte Verheißung erhalten
    Sie wären die besten Feste von allen
    Gewesen, sofern sie von weniger kalten
    Regenfällen gesegnet gewesen …
    Dies sind – wie gesagt – auch berechtigte Thesen
    Denn schließlich war, wie jammerschade
    Klar das Wetter ohne Gnade

    So scheint manches Mal das gescholtene Wetter
    Missratenen Festen willkommen als Retter


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