Es lehrten die Gebrüder Grimm:
Ein Zwischentief ist nicht so schlimm!
Scheint’s auch vor Unrecht randgefüllt
Von purer Bosheit vollgemüllt …
Du musst es leiden ohne Schuld –
Ergib dich nie der Ungeduld!
Erst wenn du wohldurchlitten bist
Erlöst man dich per Happyend
Wie’s in den Märchen Sitte ist
Die jeder zur Genüge kennt
Wie gern hab ich in Stuttegart
‚Ner stutendoofen Nutte zart
Zum Start die Stube klar geputzt
Des Gartens Rasen grad gestutzt
Und dann statt wie gewohnt in bar
Bestanden, dass sie heute gar
Nichts zahlen müsste
Worauf sie mich arg artig küsste!
Denn Stuttegart lädt dazu ein
Mal gutartig statt stur zu sein
Ach, hol dich doch der Hölderlin!
Du Hasenheld auf Heroin
Willst prompt ’ne grade Linie zieh’n?
Bist grad vier Wochen trübnisclean!
Denk dir, ich habe kein Christkind geseh’n!
Und wenig Verbindliches ist im Entsteh’n …
Warst du nicht viel zu häufig hier
Als nicht gebuchtes Musketier?
Unsre Niederschlagsmenge schluckt kein Kokain!
Mit dem Seychie-ÖPNV Richtung Anse Intendance und Anse Takamaka.
50 Shades of Green
Nach Takamaka mit dem Tata
Vollgepacktes Brummgeratter
Anse an Anse ans andre Ende
Pflanzenparadiesgelände
Gleißend grüßt türkis das Meer …
Doch überwiegt das Grün so sehr
In Üppigkeit und Wachtumsdrang
Dass mir bei seinem Anblick bang
Ist, ob man da sogar als Mann
Vom Hinseh’n schwanger werden kann
Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina. Eine Chaiselongue nebst Zelt als Sonnenschutz auf das Dach eines Bootes zu bauen, ist ein schöne Idee. Dort zu liegen, weckt seltsame Gedanken.
King of Africa
Ich bin der King of Afrikanu
Und lächle meiner Zukunft zu
Grins‘ schaisselonget vom Sonnendeck
Und praktizier‘ den Wonnencheck
Lass mir ein schmackhaft Hühnchen köpfen
Ein Schalentier vom Flussbett schöpfen
Derweil die Sonne maßvoll brennt
Und mich als Herrscher anerkennt
Ich nuschle straff mein „Salam‘!“ und „Veloma!“
Ich, King of Durchfahrt – und jetzt herrsch‘ du ma!
Das madagassische „o“ wie in dem dem deutschen „Tschüss!“ entsprechenden „Veloma!“ wird wie ein „u“ ausgesprochen.
Kurze Lemurenpause. Mit einem Vertreter der großen anderen Tiergruppe der Insel. Und einem Text zu einer gewohnten Situation: durch ein fremdes Land brettern zu Songs weit hinterm Verfallsdatum. Funktioniert sogar mit Ace of Base.
Secondary Road
Nie haben UB40 sich besser in die Landschaft geschmiegt
Als im stiebend verwehenden Pistenstaub
Red Red Wine, der in Schlaglöchern taktvoll versiegt
Und wir ruckeln mit ihm, gesäßmuskeltaub
Selbst Shakira ist ganz Mama Africa
Und plädiert für ein ewiges 2010
Wir pflügen mit ihr durch die Zebu-Schar
Bitten hupend Geflügel zu Seite zu geh’n
Wir sind vom Grounddreck fast erfasst
Beseelt, wie gut der Soundtrack passt
Ich senke meine sanften Zähne
In den warmen Hals der Gazelle
Ich schmecke Blut und hör Gegähne
Das ich mit scheuem Zorn bebelle
Wir finden in keiner der Welten zusammen
Und scheinen doch aus selbem Sande zu stammen
Wir entkamen dem Nirgends und kamen so weit
In den endlosen Fluren der Vorläufigkeit
Doch stets zeigt sich ein neuer Berg
Erleuchtet von ’nem Feuerwerk
Idylle am Grazer Hauptbahnhof. Später wurde es ungemütlicher.
Der Zuggereiste
Die von Platznot befohlene Sitzposition
Lähmt mir alle Glieder von Anbeginn schon
Verfinstert mir seither das Dasein per Dauer
Und blinzelt gerissen zum dräuenden Aua!
Die despotische Herrschaft des Unausgestreckten!
Der aus Muskelfleisch tränende Drang nach Bewegung …
Diese fiese Gewalt am in Ketten gesteckten
Körper in regungslos tauber Erregung
Der in die Polster rückenschwitzt
Als Plattgedrückter grollt. Und sitzt.
Grad, da aus dem Grazer Ratssaal
Graf Zahl alles, was aus Stahl
Stahl
Sprachen barsch die Stadtbarone
Und die Grazer Grazien: Ohne
Gnade gelt’s derart missratene Grafen
Mit Zahlung gar all ihres Bargelds zu strafen
Und gewahr der Gefahr vor noch smarteren Taten
Darf nach Grazer Art die Straf‘
Garstig hart und arg geraten