Alle wollen sich hier erholen
Hier erholen wollen sich alle
Alte toll’n herum wie Fohlen
Promenier’n mit frohem Schalle
Dass sich dran die Jungen laben
Solche Restzeit noch zu haben
Selig streckt sich der Spazierweg
Uns wohlgefällig das Altern zu mildern …
Spröde Pragmatik nennt das vielleicht Irrweg
Doch krönt den Genuss ja sein Wird-nichts-Verhindern
Noch ein Nachschlag vom Saale-Spaziergang. Mit sonnigem Gruß von der Statue der Lesenden.
Dessert not Desert
Betrachte mit Nachsicht die Nachtisch-Verächter
Die „Hauptsache Hauptgang“-Gang isst so viel schlechter!
Denn das bessere Essen beseelt das Dessert
Ist dem kundigen Munde ein Mindestverzehr
Gibt nach Fastfutterfadheit Dir Süße zurück
Ist genüsslich den Müßiggang küssendes Glück
Wer mag sich in Patisseriekunst versenken
Wer ruft nur heroisch „Ach nein, ich entsage
Will mich auf Asketen-Diäten beschränken!“?
Angekommen. Und jetzt: Vier Auftritte auf Sardinien.
Statt Stadt
Die haben hier Kakteen und Palmen
Wir kauern auf bekackten Halmen …
Ob ich eher auf Mäher oder mehr so auf Meer steh‘?
Ob ich scharf werde, wenn ich ’ne Schafherde anseh‘?
Mann, bis spät in die Nacht lacht hier Sonnenlichtzauber
Da mach‘ ich mich sonst für die Frühschicht schon sauber!
Ach, wär’s so, dass ich Firma nenn‘
Der Insel Sternenfirmament
Die Karelische Pirogge (Pirakka) ist hier eine wichtige Grundlage meiner tagtäglichen Mästung. Gerne in ihrer schmucklosen Urform. Warum eigentlich?
Pirakka
Die Pirakka schmeckt wie ein junges Versprechen
Die Geschmacksknospen maulen: „Öhm, kommt da noch was?!“
Wenn roggenmehlsämig Erwartungen brechen
Döst nur noch die Haptik zu geltendem Maß
So würzt Zurückgenommenheit
Dies kleine Stück Vollkommenheit
Zu ’nem Etwas, das wie nichts fast schmeckt
Macht die mulmige Speise
Zum Start einer Reise
Auf der man nicht einfach von selbst was entdeckt
Mal wieder in Berlin. Und endlich mal wieder in der Ritter Butzke. Nach dreimal Schwänzen.
Ritter sein
Ich würd‘ ja gern ein Ritter sein
Dann tränke ich zwei Liter Wein
Bloß um im nächsten Schritt zu schrei’n:
„Da passt auch noch ein dritter rein!“
Dann tät‘ – um wieder fit zu sein
Ich in den Pool von Britta spei’n
Die schaute wohl verbittert drein
Doch ich, ich würde Ritter sein
Wenn wer vor Wut entrüstet‘ sich
Stünd‘ immer gut gerüstet ich
Ewiges Zwischenstoppziel Berlin. So undankbar wird von mir vermutlich keine Stadt bereist. Es ist das Wissen um die stete Wiederkehr. Welches gleichsam als Kompliment gedeutet werden darf.
Fremdschaftsgrade
Berlin, ick kenn dir, biste mir
Ooch manchmal zu veränderlich
Ick finde mir zurecht in dir
Wie sons in andre Länder nich
Da wollen welche gleich entgegnen
Anstatt den Text so abzusegnen:
Ditt andre Lända fremda wär’n
Ditt wär ja nich verwundalich
Da kennen wohl die Dam’n’un’Herr’n
Dich Hund von einer Stadt noch nich
Amsterdam by night. Aber natürlich im Bereich der Fiktion (ich bitte, an dieser Stelle nicht nach einem Wortwitz zu suchen. So weit sind wir noch nicht.).
Fast treu (In De Wallen)
Beim Betrachten der Grachten
Begann ich zu schmachten
Da sprach – wenig sachlich
‚Ne Dame vom Fach mich
Fast nackig auf ’nen Nachtisch an
„Sachte, Freund, sachte!“ sagte ich mir
Verbrachte die Nacht aber trotzdem mit ihr
Ich weiß, der Titel „Größter regelmäßiger Slam der Welt“ ist hart umkämpft. Offiziell gar nicht mit im Rennen, aber mit 670 Zuschauern verdächtig: Ulm. Anscheinend unwidersprochen hat das Münster der Stadt aber mit dem 161,53 Meter hohen Turm den höchsten Kirchturm der Welt. Ist ja auch was.
Das Schiff
Gestrandet ruht das Kirchenschiff
Eingepfercht im Häuserriff
Wartend auf ’ne Sintflut
Denn, steht dann der Wind gut
Geht es los auf große Fahrt!
Doch, weil Regen unterbleibt
Jenes Schiff nach nirgends treibt
Auch auf dem Rückweg: Fähre bevorzugt. Scheiß auf Umwege & Fahrtkosten.
Auf See
Das Bugwellenmantra zum Wummern
Der Dieselmotoren – wir schlummern
Wie tief auf dem Grund der beschifften Kanäle
Im Tiefdruck der Walgesang covernden Stähle
Und dämmern und dämmern und dämmern dahin
Grüß mir die Genossen vom Sonnendeck
Erklär ihn’n den Haken am Kreuzfahrtgewinn
Und sag ihn’n: Beschwerden hab’n eh keinen Zweck!
Das Bugwellenmantra pfropft in unsre Ohren
Begleitet vom Wummern der Dieselmotoren
Bis zu meinem Hotelzimmer sind es 110 Stufen (und es gibt auch keinen Aufzug). Daheim habe ich 96 Stufen zu bezwingen (und es gibt auch keinen Aufzug). Da erscheinen die 669 Stufen zur zweiten Etage des Eiffelturms beinahe etwas wenig. Und es gibt durchaus einen Aufzug. Aber:
669 Stufen
Ob als
„Papa, ich will Pommes!“-Nöhler
Städteausflug-Bustourist
Preissensibler Interrailer
Oder Birthday-Amourist –
Auch auf meiner Lesetour
Nahm ich stets die Stufen nur
Sollte ich einst, schon erlahmt
Mich noch hin zum Turme schleppen
Tragt mich hoch zum letzten Mal