Wem man so beim Spaziergang begegnet. Auf vielfachem Wunsch: ein Spinnengedicht! Was man nicht sieht: Im Netz hing ein wunderschöner, halb verwitterter Morphofalter.
Die binomischen Formeln der Insektenphobie
Spinnen drinnen?
Braucht man Mut!
Spinnen draußen?
Auch nicht gut …!
Und in Spinnen innendrin?
Klingt nicht grad nach Hauptgewinn!
Gut? … da alle einig grienen
Widmen wir uns nun den Bienen:
Bienen drinnen?
Etc. etc.
Wem man so alles im Garten begegnet. Das tatsächlich lauteste Tier der Welt. Versammelt sich jeden Morgen um halb Acht neben meiner Hütte und grölt.
Brüllaffe (Punks not dead)
Du musst nicht gut sein, aber laut
Wer hätte dir das zugetraut
Dass all die streng gesetzten Hürden
Dich gar nicht int’ressieren würden?
(Derweil sie denken, du kannst nicht versteh’n
Hangelst du dich von der Acht auf die Zehn)
Und mosert wer: „Ganz schön bequem!“ – sagst du: „Nein
Die Lautstärke Halten kann anstrengend sein!“
Wo And’re von And’ren Gelehrtes verwalten
Musst du stetig Nichts zu was Großem gestalten
Wem man so alles im Garten begegnet. Ich hatte die unruhigen Bewegungen im Teich hinter meiner Hütte immer für einen nervösen großen Fisch gehalten. Heute sehe ich: Es ist ein – wenn auch sehr kleines – Krokodil! Da habe ich mich schon gewundert. Im Bild unten rechts zwischen den zwei Halmen ein wenig zu erkennen.
Kindliches Schoßgedicht zur neckischen Angsteinflößung
Da ist
Ein Krokodil im Gartenteich!
Erwartete nur Krötenlaich
Rasch abgetaucht zwar, sah ich gleich:
Da harrte was im Gartenteich!
Was frisst
Im Gartenteich ein Krokodil?
In seinem Reich gibt’s nicht so viel …
Es will doch wachsen? Sicherlich
Wenn du kurz wegguckst – frisst es dich!
Heißt der alte Fluss dich noch immer willkommen?
Strahlt die Sonne nach hierhin doch stärker vertraut?
Wieviel deines Muts hat die Zeit dir genommen?
Was ist als Erinnerung sicher verstaut?
Welcher Urinstinkt hat sich im Fels eingenistet
Und verharrt widersagend dem Erdkugeldreh’n?
Welche Comeback-Optionen sind zeitlich befristet?
Welche Änderung meuchelt das Wiederversteh’n?
Du stellst zweihundert Fragen – und der Fluss hört nicht zu
Denn wie tief du hier eintauchst, weißt ausschließlich du
Ich bin in den Prager Gassen versunken
Wie immer verplant und ein bisschen betrunken
Fand selig vor Glücke
Im Strom eine Lücke
Der über die Karlsbrücke burgwärts sich wand
Und drüben versank ich in anderen Gassen
Verlor schnell den Anschluss am Sturmdrang der Massen
Fand ein Plätzchen am Fluss
Saß im Jetzt mit Genuss
Der aus dem nostalgischen Rauschen entstand
Tschechien ist wie ein Song von Nic Cave
Ein bisschen Pan Tau und ein bisschen New Wave
Der Künstlergeck aus alter Blüte
Mit seinsbewusstem Schwergemüte
Umsäumt von dem Strandgut des Sozialismus
„Ahoi!“ grüßt dich das Maulwurfswort
Dann schwemmt das erste Bier dich fort
Und bis sich Schweyk in Schweigen hüllt
Wird Henry Lees Refrain gebrüllt
Im auf Kopfsteinpflaster getippelten Rhythmus
Manche Ortschaften sind mir halt gar nicht verständlich
Hier scheinen Visionen im Ansatz schon endlich
Man kann dort nur im Garten steh’n
Gemeinsam mit der Zeit vergeh’n
Manche Ortschaften sind einfach gar nicht echt da
Es ist alles vorhanden – doch nichts geht dir nah
Der Carport bekrönt den Zenit aller Fragen
Wo niemand gewinnen will, gibt’s nichts zu wagen
Wo nichts in Bewegung ist, kann sich nichts wenden
Auch du wirst vielleicht in solch Ortschaften enden
„Erlaubt mir, Durchlaucht, Eure Lippen zu küssen!“
(Mich deuchte, da vorher mal fragen zu müssen …)
Im Rouge ihrer Scham fand sie zögernd den Mut
Sie fuhr sich gespannt durch das Haar und sprach: „Gut,
Dies sei Euch gewährt:
Wir vereinen die Münder für zwei, drei Sekunden!
Es scheint zwar verkehrt, doch den Irrtum wohl wert
Denn im wohligen Schauder soll vieles gesunden.“
Irritiert starrt‘ ich nun auf den wartenden Mund, denn:
„Sorry, ich meinte die Lippen da unten!“