Diese Weichheit und Milde vom Nachmittagslicht
Wo hitzegebeugt sich die Piepmätze sammeln
Und die Blüten sich spreizen vor Nektargewicht
Bis duftender Singsang tönt: „Fertig zum Rammeln!“
Ach, du Nachmittagslicht tust so weich und so mild!
Aber in deinem Herzen schlägt’s räudig und wild …
Sifaka im Camp Amoureux. Ein Ripostegedicht zu Bert Brecht.s „Erinnerung an die Marie A.“.
Marie A. frisst ihre Kinder
Die eine Wolke weiß ich noch …
Die als Schäfchen vom Land auf das Meer rausgetrieben
Der Verkleinerung trotzend – um schließlich dann doch
Ihrer Auflösung nachgab, bis nichts mehr verblieben
Als weitere Wolken, die ich noch erinner‘
Jenem Schicksale folgend, dass keine Gewinner
Am Himmel von mir zu melden waren …
Nur Berichte von Helden und Wolkengefahren
Bis zum Abend vom Meer eine ungeheuer weiße Front
Eroberte den Horizont …
So viel wolkige Allmacht, vom Himmel besessen!
Die Temperatur und ich sind heute auf einer Ü40-Party.
Von der Barmherzigkeit des Schattens oder Auf der Corniche
Viel zu oft hab ich dich nur in Anspruch genommen
Mal bewusst, mal durch Zufall gut untergekommen
Habe ich in der Abdunklung mild mich entspannt
Das Gemüt überhitzt, die Haut sonnengebrannt
Laue Windhauchoasen bestreicheln den Schweiß
Die Linderung gibt mir Asyl und ich weiß:
Viel zu oft hab ich dich als gegeben gesetzt
Wie wertvoll du warst, merk‘ ich – flüchtend – erst jetzt!
Es runzeln die bewölkten Tage
Mit altersschwachem Esprit in die Welt …
Erfreu uns am Tran dieser gräulichen Lage
Inszenier dich in Dunstschwaden, strahlender Held!
Denn wie fahl und apathisch, wie schleierumgarnt
Die Himmelslast nieder wälzt – jeder hier ahnt:
Auch größere Düsternis ist schon verflogen!
Kein glänzender Einfall grätscht jetzt noch ins Senken
Kein Wortwitz ernörgelt sich seine Notiz
Kein Reim möchte sich kurz vorm time out verschenken
Die Metrik verkneift sich verspätete Beats
Kein Strophengeäst will sich weiter verzweigen
Wenn alles errötet, heißt’s: Einfach mal schweigen
Beinahe Urlaub: drei freie Tage in München. Im, aber ohne Sommer
Moose und Mosern
Da atmen die keuchenden Bäume den Staub
Den der sonnendurchdrungene Boden nicht hält
Es senkt sich verzagend vom Zweige das Laub
Dem gilbenden Grase als Frage gestellt:
„Weißt du, ob des Regens belebender Guss
Ist schon auf dem Wege zu uns? Denn sonst muss
Das vom Frühling Erworbene wieder verderben
Und noch als Gedeihendes frühzeitig sterben!“
Da, wie auf ein Zeichen, verfinstern sich Wolken
Werd’n Wasser auf Wasser aus Watte gemolken
Den Pflanzen ist’s fraglos erlösender Segen
Nur ich moser‘ böse: „Den ganzen Tag Regen!“
Es war da so eine Ahnung, als wenn sich das gute Wetter immer verkrümelt, sobald ich wieder in München ankomme. Heute sieht das anders aus. Aber der Eindruck bleibt – in Form eines Gedichts:
Hoch & Wasser
Die Gewässer sind mit allen Wassern gewaschen
Und Nässe lässt sich von der Nasenspitz naschen
Die Spatzen sind’s satt, durch die Stadt zu spazier’n
Weil Platzregen ratzefatz das hinfort spülen
Was sich bereits regte an Sommergefühlen
Nun trommeln die Tropfen aufs hoffende Hirn
Wettertragödien, vermieste Feste. Aber das kann auch vielleicht das Beste sein, was passieren konnte.
Feste, die ins Wasser fallen
All den Festen, die ins Wasser fallen
Bleibt die nicht widerlegte Verheißung erhalten
Sie wären die besten Feste von allen
Gewesen, sofern sie von weniger kalten
Regenfällen gesegnet gewesen …
Dies sind – wie gesagt – auch berechtigte Thesen
Denn schließlich war, wie jammerschade
Klar das Wetter ohne Gnade
So scheint manches Mal das gescholtene Wetter
Missratenen Festen willkommen als Retter