Sylter Sand / Die Leiche
Ob es an der Hitze lag
Oder an ’nem Blitzeinschlag?
Ich selber schwieg, als man mich fand
Tot ausgestreckt im Sylter Sand
Schon fast bedecktes Rieselziel
Ein vorbestimmtes Strandfossil
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Sylter Sand / Die Leiche
Ob es an der Hitze lag
Oder an ’nem Blitzeinschlag?
Ich selber schwieg, als man mich fand
Tot ausgestreckt im Sylter Sand
Schon fast bedecktes Rieselziel
Ein vorbestimmtes Strandfossil

Am Strand
Ich konjugiere die Vergangenheitsform von Effektivität
Und verfehle dabei noch die Unternorm – von morgens früh bis spät
Im Korridor meines Elans herrscht der Strand, ganz tief gedrückt ans Meer
Wo die Kühle des stiebenden Salzdunsts entspannt – mit Füßen, sandstapfschwer
Wenn du in den Kern meiner Langsamkeit dringst, der sich nur selbst umgarnt
Mag sein, dass du gleichtief und tiefer noch sinkst – nun gut, du bist gewarnt!
Der beglückende Schimmer benässter Haut wird eins mit ihrem Glanz
Vor der noch die windigste Brise abflaut ob solcher Eleganz
Silhouettenbeglättend versiegt die Zeit ins tiefgedrückte Meer
Vor dem Idyllen-Kokon der Einsamkeit entseufzt sich Gegenwehr
Ich konjugiere die Gerundiumsform von Attraktivität
Aus der sonnenbetankt sich der Rest an Strom ganz ohne Puls entlädt

Der Rückflug von Helgoland. Mit vier Passagieren, in einem sehr kleinen Flugzeug. Dafür konnte man zu beiden Seiten aus dem Fenster schauen.
Helgoland
Roher roter Klecks im Meer
Als angenagter Sehnsuchtsort
Es windet sich die Welt hier her
Der Golfstrom treibt sie wieder fort
Es ragt der Punkt aus zähem Sein
Sich zu ’ner Symphonie Gestein
Da zehrt zwei Stunden rund der Weg
Vom Lande- bis zum Abdock-Steg

Am Lummenfelsen
Ein Klippengrat als Landebahn
Für flatterhafte Gleitartisten
Sie tauchen mit ’nem Affenzahn
In Abgründe, die sie benisten
Ihr präzisionsgeschliffner Blick
Zwinkert souveränst grazil:
„Und schau mal jetzt: Ich schwebe!“ – schick!
Wir selbst belämmern unsern Stil
Als ’ne klobige Masse, in den Ketten der Zeit
Lässt uns jeder König der Lüfte verstummen
Doch nicht unsre Demut – es taufte der Neid
Sie Basstölpel und Trottellummen

Anlässlich des 175sten Geburtstags des Liedtextes – entstanden auf Helgoland – habe ich alle Worte der für die Deutschlandhymne gestrichenen ersten zwei Strophen neu arrangiert. Wurden schließlich auch bezahlt und sollten nicht unnütz verkümmern.
Lied der Deutschen, Strophe 1-2, re-arranged
1) Der treue Deutsche hält die Maas von Wein – und be(l)lt:
Unser Frauen sollen stets ihren Alten begeistern – über den schönen Biss!
Von Deutscher an Deutsche zum Deutscher über Deutsche
Deutscher in Deutsche!
Lang‘ alles an, alles – bis der Frauen Memel übertrutze!
Und es zusammen KlangSangSang …
2) Alles wein‘: „Der Leben behalten!“
Uns brüderlich: „In Deutschland!“ – edler Tat!
Und alles Welt in Deutschland …
Der Treue über – deutscher Schutz!
Wenn der ganzes Welt Deutschland:
Deutschland zu – Etsch, Welt!

Aufziehende Gewitter.
Talkessel
Das von Bergkettenbändern gebändigte Land
Hechelt am Knebel der glänzenden Seen
Und ständig fließt irgendwas über den Rand
Und Ängstlichkeit reift längst zum bangen Versteh’n:
„Vorm Deifi sind wir hier im Tal niemals sicher!“
Und höhnisch erklingt auf den Höh’n ein Gekicher
Rauscht eisekalt brausend als Windstoß hinab!
Vom See schweigt Kühle wie ein Grab
Es fröstelt tief in allen Seelen
Die hier fromm ihr Leben fristen
Und oft sich mit der Frage quälen:
„Weshalb kommen die Touristen?“

Ein Gedicht zu einem der vom Aussterben bedrohten Worte.
Die Grisette
Der Hausmeister grüßt dich oft offensiv freundlich
Die Zugehfrau mustert dich weniger nett
Die komplette Studentenschaft würde nicht scheu’n, dich
Zum Tanz zu geleiten – doch leider, Grisette
Bleibst du heute Nacht wohl allein auf dem Zimmer
Dessen Miete du selbst begleichst, monatlich, immer!
Wer könnte von all den dich scheltenden Damen
Behaupten, für ihr Leben selbst zu bezahlen?
Es nährt sich ihr Stolz an des Ehemanns Samen!
So soll’n sie mit schäumenden Leumunde prahlen
Und sich drei Moralstufen höher einrichten –
Über keine von den’n würd‘ ich je ein Wort dichten!
Doch man lädt mich jetzt oft zu Gesellschaften ein
Die sind sich für deine Gesellschaft zu fein …
Dass niemand mehr bleibt, um mit dir heut zu tanzen
Erfüllt dich mit Wehmut im Großen und Ganzen
Doch kennst ja die Maschen von jederMann:
Sie schell’n gleich morgen wieder an!
Drum gräm dich nicht weiter und leg dich ins Bett –
Denn das gehört dir ganz alleine, Grisette!

Schlechtwetterblues im Englischen Garten.
Der Messias
Es runzeln die bewölkten Tage
Mit altersschwachem Esprit in die Welt …
Erfreu uns am Tran dieser gräulichen Lage
Inszenier dich in Dunstschwaden, strahlender Held!
Denn wie fahl und apathisch, wie schleierumgarnt
Die Himmelslast nieder wälzt – jeder hier ahnt:
Auch größere Düsternis ist schon verflogen!
Falls nicht, ward man doch mit Behagen betrogen
Ripostegedicht auf Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer.
Der römischere Brunnen
Es prasselt, es pläddert und plätschert und spritzt
Und sammelt sich erst auf der untersten Stufe
Sind Stile der Wasser kreativ bis gewitzt
Sprudelt es über und drüber! Ich rufe:
Ey, kennt keiner den Herrn Meyer mehr?!
Den Becken-Eins-bis-Drei-Verkehr?
Was soll sich hier an Sinn entfalten
Wenn keine Wasser innehalten
Und nicht ihr Fluss zur kurzen Rast
Von Marmorschalen wird gefasst?
Wenn alles nur strömt und gar nichts mehr ruht
Ist das für das Image des Brunnens nicht gut!
Dies hat sich seit Jahr’n als Metapher bewährt …
Wie schon der Herr Meyer höchst trefflich erklärt

Das Dutzend ist voll: zwölfte Berlin-Reise in diesem Jahr.
Berlin ist das
Berlin ist Spatz
Blaue Baugrubenröhren (oder in rosa)
Ist „Gab mal viel Platz …“
Und gluckst: „Nachtruhe stören!“ (als Allzweckbühne für die Poser)
Ist seit Jahr’n auf der Kippe
Und immer noch Punk
Historiengerippe
Seziert für das Hippe
Riskiert als Xanthippe die ganz dicke Lippe
Mit stets einer Brise Kloakengestank
Wenn du willst, stillst du hier noch den irrigsten Durst
Wenn du still bist, ist vieles ein Irrtum und Wurst
– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)
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