Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Rotbauchlemur & das dreihundertzweiunddreißigste Gedicht

    Rotbauchlemur

    Nach der recht umfangreichen Lemurengedichte-Serie in „Mehr Kacheln!“ bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge eins von vier. Es folgen noch drei weitere Gedichte und Fotos u.a. vom Aye-Aye.

    Rotbauchlemur

    Von roter Farbe ist dein Bauch
    Ich würde sagen: Sicher – auch!
    Ist doch dein Fell, noch ungegerbt
    Ganz regelmäßig eingefärbt

    Warum stürzt sich die Namenswelt
    So auf dein Bäuchlein, rot befellt?
    Das wollig, pummlig aufgebauscht
    Leicht angekräuselt unterflauscht
    Im Weichsein vielleicht unbeschreiblich
    Doch gleich verteilt am Körper, mein‘ ich

    Nun mussten die Namensvergeber wie -innen
    Ja irgendwo mit dem Benennen beginnen
    So benannten sie vorerst dich nach deinem Bauch
    Dahinter (in Klammern) steht unsichtbar „auch!“


  • Abu Dhabi VII & das dreihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Abu Dhabi Silhouette

    Dattelglück

    Es schmeckt la Dattel d’Abu Dhabi
    So nach „ja, hier komm ich her!“
    Nach orientalischst und arabi-
    Chst und Schleck und „köstlich, mehr!“
    Bergamott‘ winkt, Kardamom
    Sandsturm, Temp’raturphantom
    Affenglut bis Abendbrise
    Scheichgewand und Ölpreiskrise
    Nach Verheißung, Adlerholz
    Oryx, Souqs und Sultanstolz

    Wie ein Harz aus dem Herzen der Wüste geronnen
    Wie von Myrrhe beraucht, für den Gaumen erwählt
    So haben wohl schon tausend Nächte begonnen

    Die eine mehr braucht’s, die dir alles erzählt


  • Sylter Sand & das dreihundertzwanzigste Gedicht

    Dünenwanderweg Sylt

    Sylter Sand / Die Leiche

    Ob es an der Hitze lag
    Oder an ’nem Blitzeinschlag?

    Ich selber schwieg, als man mich fand
    Tot ausgestreckt im Sylter Sand

    Schon fast bedecktes Rieselziel
    Ein vorbestimmtes Strandfossil


  • Strandcruising & das dreihundertneunzehnte Gedicht

    Sylt Strand bei Kampen

    Am Strand

    Ich konjugiere die Vergangenheitsform von Effektivität
    Und verfehle dabei noch die Unternorm – von morgens früh bis spät

    Im Korridor meines Elans herrscht der Strand, ganz tief gedrückt ans Meer
    Wo die Kühle des stiebenden Salzdunsts entspannt – mit Füßen, sandstapfschwer

    Wenn du in den Kern meiner Langsamkeit dringst, der sich nur selbst umgarnt
    Mag sein, dass du gleichtief und tiefer noch sinkst – nun gut, du bist gewarnt!

    Der beglückende Schimmer benässter Haut wird eins mit ihrem Glanz
    Vor der noch die windigste Brise abflaut ob solcher Eleganz

    Silhouettenbeglättend versiegt die Zeit ins tiefgedrückte Meer
    Vor dem Idyllen-Kokon der Einsamkeit entseufzt sich Gegenwehr

    Ich konjugiere die Gerundiumsform von Attraktivität
    Aus der sonnenbetankt sich der Rest an Strom ganz ohne Puls entlädt


  • Helgoluft & das dreihundertsiebzehnte Gedicht

    Nordseeküste von oben

    Der Rückflug von Helgoland. Mit vier Passagieren, in einem sehr kleinen Flugzeug. Dafür konnte man zu beiden Seiten aus dem Fenster schauen.

    Helgoland

    Roher roter Klecks im Meer
    Als angenagter Sehnsuchtsort
    Es windet sich die Welt hier her
    Der Golfstrom treibt sie wieder fort

    Es ragt der Punkt aus zähem Sein
    Sich zu ’ner Symphonie Gestein
    Da zehrt zwei Stunden rund der Weg
    Vom Lande- bis zum Abdock-Steg


  • Lummenfelsen & das dreihundertsechzehnte Gedicht

    Lummenfelsen

    Am Lummenfelsen

    Ein Klippengrat als Landebahn
    Für flatterhafte Gleitartisten

    Sie tauchen mit ’nem Affenzahn
    In Abgründe, die sie benisten

    Ihr präzisionsgeschliffner Blick
    Zwinkert souveränst grazil:

    „Und schau mal jetzt: Ich schwebe!“ – schick!
    Wir selbst belämmern unsern Stil

    Als ’ne klobige Masse, in den Ketten der Zeit
    Lässt uns jeder König der Lüfte verstummen

    Doch nicht unsre Demut – es taufte der Neid
    Sie Basstölpel und Trottellummen


  • Das Lied der Deutschen & das dreihundertfünfzehnte Gedicht

    Lange Anna Helgoland

    Anlässlich des 175sten Geburtstags des Liedtextes – entstanden auf Helgoland – habe ich alle Worte der für die Deutschlandhymne gestrichenen ersten zwei Strophen neu arrangiert. Wurden schließlich auch bezahlt und sollten nicht unnütz verkümmern.

    Lied der Deutschen, Strophe 1-2, re-arranged

    1) Der treue Deutsche hält die Maas von Wein – und be(l)lt:
    Unser Frauen sollen stets ihren Alten begeistern – über den schönen Biss!
    Von Deutscher an Deutsche zum Deutscher über Deutsche
    Deutscher in Deutsche!
    Lang‘ alles an, alles – bis der Frauen Memel übertrutze!
    Und es zusammen KlangSangSang …

    2) Alles wein‘: „Der Leben behalten!“
    Uns brüderlich: „In Deutschland!“ – edler Tat!
    Und alles Welt in Deutschland …
    Der Treue über – deutscher Schutz!
    Wenn der ganzes Welt Deutschland:
    Deutschland zu – Etsch, Welt!


  • Sommerfrischen & das dreihundertundelfte Gedicht

    Tegernsee

    Aufziehende Gewitter.

    Talkessel

    Das von Bergkettenbändern gebändigte Land
    Hechelt am Knebel der glänzenden Seen
    Und ständig fließt irgendwas über den Rand
    Und Ängstlichkeit reift längst zum bangen Versteh’n:
    „Vorm Deifi sind wir hier im Tal niemals sicher!“
    Und höhnisch erklingt auf den Höh’n ein Gekicher
    Rauscht eisekalt brausend als Windstoß hinab!

    Vom See schweigt Kühle wie ein Grab

    Es fröstelt tief in allen Seelen
    Die hier fromm ihr Leben fristen
    Und oft sich mit der Frage quälen:
    „Weshalb kommen die Touristen?“


  • Isarschilf & das dreihundertundsiebte Gedicht

    Isarschilf

    Ein Gedicht zu einem der vom Aussterben bedrohten Worte.

    Die Grisette

    Der Hausmeister grüßt dich oft offensiv freundlich
    Die Zugehfrau mustert dich weniger nett
    Die komplette Studentenschaft würde nicht scheu’n, dich
    Zum Tanz zu geleiten – doch leider, Grisette
    Bleibst du heute Nacht wohl allein auf dem Zimmer
    Dessen Miete du selbst begleichst, monatlich, immer!
    Wer könnte von all den dich scheltenden Damen
    Behaupten, für ihr Leben selbst zu bezahlen?
    Es nährt sich ihr Stolz an des Ehemanns Samen!
    So soll’n sie mit schäumenden Leumunde prahlen
    Und sich drei Moralstufen höher einrichten –
    Über keine von den’n würd‘ ich je ein Wort dichten!

    Doch man lädt mich jetzt oft zu Gesellschaften ein
    Die sind sich für deine Gesellschaft zu fein …

    Dass niemand mehr bleibt, um mit dir heut zu tanzen
    Erfüllt dich mit Wehmut im Großen und Ganzen
    Doch kennst ja die Maschen von jederMann:
    Sie schell’n gleich morgen wieder an!

    Drum gräm dich nicht weiter und leg dich ins Bett –
    Denn das gehört dir ganz alleine, Grisette!


  • Englischer Garten & das dreihundertundfünfte Gedicht

    Englischer Garten

    Schlechtwetterblues im Englischen Garten.

    Der Messias

    Es runzeln die bewölkten Tage
    Mit altersschwachem Esprit in die Welt …
    Erfreu uns am Tran dieser gräulichen Lage
    Inszenier dich in Dunstschwaden, strahlender Held!

    Denn wie fahl und apathisch, wie schleierumgarnt
    Die Himmelslast nieder wälzt – jeder hier ahnt:
    Auch größere Düsternis ist schon verflogen!

    Falls nicht, ward man doch mit Behagen betrogen


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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