Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Wiesellemur & das dreihundertneunundfünfzigste Gedicht

    Wiesellemur

    Und in der letzten Madagaskar-Woche tauchte dann doch noch ein zusätzlicher, noch nicht von einem Gedicht bedachter Lemur vor meiner Kamera auf. Auf welche Weise, erklärt sein Ged/sicht.

    Der Wiesellemur (Englisch: sportive lemur)

    Nur der drolligen Pupillen wegen
    Sollt‘ man nicht den Willen hegen
    Den Schlafkloß aus dem Astlochschacht
    Hinauszustoßen – gleichwie sacht!

    Ach, achteten wir den nachtaktiven
    Tagesablauf des sportiven
    Wiewohl meist ruhenden Wiesellemuren
    Würden wir ihn kaum auf unseren Touren
    Egoman entzückungssüchtig
    Einmal kurz, beglückt und flüchtig
    Aus dem Schlaf ins Helle stupsen
    Dann in unsren Fokus schupsen

    Sein Blick irrt halbgar: „Was’n los?!“
    Mit Augen, die gar doppelt groß

    Da gluckst die Hingerissenheit
    Ob solch massiver Niedlichkeit

    Werter Wiesellemur, verzeih’n Sie die Störung
    Die Ihnen laut Murren nur wenig gefällt
    Doch dient dieses Opfer durch Optik-Betörung
    Versöhnlichst dem inneren Frieden der Welt!


  • La Digue & das dreihundertsechsundfünfzigste Gedicht

    La Digue, Uferstraße

    Wenig originell, aber ein verlässlicher Quell sprudelnden Glücksgefühls: Fahrradtouren auf La Digue.

    Gott ist ein Fahrrad

    Ich schiebe per Pedale die ruhigste Kugel
    Die sich irgendein Gott für das Erdreich ersann
    Ich gelobe dem ewigen Offline und google
    Mir Videos, Stichwort: „sehr glücklicher Mann“

    Wo Flughunde die Lüfte cruisen
    Und Üppigkeit und Sanftheit schmusen
    Wo jede Blüte Farbe singt
    Von jedem Ast ein Vogel winkt

    Jede nächste Kurve, die ich mir ertrete
    Beschert eine weitere Fototapete
    Vom Schattenspiel des Walds erfrischt
    Zwei Meter später: Meeresgischt

    Wirklich alle Elysien der Weltreligionen
    Kacken kraftlos und sämig gegen diesen Ort ab
    Wie sollte sich da all die Fügsamkeit lohnen
    Wo ich schon viel Schön’res durchs Flugticket hab?

    Ach, Seligkeit des Hedonismus
    Bleib du Begleiter meiner Fahrt
    Und lass dereinst mich ewig strampeln
    Rund um La Digue, mit einem Rad!


  • Seychellen & das dreihundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Seychellen Kolibri

    Nichts beeindruckender denn das allmorgendliche Vogelgesinge auf Mahe und Kolibri-Gehoole auf La Digue.

    Im Gezwitscher

    Das ist wohl das dichteste Piepsgewühl
    Kaum hört man sich grad einen Meter voran
    Trifft man auf ’ne Hecke aus Tirillilil
    Lauscht man drüber, schlägt irgendein Schnatterhahn an

    Es gurrt selbst zwischen den Ohrenzehen
    Da pfeift wer versöhnlich ein schnäbliges Lied
    Man verlegt seine Marschroute besser aufs Sehen …!

    Sieht: Jede Verzweigung ist Vogelgebiet


  • Anse Intendance & das dreihundertvierundfünfzigste Gedicht

    Süd-Mahe

    Mit dem Seychie-ÖPNV Richtung Anse Intendance und Anse Takamaka.

    50 Shades of Green

    Nach Takamaka mit dem Tata
    Vollgepacktes Brummgeratter
    Anse an Anse ans andre Ende
    Pflanzenparadiesgelände
    Gleißend grüßt türkis das Meer …

    Doch überwiegt das Grün so sehr
    In Üppigkeit und Wachtumsdrang
    Dass mir bei seinem Anblick bang
    Ist, ob man da sogar als Mann
    Vom Hinseh’n schwanger werden kann


  • Krokodil & das dreihundertneunundvierzigste Gedicht

    Krokodil Madagaskar auf dem Tsiribihina.

    Wir hatten die Garantie, dass diese Tiere unser Zelt am Flussufer nicht angreifen würden, weil sie viel zu viel Angst hätten. Wir haben das mal geglaubt. Es hätte eh nicht ins Zelt gepasst.

    Das Krokodil

    Das Krokodil liegt einfach da
    Die Schreckensschnauze auf halb acht
    So ruht mit ihm auch die Gefahr
    Die uns so sorgsam beigebracht

    Was grad aber nun unsere Neugierde weckt
    An dem Monstrum, das so sanft hier niedergestreckt
    Und blass einlädt zur näheren Inspektion
    Und zum Test, ob allmählich sich langsam nicht schon
    Erübrigt der vordem verbreitete Schrecken
    Doch abermals gibt’s für uns nur zu entdecken:
    Von Schnellkraft und Bisswut und Grauen ermächtigt
    War’n all jene Warnungen durchaus berechtigt!

    Das Krokodil liegt einfach da
    Und in ihm drin – ein weit’rer Narr


  • Lakana Be III & das dreihundertdreiundvierzigste Gedicht

    Tsiribihina River Sonnenuntergang

    Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina. Zum Abschluss wurden wir gebeten, eine Rede auf die Fahrt und das Zusammenleben mit der achtköpfigen Bootsmannschaft zu schreiben. Natürlich musste das ein Gedicht werden, was mi glucksender Überraschung aufgenommen wurde.

    Two and a half day on da Lakana Be

    Two and a half day
    On da Lakana Be
    There are people hard working – their number is: eight
    And there’s two on the top – who are just gaining some weight

    The water’s so shallow – and it’s not getting better
    If the tourists on board become fatter and fatter
    But the cooks both made really excellent jobs
    And their singing and dancing was Top of the Pops
    And so was the work of the rest of the crew
    While we just lay down and had nothing to do

    The captain did slalom and some marvellous u-turns
    And we just laid down and were getting some sunburns
    And tried hard to keep all the memories in our head
    While the whole crew was eager to rescue a hat
    Jonny explained us nearly whole Madagascar
    And in the distribution of pencils – he’s really a master
    And there’s so much to mention that you did for us:
    Building up tents, collect wood, play guitars
    So it feels like a week what was twoanhalfday
    That we were your guests on the Lakana Be

    We’ll keep this in mind and especially
    When we are back in Germany
    Back in our jobs and in cold winter’s shiver
    We’ll remember the lazy days on Tsiribihina river
    Thank you so much
    For giving us such
    A great time: twoanhalfday
    On the Lakana Be


  • Mohrenlemur & das dreihundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Weiblicher Mohrenlemur

    Nach der gut gefüllten Lemurengedichte-Serie in „Mehr Kacheln!“ bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge drei von vier. Der Mohrenlemurmann ist eigentlich schwarz – hier abgebildet ist ein Weibchen.

    Mohrenlemur (oder Schwarzer Lemur)

    Ja, du bist der schwärzeste von allen
    Mit dem härtesten, welligsten Herz aller Welten
    Dein Fell lässt die Strahlen der Sonne verhallen
    Und vergessen, dass sie auch nur etwas erhellten

    Es dient dessen Schwärze dem Gelb deiner Augen
    Die schwefelgelbwild alles Leuchten einsaugen
    Laut Grundlektion der Metaphorik
    Ein Farbsignal von Diabolik
    So zähltest du im Furchteinflößen
    An anderen Orten zu den Größen
    Doch da rangiert doch weit vor dir
    In Hiesigkeit das Fingertier

    Dein Weibchen hat das längst erkannt
    Geht nicht mehr einher mit dem Farb-Nein des Mohren
    Haselnussbraun schmückt ihr Damengewand
    Sie krönt gar mit Weißheit den Pelz ihrer Ohren

    Dein Schwarz schaut fast noch böser drein
    Wo andre sich graziös befrei’n!


  • Palmarium & das dreihundertfünfunddreißigste Gedicht

    Coquerel-Sifaka

    Ein Koalagedicht. Der erwähnte Baum ist lediglich eine madagassische Unterart des Eukalyptus, der eben die erwähnte papierne Rinde aufweist. Der abgebildete Koala ist ebenfalls endemisch und heißt Coquerel-Sifaka (über den es aber schon in „Mehr Kacheln!“ ein entsprechendes Gedicht gibt). Er ist der letzte Überlebende einer Sifaka-Familie, die es auf der Palmarium-Insel nicht geschafft hat.

    Beweggrund für ein Koalagedicht

    Wär ich Bär, oha, ich wär
    Gerne ein Koalabär
    Denkt’s mich unterm Eukalyptus
    Aufgehängt im Rebootrhythmus
    Längst vom scharfen Saft belämmert
    Dessen Vorschlagskraft jetzt hämmert:
    Es kann doch nichts okayeres geben
    Als so ein Koalaleben!

    Und des Baums beleb’nder Duft
    Nebelt in die steh’nde Luft
    Und will mich mit Menthol betören
    Dass ich mich im Hirne winde:
    „Könnt‘ ich doch hierhin gehören!“
    Kraxelnd an papierner Rinde …

    So atemfrisch ist ungefähr
    Das Leben vom Koalabär
    So dacht es mich dereinst am Strand
    In einem fern geleg’nen Land …

    Letztlich blieb doch einfach alles beim Alten
    Ich wollt nur den Duft in Erinn’rung behalten


  • Offroad light & das dreihundertvierunddreißigste Gedicht

    Chamäleon

    Kurze Lemurenpause. Mit einem Vertreter der großen anderen Tiergruppe der Insel. Und einem Text zu einer gewohnten Situation: durch ein fremdes Land brettern zu Songs weit hinterm Verfallsdatum. Funktioniert sogar mit Ace of Base.

    Secondary Road

    Nie haben UB40 sich besser in die Landschaft geschmiegt
    Als im stiebend verwehenden Pistenstaub
    Red Red Wine, der in Schlaglöchern taktvoll versiegt
    Und wir ruckeln mit ihm, gesäßmuskeltaub

    Selbst Shakira ist ganz Mama Africa
    Und plädiert für ein ewiges 2010
    Wir pflügen mit ihr durch die Zebu-Schar
    Bitten hupend Geflügel zu Seite zu geh’n

    Wir sind vom Grounddreck fast erfasst
    Beseelt, wie gut der Soundtrack passt


  • Kronenlemur & das dreihundertdreiunddreißigste Gedicht

    Kronenlemur followed by dunkelfellige Kreuzung zwischen Mohren- und Kronenlemur.

    Nach der gut gefüllten Lemurengedichte-Serie in „Mehr Kacheln!“ bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge zwei von vier. Es folgen noch zwei Gedichte und Fotos u.a. vom Aye-Aye.

    Kronenlemur

    Das sind bloß zwei Flecken und gar keine Krone
    Du wähnst dich mit Herrschaftsbereich, doch bist ohne

    Obgleich auch dein Selbstbild nicht wirklich benagt
    Dass mancher der andren dich weit überragt
    Denn du bist der Lemur mit den zwei braunen Flecken
    Die höchst majestätisch die Stirne bedecken

    Die hat man eh’r schmeichelnd einst Krone genannt
    Das hab’n nur die and’ren noch nicht recht erkannt
    So dass du klammheimlich ihr Zweifeln bekicherst
    Indem du dir chefliche Anteile sicherst
    Bevor auch die tumbsten Lemuren entdecken:

    Der trägt keine Krone – das sind nur zwei Flecken!


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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