Zwischenstopp Berlin. Zur besten Feldlerchenbrutzeit.
Die Brüten
Die Feldlerche knöttert gelinde umgrast
Und trittgeschützt vom Flatterband
Das knatternd stramm im Winde rast:
„Ab hier ist Lerchenpärchenland!“
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte, in denen Tiere die Hauptpersonen sind.

Zwischenstopp Berlin. Zur besten Feldlerchenbrutzeit.
Die Brüten
Die Feldlerche knöttert gelinde umgrast
Und trittgeschützt vom Flatterband
Das knatternd stramm im Winde rast:
„Ab hier ist Lerchenpärchenland!“

Und nach drei Tagen hieß es dann auch Abschied von Sardinien. Mit einer Zugfahrt quer über die Insel und Schafen, Schafen, Schafen.
Den Herden auf Erden
Ich würde ja gern Individuen erkennen
Und Schaf für Schaf nach seinem Namen benennen
Das Leben durch des Schäfers Brille
Doch wenn was wack ist, ist’s ein Wille
Man muss so Sachen
Einfach machen
Der zweite Tag in Finnland ist recht grau. So grau, dass sich auch die Bäume auf Schwarz-Weiß beschränken
Die Birken
Als der Leopard ums Zebra
Zärtlich seine Arme warf
War den Amourierten eh klar
Dass man derlei gar nicht darf
Doch Leo sagt Zebi – den Huf in der Pfote:
Ein Zweig wahrer Liebe entmachtet Verbote!
Seitdem wächst für der beiden Traum
Sogar auf kargem Grund ein Baum
Die Fellmuster beider Tiere vereinend
Die Grenze zu dem, was nicht sein kann, verneinend
Singet nun ein Lob den Birken
Und sagt’s auch den andern Tierken!
Ein Gedicht zur Rehabilitation der Taube.
Die Tauben und wir
Was hat dich die Taube zu hassen gelernt
Dein Schnurren so krass weit vom Gurren entfernt?
Wann störte uns jemals die ungalante
Trippelpickend dicke Tante
Dass man diesen Vogel so kregel unliked
Und nur noch Ekel in uns aufsteigt
Wenn der ungeschickt Flatternde knapp uns verfehlt
Aus dem Garten der Grazie die Unformen wählt?
So erscheint uns ihr Flug nie ganz Vogel genug
Übt die Taube am Zauber des Fliegens Betrug
Ist mehr hektischer Zweck denn ein lautloses Schweben
Ihr geht’s nicht um Freiheit, sie will überleben
Sie ziert sich nicht, in unsrer Nähe zu nisten
In Dreck und in Unrat ihr Dasein zu fristen
Nun, wenn der Mensch ein Vogel wär‘
Käm‘ er dieser Spezies vor anderen näh’r
Uns schmeichelte fraglos das Grau der Taube
Das suchende Huschen und Kreuchen im Staube
Auch in puncto Plumpheit gäb’s null Differenzen
Nur am Hals würden wir dann wohl nicht so schön glänzen
Eine Stütze im vollends verslammten Terminkalender: Die Stützen der Geselllschaft.
Das Schützen der Gazellen
Die Stützen der Gesellschaft
Sie schelten den Geparden
Er nutze seine Schnellkraft
Zu der Gazellschafts Schaden

Stadt vs. Jahreszeit Crossover.
Kobenlenz
Wenn’s Lenz wird und im Schweinekoben
Frisch abgenabelt Ferkel toben
Weil, immer wenn sich’s Leben mehrt
Der Start gelingt ganz unbeschwert
Da ringelschwänzt die Leichtigkeit
Wo ich als Bauer ein nich‘ schreit‘
Ich weiß ja, wie die Aktien steh’n
Die bald haarlos überm Rost sich dreh’n
Doch für diesen Moment
Und zu hundert Prozent
Besinn‘ ich mich innig, all dieses zu loben
Das Leben, die Ferkel, den Lenz und den Koben

Nicht wirklich notwendig, den Bodensee zu überqueren, um nach Olten zu gelangen. Aber wirklich schön.
Was zu tun ist
Wenn der Horizont leer ist
Nur Himmel und Meer ist
So lang mög’n die Möwen den Ausguck besetzen
Sobald Silhouetten
Den Ausblick einfetten
Werd‘ ich jene Vögel – sacht – tödlich verletzen

Schlüsselblume Niederhone. Hier war ich schon zu Gast beim ersten Poetry Slam, als die alte Metzgerei samt Gasthaus gerade frisch bezogen und alle Räume noch mit Retro-Trends setzenden Altlasten gefüllt waren. Zeugnis einer vergangenen Ära, die auch ihre Träume hatte.
Das Zicklein
Komm schnell aus dem Kasten der Standuhr hervor!
Das Schicksal wird sich noch nicht heute entscheiden
Zum Nachtisch entspannt sich der Konquistador
Leichte Brisen berieseln die Knospen der Weiden
Diese Stille ist trüglich
Drum Kindchen vergnüg dich
So lang noch der Schatten dem Tageslicht weicht
Denn Später ist später
Und das Glück ein Verräter
Dessen seltsame Sippe den Dachsbau umschleicht
Was heute selbstverständlich ist
Verleugnet, dass es endlich ist
Ein Stier hat die Tür unsrer Standuhr verriegelt
Im Korridor steh’n lehmverkrustete Schuhe
Ein Glockenschlag später ist alles besiegelt
Und über den Wipfeln der Bäume herrscht Ruhe

Ja, kein Kommentar. Manche Dinge müssen geschrieben werden. Da ist das Foto Vater des Gedichts.
Gondola für Gundula (oder so ähnlich)
Bin Gondel gefahren – schon in Venedig
In Seilbahngondeln hing in Höh’n ich
Und gondelte im Riesenrad
Ein Gondel ist’s, den ich dir brat‘
Ach Quatsch, nee – Gockel hieß das Tier
Ja, Gundula, den brat‘ ich dir!
In der Schweiz können sich auch die autonomen Zentren des liebreizenden Gesamteindrucks nicht erwehren … Bern war 2002 meine National-Slam-Wiege – als Starter für den Molotow-Slam HH. Gestern durfte ich dort fulminant Slam-Abschied feiern. Obschon ja so ein Featured Poet-Slot eben genau das ist, was ich auch 2017 noch gerne übernehmen werde.
Das A und Ä der Bären
Man sagt zwar, dass in Bern Bär’n
Schon ob des Namens gern wär’n
Doch klagte mir ’ne Brummbraut
Karg wär’s hier ohne Umlaut
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