Bologna
Wo so viel Altes türmt und arkt,
Bleibt Gegenwart nur Gast,
Der sich flanierend unterhakt
Und nachgerad‘ verblasst
In nachtgeneigte Gassen rie-
Selt Ausgelassenheit.
Schon schluckt die schwere Nostalgie
Dies kleine Etwas Zeit.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte, in denen Gebäude und Bauwerke oder städtische Areale die Hauptrolle spielen.

Bologna
Wo so viel Altes türmt und arkt,
Bleibt Gegenwart nur Gast,
Der sich flanierend unterhakt
Und nachgerad‘ verblasst
In nachtgeneigte Gassen rie-
Selt Ausgelassenheit.
Schon schluckt die schwere Nostalgie
Dies kleine Etwas Zeit.

Dorfstraßen
Und doch können solch Dorfstraßen todbringend sein,
Man möchte es gar nicht vermuten.
Kaum lullt dich der Leerstand der Läden hier ein,
Schon musst du in einer Tour bluten.
Wer wäre da nicht unentwegt schwer gefährdet?
Doch du willst Gelassenheit strahlen!
Vielleicht hat dich grad eine Ahnung geerdet.
Ein Irgendwer muss heute zahlen.

Pista und Patzer
Pizzaboten liefern halt
Nicht in dichten Kiefernwald,
Lassen lieber ihre Pfoten
Von dem Platz, wo Kitze koten,
Die von roten Rickenzitzen
Gierig Rohmilch-Shots stibitzen.
Die Pizzaboten liefern stattdessen
Lieber in Städte die Delikatessen,
Wo bekiffte Showbiz-Spitzen
Schon als Kids sich Botox spritzen –
Zotenreich und witzig motzend
Vor die City-Bauten kotzend –
Wohlumworben von devoten
Pizzabotenidioten.
Waldbewohner wie -besitzer
Warten wie gewohnt auf Pizza.
Deren Boten liefern halt
Nicht in dichten Kiefernwald.

Die Ruhe an ruhigen Orten
Völlig unverdient sonnt der Verkehr sich in Sanftheit,
Wenn sein Lärm sich einwellig im Strandkies verliert.
Hier, wo Lautlosigkeit alles Abendlicht anschreit,
Weil sich zweihellig festigt, dass nichts mehr passiert.
Die Allmacht der Stille als handwarmer Schoß
Schließt den Sicherheitsbügel der Sorglosigkeit.
Sie bezähmt die Erkenntnis, dieser Ort sei nicht groß,
Mit der Irrelevanz deiner Kleingeistigkeit.
Als wäre die Ruhe an ruhigen Orten
Der letztforsche Hauch einer fremden Essenz,
Der klärende Vers aus verschwundenen Worten,
Das fehlende Album verschollener Bands.
Der Verkehr mault sich kurzatmig wieder ins Gähnen,
Als hätt‘ sich ein Zähnchen im Zimmer geirrt.
Und der Salzrand von nicht mehr erinnerten Tränen
Ist das Siegel vom Wissen, dass nichts mehr passiert.

Enge
Überm Kerkerverkehr einer Schwabenhausstadt
Schwebt der Wunsch nach Schokolade.
Jemand furzt in die Häuserschlucht maultaschensatt,
Eine Fee flüstert resigniert: „Schade!“

Nächtliche Busfahrt zum Theater
Sternschnuppenhuschend verblitzen die Lichter
Auf beschlagnen Fensterscheiben
Das Vage in ihnen appelliert an die Dichter
Bei diesem Thema dran zu bleiben
Was wäre es, gäb es hier etwas zu sehen?
Was gäbe es, wär es für uns zu verstehen?
Gelbliches Weltlicht wirft mähliche Schatten,
Die vom Tage verblasst sich im Rinnstein begatten.
Die lernen noch die Dunkelheit,
Kleben uns an den Hacken wie fehlende Zeit.
Was würde es, könnt hier noch etwas entstehen?
Was könnte es, würd es nicht einfach vergehen?
Die Schaufenster strahlen wie Suchscheinwerfer
Über treues Kopfsteinpflaster.
Keine Frage in mir stellt mein Augenlicht schärfer,
Kein Vers ist ein zum Plan Gefasster.
Doch manches scheint im Werden.

Laiesein
Deine Architektur bremst mich aus zum Betrachter,
Einem mal dies und mal das, mal alles Missachter.
Wie ich mich auch bewege, scheint untalentiert –
Und ich habe, weiß Gott, ein paar Jahre trainiert!
Deine Architektur stempelt mich zum Verlierer,
Einem Über-Gebühr-in-der-Lobby-rum-Stierer.
Und mein Stil scheint alleine für mich nicht zu klein –
Nun, ich könnte wohl nirgends verlorener sein!
Deine Architektur drängt mich ständig zum Ausgang
Mit unverblümt säuselndem „Eindringling raus!“-Sang.
Doch ich habe – wohlwissend, dass es so nicht gedacht –
Mich sattsam in ihr breit gemacht!

Brücken bei Nacht
Es ist nicht zu erkennen,
Was wir grad überwinden,
Wo sich die Ufer trennen
Und wo wir uns befinden.
Wir sind im Darüberstrom kanalisiert,
Erhöht vom massiven Vertrauen.
So wundre dich nicht, dass dein Wunsch irritiert,
Mal einmal nach unten zu schauen …!

Weltwirtschaftsgipfel
Man rüstet sich zum Legoland,
Dem Fetisch der Fassaden.
Das Mägdlein wird vom Herd verbannt
Und man fleht um die eigene Gnade.

Vom Duften
Heiße Luft bläht die Blüten der Chipstütenrispen
Und die Tuk Tuks hupen wie Grillenkonzerte
Wie viel kann der Duft aus den Straßenbaumknospen
An Süße und Orient noch für Nüsse verschenken?
Als gelte sein Zauber alleine dem Strömen
Im Mantel verwandelter Mädchenbrustknospen
Feiert seinen Bestand als das bald schon Verzehrte:
Die Luft in den Blüten der Chipstütenrispen
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