Ripostegedicht auf das Liebe-Brauen-Blumen-Ghasel von Hafis
Ohne Titel
Mir wird so blumig
Wenn beharrlich
Deine Wimpern klimpern
In einem Bett aus Blütenblättern
Wär’s jetzt schön zu p….
Nein, also bitte, das sag ich jetzt nicht!
Wozu willst du mich denn da zwingen, Gedicht!?
Ich wollte mit Versen auf Daunenpantoffeln
Bloß morgentauzärtlich betropfen
Was von Blütenstaubstempeln zu Früchten gereift
Im Wunsch, meine Liebste zu st…
Ach, Mensch, dieses Reimen bringt mich noch in Verruf!
Aber das bin nicht ich, der solch Anstöße schuf!
Ich wollt‘ nur leis preisen
Die Brauen der Braut
Gleich dem Flockengewölk unterm stahlblauen Himmel
Und mit meines Schöpfers unendlicher Gnad
Frohlockt nun mein vorfreudigst bebender …
Ach, vollkommene Ruh – da ich neben dir döse
Benebelt vom rosigen Duft deiner …
Ich will Schwüre in Rinden
Von dir schwärmend ritzen
Und unentwegt mit Sper… spr… …
Warum nur trifft heut meine Reime
Die volle Wucht der Unzuchtkeime?!
Ich hatte ja wirklich nur Reinstes im Sinn!
Alleine der Reim trieb mich immer wo hin!
Nun füg dich meiner Absicht, du schlimmes Gedicht
Benimm dich gefälligst – sonst schreib ich dich nicht!
Vielleicht war’s eine Fischvergiftung, vielleicht war’s die Malaria
Vielleicht war’s auch ein Vogelzwitscher, der deiner Stimme ähnlich war
Doch in meinen Ohren warst’s zweifelsfrei du
Die sich da ereiferte, nachts ohne Ruh
Zu sein aus lauter leiser Liebe zu mir
Und mir ging’s gewöhnlich ganz ähnlich mit dir
Was ich dir auch in etwa zu sagen gewagt
Ermuntert durch das, was du scheinbar gesagt
Fragt heute jemand: „Und, ihr zwei?
War’s Liebe auf den ersten Blick?“
Wen schert’s, was es in Wahrheit war?
Der Grund erscheint doch einerlei
Denn vielleicht war’s nur ’ne Fischvergiftung, vielleicht war’s auch Malaria
Es ist und ist doch zweifelsklar mit dir hier vor dem Traualtar
Die höchste Form von Glück
Nun, da mich die Nadel sticht
Schießt vom Munde durchs Gesicht
Ein fast gepfiff’nes, schrilles „PFFFtt!“
Augenschlitzentzerrt zum „… hhhTTT!“
Der Faden gleitet ziepend hässlich
Kurz vorm Anschlag – megagrässlich!
Mein Flehen um Gnade starrt starr auf den Mann
„Noch drei kurze Stiche, dann ist’s überstan …!“
DNNNN!! Kerl, ich flieh‘ gleich vom Körper hinaus!
Ich schau nicht! Ich schau NICHT! Ach, so sieht das aus …?!
Dann tapfer den Tupfer wie Zärtlichkeit grüßen
Der Schmerz atmet durch gen Erholung auf süßen
Abschwellungsstadien durchschreitenden Wegen
Von den’n laue Brisen die Dornbüsche fegen …
Und süße Madames öffnen mählich die Läden
Ripostegedicht zu „Du bist ein Rätsel mir von fremder Art“ von Rose Ausländer
Die Auflösung
Nach fünf Minuten war dann ja
So zwischen uns schon alles klar
Wir wollten nicht den Kreis bemessen
Wir gingen gleich zum Eiskremessen
Und kurz darauf – auch gemeinsam ins Bett
Doch niemand seufzte: „Ach, wie nett …!“
Weil es gilt als Versprechen: Zur Liebe nur wird
Was sich auch gebührend verkomplifiziert!
Wir haben es schlichtweg zu simpel getrieben
Drum nannte man schlecht unsren Weg sich zu lieben
Schon ward uns genommen
Was kurz schien vollkommen
Und gab’s je was zurück? Ach, nein …
Man darf nicht einfach glücklich sein!
In den Vororten und zweite-Reihe-Hausreihen
Hockt die Folklorefreiheit Afrikas
Freundlich auf dickfleischigkrautigem Gras
Doch sie kann die Exotik nicht gänzlich entweihen
Immer schwänzt eine Palme, ein Dickicht
Das keiner Gartenwelt Halmung entspricht
Hier sind das Cruisen, die Bässe noch warm vom Versuch
Hier wird niemand die Scheinwerfer blenden
Ist das Eiland ein einig „Ich kenn’n den!“
Alle Globalisierung bleibt ein fremder Geruch
Lehrt das Leid, nicht zuviel zu erwarten
Harkt die Zeit die Option
Zwischen „noch nicht“ und „schon“