Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • 2in1 & das eintausendsechshundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Waschmittel/Drogen-Geschäftsfassade in der Füssener Altstadt

    Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

    Steuererklärung 2020

    Meine Herren und Damen vom Münchner Finanzamt,
    Ich wünsch Ihn’n von Herzen ein Dasein in Glanzsamt.

    Nun, da Christi Geburt ist verzweitausendzwanzigt
    (ein Jahr, durchweg mistig und fast ohne Glanzlicht),
    Schreib ich Ihn’n dieses Tagebuch,
    Das sich beinahe liest wie ein Gnadengesuch.

    Es ist einnahmemäßig, wie leicht zu ersehen,
    Seit März(Strich)April herzlich wenig geschehen.
    Hierzu, chronologisch, diverse Belege,
    Dass ich mich im chronischen Minus bewege.

    Nach recht harten Monaten fieser Verschattung
    Erwart ich dies Jahr eine Riesenerstattung –
    Mein Soll freut sich heute schon auf diese Taler!

    Hochachtungsvoll,
    Ihr Steuerzahler


  • Lechtal & das eintausendsechshundertvierundfünfzigste Gedicht

    Blick ins Lechtal vom Füssener Kalvarienberg

    Das erste Frühlingsgezwitscher

    Im Durchschnitt verliert man bei Vogelgesang
    Pro Stunde drei Kilo Gewicht.
    Für dich, kleines Tönnchen, ist kurz über lang
    Der Gang raus ans Tageslicht Pflicht!
    Denn die Tönchen der Vögel sind so unbeschwert,
    Da wird manches Röllchen gleich mit aufgezehrt.
    Und Frühling lädt ein in die frühere Zeit,
    Da warst selbst noch du nicht so ausladend breit!

    Derweil sich die Baumkrone eintiriliert,
    Scheint Leichtigkeit allseits entlockt.
    Von Düften beschwingter Gesang jubiliert
    Im Park, der von Lastern durchjoggt.
    Aus tänzelndem Hüftgoldglanz murmelt’s verschwommen:
    „Frühling, du bist’s – ach, ich hab zugenommen!
    Mach du nun uns Winterbeladene schlank!
    Ja, Frühling wird es, Gott sei dank!“


  • Brotbrunnen & das eintausendsechshundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Brotbrunnen in der Füssener Altstadt

    Corona-Umschulung

    Ich würde mich gern durch Prozessakten quälen,
    Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
    Ich könnte von Stadtteilentwicklung erzählen,
    Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
    Ich soll eine Lockdown-Lektüre empfehlen?
    Na ja, es lässt sich nicht verhehlen:
    In der letzten Zeit hab ich nicht sehr viel gelesen,
    Bin vorrangig küchenbeschäftigt gewesen.
    Den Termin für die Knie-OP hab’n Sie notiert?
    Ab September hätt‘ ich an der Burg inszeniert
    Und die Models vorm Gang auf den Laufsteg frisiert,
    Mit der UNO an Brennpunkten interveniert
    Und brilliert vor schier berstenden Opernhaussälen.
    Mit was? Vielleicht Kartoffelschälen.


  • Herrgottschnitzer & das eintausendsechshundertdreiundvierzigste Gedicht

    Bei den Werkstätten vom Herrgottschnitzer von Unterammergau

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Griechenland

    Die Interrail-Endstation hieß stets Αθήνα
    Und Kavatis war Bürge vom Sinn dieser Fahrt.
    Der Geschmack öffnet sich nicht ad hoc dem Retsina,
    Wir waren in uns und die Reise vernarrt.

    Wir sind wie Idioten vom Zug rausgepurzelt
    Mit Bruderkuss-Jauchzern fürs fastfremde Land.
    Privat wie auch menschheitsgeschichtlich verwurzelt,
    Gab’s ein Türschild, auf dem sich mein Name befand.

    Zwischenstopptrunken bemannten wir Fähren,
    Als wenn wir Entdecker und Humwitzboldts wären.

    Wir hielten die Volljährigkeit in den Händen,
    Befeierten sie an den Nacktbadestränden
    Und standen possierlich wie hyperreell
    Statuen moderner Antike Modell,
    Wir ruhten in uns wie Götter. Und dann
    Hielt auch die Welt den Atem an.

    Es gibt so Momente, die bleib’n immer da,
    Den Archäologen wohlbekannt.

    Brichst du auf gen Ithaka

    Und viel davon ist Griechenland.
    Wünsch dir eine lange Fahrt

    Dass Ihr auch wisst, wo ihr mal wart.


  • Romanshöhe & das eintausendsechshundertzweiundvierzigste Gedicht

    Auf dem Wanderweg von Unterammergau nach Oberammergau

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Frischluft

    Legt mir ein Döschen Wanderluft
    Beizeiten in den Sarg!
    Mich dünkt, in der Familiengruft
    Bereu ich’s jeden Tag,
    Nicht öfter in der Jahre Lauf
    Gefolgt zu sein dem „Wandrer auf!“

    Das Atmen sonnenklarer Luft,
    Von Helligkeit durchfrischt,
    Wie selig es die Lungen knufft!
    Bis dass die Welt erlischt.

    Legt sie auf meine stille Brust,
    Auf dass mein Herz gesunde!
    Vielleicht bekomm ich bald schon Lust
    Auf eine letzte Runde.


  • Seeseiten & das eintausendsechshunderteinundvierzigste Gedicht

    Das Starnberger Seeufer im Bernrieder Park

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Gutes Reimen

    Minderwertig scheint vielen ein abfällig Wort –
    Man spendet zu gerne Versuchen Support
    Und bangt, da wird etwas gebrandmarkt als schlecht.
    Nun, nennen wir’s handwerklich leistungsgerecht?

    Mich sehnt die Suche zum Extrem,
    Du findest das zu unbequem –
    Und hast ja als Replik zudem
    Mich schon besiegt bei manchem Slem.

    Total egal – es darf im Leben
    Ja Messdiener und Päpste geben,
    Die sich, vereint in einem Glauben,
    Ihr Ausmaß an Passion erlauben.

    Die Welt kann ich so denken, bloß
    Das Reimen ist nicht rankinglos.
    Dein Text wär – jeder Slam-Sieg ehrt dich! –
    In meinem Kosmos minderwertig


  • Nußberger Weiher & das eintausendsechshundertneununddreißigste Gedicht

    Winteridyll bei den Nußberger Weihern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Energetische Gebäudesanierung!

    Dies Haus erhält nun neue Fenster,
    Das Dach, die Heizung sind erneuert!
    Für Kälte, Ärger und Gespenster
    Heißt’s „Draußen bleiben!“ – so bescheuert,
    Für deren Zechen
    Noch zu blechen,
    Sind wir nicht!
    Wir sind dicht.

    Ab jetzt wird celsiusgegeizt,
    Ausschließlich für uns selbst geheizt!
    Es ist, wenn man so prima dämmt,
    Die Klimakrise schon gestemmt –
    Zugleich die Wirtschaft angekurbelt!
    (Klar, nu wird wieder losgeschwurbelt …)

    Wir Eigentum- und Klimaschützer
    (nur Hobby-Fördergeldernützer)
    Hab’n unsre Ärmel hochgekrempelt,
    Die Erderwärmung angerempelt –
    Und wenn jetzt alle Dämmer halten,
    Wird diese Welt alsbald erkalten!

    Dann ist dank unsrer Einsparschwüre
    Draußen vor der Gartentüre,
    Wo der SUV geparkt is,
    Arktis.


  • Bernriedview & das eintausendsechshundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Blick von Bernried gen Neusee

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Glückspilz

    Ich fürchte schon, anderen Unglück zu bringen –
    Verbrauch ich doch selbst zu viel Glück.
    Ich scheine den Most aus dem Osten zu wringen,
    Wenn ich mich gen Westen nur bück.
    Ich sah ja die Besten der Nachbarn verderben –
    Zuhauf konnte ich ihre Hoffnungen erben.

    Und Stück für Stück drücken sich meine Lamellen
    Ins Glück all der Doppelhaushälftenparzellen.

    Ich werde mich flechtenhaft weiter verbreiten,
    Bis dass die Böden ausgelaugt.
    Auch fortan wird mich Miss Fortuna begleiten,
    Von meinem Myzel angesaugt.
    Ist erst der ermüdende Süden verlassen,
    Zieh ich aus dem Norden mir Orden in Massen.

    Ein Stückchen vom Glück willst auch du erfleh’n? Wehe,
    Es ist dies Pilz‘ Sporenflor in deiner Nähe!


  • Klosterkirche Benediktbeuern & das eintausendsechshundertsechsunddreißigste Gedicht

    In der Klosterkirche von Benediktbeuern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Die Carmina Burana zu Benediktbeuern

    (Achtung: Dies Gedicht hat, ums gleich vorweg zu sagen
    Eine Höchsthaltbarkeit von nur anderthalb Tagen)

    500 Jahre Schlummer
    … und dann will es ein dummer
    Zufall, entdeckt und ausgelegt zu werden.
    Beifall fürs Comeback auf Erden
    Mit Rumms und Bumms
    Und Wumms und so.

    Vermummt nicht jeder Zeitensprung
    Die adäquate Zweitnutzung,
    Verschalt nicht ein Niveau?

    Wer ist schon gerne ausgeliefert
    Der Lesart einer fernen Zeit?
    Bewertet man’s stur positiv statt
    Zu hadern mit der Ewigkeit?
    Verflüchtigen sich Ziel und Weg,
    Ernüchtert sie als Privileg!

    (Zu euch spricht dies Gedicht: Ich mag
    Nur gelten bis zum nächsten Tag.
    Was man danach mit mir auch macht –
    War ganz gewiss nie so gedacht!)


  • Spätlese & das eintausendsechshundertfünfunddreißigste Gedicht

    Blick auf das Kloster Benediktbeuern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Dämmern – eine Einschlafwachwerdung

    Auf einmal merk ich:
    Bin unmerklich
    Weit und weich hinabgeglitten,
    Abgebogen
    Wie auf Drogen,
    Hab ne Grenze überschritten
    Und mich auf Pantoffelsohlen
    Ungewahrsamst fortgestohlen.

    Hab fahrig alle Kandelaber
    Von Wirklichkeitchens Licht entsehnt,
    Mich übers Absperrbandgewaber
    Auf Zehen in das Nichts gelehnt.

    Nach kurz geglücktem Gluckgluckschluck
    Entreisst mich ein Schockschwereruck
    Zurück
    Ans Ufer.


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