Der Ethno- wie der Fotograph
Wollen fremdes Selbstbild portraitieren –
Der eine bedient einen Forschungsbedarf,
Der Zweite beginnt zu verzieren:
Plastikblumen wie Girlanden,
Sofas voll von Stofftierbanden,
Schrillidyllmärchenschlossparkhintergründe,
Auf dass all dies nahenden Reichtum verkünde,
Wenn wir überbelichtet im Wunschbild ertrinken,
Zum Golfstaatenluxus der Bollywoodschinken.
In dir regt sich ein Widerspruch?
Das liegt an deinem Stallgeruch:
Für dich muss die Kunst mit Erwartungen brechen –
Hier strahlt sie als nie sich erfülln’des Versprechen!
All das Sterben ist ne Strafe Gottes
Und Aids die Klinge des Schafottes,
Aber wir als belesene Messe-Kadetten
Werd’n eure besessenen Seelen erretten!
Ab ins Virengeseuch diabolischer Mächte
Führt uns unser Kreuzzug und Gott, der Gerechte!
Ferne Dörfer soll’n nun in Kaskaden
Von Weihwasser und Gospel baden!
Es ist Aids das Werk kannibalistischer Hexen –
Die müssen den Trog der Verantwortung exen,
Bis aus höhnenden Körpern die Stigmata schäumen,
Wenn gottlose Bestien das Feld dröhnend räumen!
Da kreucht es flink im Hexennest –
Ein sattes Glied entsetzt!
Der Inquisitor bebt und bellt,
Das Schlüpferchen benetzt,
Wenn Phantasie mit kühnstem Strich
Verpeinlicht das Befragen,
Dass schlimmster Ahn bestätigt sich –
Kaum lässt es sich ertragen! –
Doch da wir schon so tief gebohrt:
Wie deep drang JENER ein?
Enthemmt ergießt sich Wort auf Wort,
Erlöst von all der Pein.
Ein Stigma ist ein hohler Schlund,
Den Eifernde verfüllen.
Es braucht dazu nicht viel an Grund,
Nur unbeürrten Wüllen!
In der Fremde XL seinen Namen zu finden –
Das musst du als Eindringling erst einmal schaffen!
Es gilt, sowohl Stolz wie auch Spott zu verwinden –
Schließlich nannte man dich einen Affen!
Um zu zeigen: Da ist jemand rabiat anders –
Doch wenn er sich etwas enthaart, na, dann kann das
Noch was werden mit der hässlichen Rand-Existenz –
Dem Legenden entwendenden Kinderschreck
Mit der Adern entblößenden Hauttransparenz –
Der durch Fettnäpfchen zappende Hektik-Geck!
Du pauktest beharrlich die Sprache und Sitten –
Trotz Gelächter vorm Schlupfloch zur Integration,
Hast dir als Chronist schließlich Geltung erstritten –
Etwas Geld nachgeschoben, doch war’s dir zum Lohn:
So gelang unsern Affen nach den Müh’n des Beharrens
Der Aufstieg zum Ding, mit dem Status des Narrens!
Haushaltsunfall ist ein Wort –
Strotzend vor Ergiebigkeit,
Abschussorgien, Massenmord –
Effektiv beim Faktor Zeit,
Gegenknall und Aufprallschäden,
Kopfstoßwucht und Klippenstürze
Reißen an den seidnen Fäden,
Spritzen auf die Schlachterschürze.
Sport spornt an zu viel zu wagen,
Sich Verschätzen – reicher Quell,
Ziel Verfehlen – grad beim Jagen,
Stromschlag, Sturzflug, Kampfduell –
Der Tod ist wie eine Schachtel Pralinen:
Du fürchtest den Fehlgriff – doch alles schmeckt gleich.
Greifst du zu einer der Grellen von ihnen,
Wird man vor Schrecken fast ebenso bleich.
Lieber Liegefahrradfahrer,
Ich als Kommentar-mir-Sparer
Staune doch, wie unverdrossen
Du dein Liegefahrrad fährst
(völlig ratschlagsresistent)
Und dich klingelnd (permanent)
Gegen deine Restwelt wehrst.
Aus gern überseh‘nem Tal
Zetert deine Unterzahl
„Hallo, Vorfahrt?!“ unverzagt,
Jäh umrahmt wie überragt
Von jenen Verkehrsgenossen,
Die sich auf dich eingeschossen,
Um vereint sich zu empören.
Dich allein scheint‘s nicht zu stören –
Du drehst weiter flach die Runden,
Forderst deine Rechte ein,
Rohrspatzmäßig, unumwunden –
Vorsatz: Mich kriegt keiner klein!
Wer sich legt mit Liegern an,
Kriegt‘s zu tun mit Kriegern, Mann!
Mancher Zwist bremst viel zu schlicht sich –
Diesbezüglich liegst du richtig!
Oh Kraftwerk, oh Schalttafel, oh Apparat!
In euch dampft der Mythos vom Neuaufbruch,
Der Schneisen von frischer Erkenntnis und Tat.
Gebräuchlicher Fortschritt schien nicht nur ein Spruch,
Sondern ein vernehmbarer Einspruch zu sein –
Doch hielt man dies bald durch Vernehmungen klein.
Der Euphor ob berauschender Dienstbarkeit
Von Kraftwerk, von Schalttafel und Apparat
Las sich als Vertrag einer harmfreien Zeit.
Doch unter dem Hoffnungsflor gärte die Saat
Von Gartenerträgen der Mähdrescherei,
Der Umbruch versiegte in mehr Tyrannei.
In das Jahrhundern der Hoffnungsmaschinen
Entfaltet sich wieder der Glaube daran,
Möglichkeit könne der Möglichkeit dienen
Für das mähliche Nähern vom Irgendwann.
Doch Tastflächendruckkraft verschließt nicht die Naht
Zum Kraftwerk, zur Schalttafel, zum Apparat.
So viel Leute, wenig Plätze …
Mitten in der Meute ätze
Ich: „Is‘ klar – die Deutsche Bahn!“
Geistentleert im Größenwahn.
„Boah, ich krieg‘ hier noch die Krätze!“,
Deklamiere ich und hetze:
„Könn’n wir jetzt mal weiterfahr’n –
Oder was is‘ hier der Plan?“
Doch:
Nicht ein Ton beseelt die Sätze,
Einzig Mimik taugt als Petze.
Das mag ich der Welt erspar’n –
Zu erfahr’n, dass ich’s nicht schätze:
Viele Leute, wenig Plätze.