Radlergedanken
Das Sirren meiner Fahrradkette
Schmiert die unbeirrte Wette:
Irgendwie wird’s weitergeh’n!
Weiß ich auch, dass ihre Glieder
Immerfort und immer wieder
Immerzu im Kreis sich dreh’n
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte über das Älterwerden, den Lebensabend, Krankheiten. Und den Tod.

Radlergedanken
Das Sirren meiner Fahrradkette
Schmiert die unbeirrte Wette:
Irgendwie wird’s weitergeh’n!
Weiß ich auch, dass ihre Glieder
Immerfort und immer wieder
Immerzu im Kreis sich dreh’n

Todschick
An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
Mit „Kann ich Ihnen behilflich sein?“
In der Fremde oft schnell in Erklärungsnot
Gelang mir zur Antwort ein griffiges „Nein,
Ich schaue mich vorerst hier nur etwas um.“
(Und brauch dazu kein Publikum!)
„Aber gerne!“, entgegnete denkbar devot
Und von Dienstleistungseifer beseelt
Der fortan nicht mehr von mir weichende Tod
„Sie melden sich, wenn Ihnen irgendwas fehlt?
Wir hab’n jede Krankheit von Krebs bis Katarrh
Auch noch in andren Größen da!
Und ich weiß ja, man zögert es gerne heraus
Auch Ernsthaftes mal zu ertragen
Doch schlussendlich ist’s ja für viele im Haus
Die letzte Chance etwas zu wagen!
Das Leben ist kurz – heißt das elfte Gebot!“
Bekräftigte nochmals wie freundlich der Tod
Und obschon ich ihn anfangs mit Argwohn beäugt
Fühlt‘ ich mich auch etwas geborgen
Er hat schon Millionen von sich überzeugt
Und erlöst von der Last aller Sorgen
Also ging ich zur Probe
In seine Garderobe
Nahm mir das nächste Stück und fand
Dass dieses mir schon prächtig stand
Wie jedes Stück der Kollektion –
Das ist vielleicht des Alters Lohn
An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
Und machte mir ein Angebot
Mir war bis dato gar nicht klar
Wie nahe ich ihm da schon war

Für Verbliebene
Dein Grab ist längst schon eingeebnet
Doch das Loch meines Kosmos‘ nicht zu
Ich spüre sein Gähnen noch hinter der Rückwand
Von nicht zu verrückenden Schränken
Und manchmal, da frage ich mehr dich als mich: „Wie-
So ist der Gewürzstreuer leer?“
So lang ist das alles schon her …
Und manchmal, da frage ich mehr mich als die, die
Grad parallel deiner gedenken:
„Verzeihst du ein wenig, wie ich noch zum Glück fand?“
Viel zu friedvoll und ruhig raunst du:
„Mein Grab ist längst schon eingeebnet!“

Am Wachwechsel
„Wir räumen das später weg“, wurde gedacht
Doch dann wurde sehr zeitig gestorben
Von Tätern erträumt, steht das „Wird noch gemacht“
Vor dem Tor der Geschichte
Und im Fort der Gedichte
Und fühlt sich wie weiters umworben

In der Wüste
Bin der erste Mann auf dem Mond auf Erden
Spür‘, dann und wann geklont zu werden
Und bleibe dennoch ganz allein
Zwar werden die, die mir nur gleichen
Wohl niemals irgend Wasser reichen
Doch nährt sie mein Vergessensein

Auf früher vertrauteren Straßen
Auf früher vertrauteren Straßen
In alten Gedanken zu geh’n
Erkennend noch, was wir vergaßen
Geblendet vom Zwischengescheh’n
Und stolpern wir über die Brüche
Mit denen uns Schicksal verdaut
Geleiten uns traute Gerüche
Und Blutbahnen unter der Haut
Doch es sinkt immer stärker ins Schwinden
Das Gefühle, man kehre zurück
Zu winzig wird das, was wir finden
Zu spurlos das kindliche Glück

Gedanken eines Bestadters
Und wieder grüßt mich eine Altstadt
Fachwerkstättisch lebensfroh
Derweil nur der Begrüßte altert
Auf rasantestem Niveau
Und jede Balkenschnitzerei hat’s
Fast immer schon gegeben
Nur im Außervor wird abgekratzt
Die Stadt wird’s überleben

Alte Liebespaare
Dass da keiner werde des Anderen Last
Das ist – einmal simpel zusammengefasst –
Eine nie zu erzielende Absicht
Doch die Liebe währt auch
In ’nem schwärenden Bauch
Der sich mit dem Alternden abbricht

Coda
Mit Tau und Taubheit scheint der Tag zu beginnen
Doch manches hat gar nicht geschlafen
Es bildet sich um und entäußert sein Innen
Nach Plänen, die wir nicht entwarfen
Wir sind nur die Wachen
Wir könn’n da nix machen
Was da wird, wird es an uns vorbei
Um zu seh’n, was passiert, müsste man sich jetzt wenden
Unter Druck springt die Form aller Allmacht entzwei
Aber irgendwie muss es ja enden

Stufe 1
Move on, Heinz!
Stufe eins
Hast du fast geschafft!
Ja, jetzt können deine Zehen
Schon die Treppenkante sehen!
Mann, hast du ’ne Kraft!
Kopf hoch, Heinz!
Stufe eins
Hätt’ste fast gepackt!
Wirklich nur um Haaresbreite
Ist dein Bein nach hartem Fighte
Plötzlich abgesackt
Heinz, egal!
Nächstes Mal
Gibt’s another try!
Ist ja alles gar nicht eilig
Sag, wenn du bereit bist, weil ich
Helf dir gern dabei!
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