Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Metro & das zweiundsechzigste Gedicht

    Metrostation Paris

    Wenn man es eilig hat, stellt sich bald die leicht dahingefluchte Frage: Wer hat sich diesen Wegewirrwarr beim Umstieg zwischen den Metrolinien eigentlich ausgedacht – und ist das wirklich der kürzeste Weg? Oder so:

    Gängelei

    Ich hab mich im Innern der Metro verlaufen
    Ein Gängegemenge wie im Ameisenhaufen
    Doch nachdem ich gut zweieinhalb Städte durchquert
    Bemerk ich: Ach, guck mal – bist gar nicht verkehrt
    Da steht schon am Gleis meine Bahn, welch ein Glück!
    Die fährt mich vermutlich ein Stückchen zurück …


  • Montmatre & das einundsechzigste Gedicht

    Paris Silhouette

    Ach, voll vergessen: Da gab es gestern das sechzigste Gedicht – womit ein längerer Text gefordert war – und schon ist alles veröffentlicht und das Versprechen, in Zehnerschritten längere Texte zu präsentieren, zur Lüge geworden. Es ist aber auch so, dass sich der Rhythmus der Gedichte erhöht hat und hier längst mehr als ein Gedicht pro Tag landen. Außerdem steht – ganz frisch entschieden – für 2017 ein neues Marilyn’s Army-Album an, für das jetzt die Texte geschrieben werden müssen. Bevor nun die Hyperventilation einsetzt, mag ich die Längere-Slamtext-Taktung auf 15er-Schritte eineichen. Und euch heute nachträglich mit einem der neuen M.A.-Texte abspeisen … Ein neuer 5-Minüter dann bei Beitrag Nr. 75 – versprochen.

    Unzerstörbar möglich

    Du kannst mich jeden Tag hier sehen
    Und mich auf einem Schlag verstehen
    Es könnte mich auch int’ressieren
    Welche Dinge Dir passieren

    Doch es ist nicht so, es ist nicht so
    Dennoch wird ein Teil der Welt stets
    Unzerstörbar möglich sein
    Unzerstörbar möglich sein
    Unzerstörbar

    Ich kann, sofern ich’s mag, was drehen
    Oder auf den Vertrag bestehen
    Und wir könn’n laut hinaus skandieren:
    Wir woll’n alles ausprobieren!

    Doch es ist nicht so, es ist nicht so
    Dennoch wird ein Teil der Welt stets
    Unzerstörbar möglich sein
    Unzerstörbar möglich sein
    Unzerstörbar möglich

    Wir könn’n laut hinaus skandieren:
    Wir woll’n alles ausprobieren!
    Nur es ist nicht so, es ist nicht so.


  • Eiffelturm, zum Zweiten & das sechzigste Gedicht

    Paris Silhouette

    Bis zu meinem Hotelzimmer sind es 110 Stufen (und es gibt auch keinen Aufzug). Daheim habe ich 96 Stufen zu bezwingen (und es gibt auch keinen Aufzug). Da erscheinen die 669 Stufen zur zweiten Etage des Eiffelturms beinahe etwas wenig. Und es gibt durchaus einen Aufzug. Aber:

    669 Stufen

    Ob als

    „Papa, ich will Pommes!“-Nöhler
    Städteausflug-Bustourist
    Preissensibler Interrailer
    Oder Birthday-Amourist –
    Auch auf meiner Lesetour
    Nahm ich stets die Stufen nur

    Sollte ich einst, schon erlahmt
    Mich noch hin zum Turme schleppen
    Tragt mich hoch zum letzten Mal

    Aber bitte nehmt die Treppen


  • Eiffelturm & das neunundfünfzigste Gedicht

    Marsfeld und Eiffelturm

    Der freie Tag in Paris. Und endlich Sonne. Sightseeinggemäß.

    Zurredestellung

    Was willst du denn noch hier von unserer Stadt,
    Du aufgeregter Turm?!
    Du Stahlgelüste Rüst- und Wüstling
    Höchst emporgeleckter Wurm
    Sag an – aber so, dass wir’s unten versteh’n!

    „Mann, ich mach keinen Ärger – ich will hier bloß steh’n.“


  • Parisparis & das achtundfünfzigste Gedicht

    Rue Jean-Pierre Timbaud

    Nasser Empfang zum Doppelgig. Eine Straße, zwei Läden – der Transit durch Plädderregen.

    Die Verlierer sind ausgemacht

    Paris im Regen ist noch immer Paris
    Keine Stadt kann als Stadt jeden Tropfen verneinen
    Gerade deswegen gilt unerregt dies:
    Sehr wenig wird ähnlich auf Ewig erscheinen


  • Ankunft in Paris & das siebenundfünfzigste Gedicht

    Paris Hotel Marignan

    Pardon, Stuttgart. Da warst du gestern Abend einfach nur Zwischenstation auf dem Weg Zürich-Paris. Aber im Sommer gibt es auch für dich ein Gedicht. Und gegen Paris darf man schon mal verlieren. Oder?

    Solo in Paris

    Statt der Liebe Paris
    Riet die Szeine doch immer
    Statt als Paar is
    Man hier nun aleen aufm Zimmer.


  • Zürich & das sechsundfünfzigste Gedicht

    Zürichsee

    Im Regen angekommen, im Frühlingssonnenschein raus. Zürich versöhnt.

    Zur Ich und zum Du

    So, als sei es ganz natürlich
    Führte eine fremde Spur mich
    Schnurgeraden Weges zur Ich
    Dem feminin wurzelnden Kern meines Lebens

    Da sprach zur Ich ich
    „Komm, verführ mich
    Scheint’s auch etwas ungebührlich
    Hier, in der Kannschonstadt Zürich!“

    „Kann schon sein, dass ich das mache
    Doch das bleibt ganz meine Sache
    Zum Du drängst du mich vergebens!“

    Zu dumm, zu dumm, zu dumm, zu dumm
    So seufzend kehrt‘ ich wieder um


  • Mannheim, Heidelberg & das fünfundfünfzigste Gedicht

    Heidelberg Neckar

    Und dann trotz Kratzen im Hals losgedonnert. Elf Auftritte in der Reihe. Aber was unter bösen Voraussetzungen startet, entwickelt sich mittlerweile bestens. Auch meteorologisch. Wie in Heidelberg zu sehen, in Mannheim (15 Minuten S-Bahnfahrt) nur zu ahnen war. Doch:

    Ja, auch Mannheim! Auch Mannheim.

    Die Romantik Mannheims ist
    Ganz anders als die Heidelbergs
    Derart subtil, dass du Purist
    Sie quasi nicht einmal bemerks‘

    Aus Mannheims Gassen grölt es: „Tja,
    Romantik is umfassenda!“


  • Grippenpause & das vierundfünfzigste Gedicht

    Rhinerhorn

    Als wenn sich der Körper mit aller Macht gegen meine Abschiedstour stemmen wollte, schleicht sich pünktlich zum Start einer längeren Terminrutsche eine störrische Erkältung in den Vordergrund. Doch vorm Verzagen gilt es sich an gute Momente der tour zu erinnern, die ja – s.o. – noch keine Woche zurückliegen.

    Für die Gnad der Strahlen

    Für solche Wintersonnenstrahlen
    Würd‘ ich fraglos auch was zahlen
    Das sag‘ ich, wo ich jetzt grad
    Sechzig Franken angespart

    Du lachst, da könnt‘ ich lange warten
    Echte Wintersonnenstrahlen
    Kösten sicher zwölf Milliarten
    Und die wär’n in bar zu zahlen

    Zwölf Milliarden – wirklich wahr?

    Wie lang‘ ich wohl daran spar‘?
    Das müsst ich erst kalkulieren …
    Bis dahin in Kühle frieren


  • Ansbach & das dreiundfünfzigste Gedicht

    Ansbach, J.S. Bach

    Die Tour hoppelte in diesen Tagen weiter durchs Frankenland. Wo ich gestern im Kaspar Hauser und Bach Stützpunkt Ansbach Station machte.

    Ansbach und -tand

    Ansbach bin ich mit ihr gegangen
    Doch sie hat damit angefangen
    Insbach ist sie mit mir gesprungen
    Und hat so sehr darauf gedrungen

    Un(s)zucht war Straf‘ dann wie Vergeh’n
    Weil wir uns so nach Anstand seh’n


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