Der Schnee des vergangenen Jahres
Liegt noch immer in unseren Straßen
Und unter ihm schlummern die Kummer und Dinge
Die wir für Sekunden besaßen
Gezwungen unbezwungen erzählst du:
„Das schmilzt sich ja auch wieder weg!“
Doch es stemmt sich der Nacken der Schneeschicht dagegen
Mit Härte und wachsendem Dreck
Es wär‘ besser, wir wanderten so wie im Lied
Verließen, was uns schon verlassen
Wär‘ besser, wir sängen und sänken dahin
Zu vageren Jahreszeiten
Doch steh’n wir hier an, um bald einsam zu sein
Alle Leichtigkeit wird uns gestohlen
Und ständig grölt uns jetzt ein Post-It an „NEIN“
Viel mehr wird sich nicht wiederholen
Die Schatten werden nicht nur länger, sondern int’ressanter
Wer vermisste schon das Quengeln Sonnenbadverbrannter?
Der letzten Tage Sonnenschein
Birgt das Wissen von einem zerschlissenen Jahr
All das Brüllende, Brennende dringt nicht mehr ein
Und er stellt dich Gestalt gnädig riesenhaft dar
Umbrandet vom üblichen Weihnachtsgeschwafel
Sitzt festlich gewandet der Bub an der Tafel
Unverwandt im Bann des Drangs
Das Ziel des Stilles-Örtchen-Gangs
Zum Anlass zu nehmen, mal online zu gehen
„Mensch, kannst du dem nicht einmal heut widerstehen?!“
Mahnt der Geist der Weihnacht der Gegenwart
Der diesen Schritt zu überlegen erbat
Weil die Zeit, die man sich fürs „Schnell Mails checken!“ borgt
Den Rest der Gesellschaft beschämt und besorgt
„Du fühltest als Kind doch“, ergänzt nun der Geist
Der vergangenen Weihnacht, „dich fast wie verwaist
Wenn zum Fest nicht mit Ernst und mit Aufmerksamkeit
(und natürlich Geschenken!) bespickt war die Zeit!
Zahlst du nun die Gänze vom kindlichen Glück
In knapp portionierten Momenten zurück?!“
Und der für die Zukunft zuständige Geist
Zeigt, was das für kommende Weihnachten heißt:
„Da zahlst du dann für virtuelle Zeit
Mit sehr realer Einsamkeit!
Und mailst nur noch per send & bounce
Mit Werbebots und Fake Accounts!“
Da grimmt der Bub nicht mehr länger der Tafel
Und stimmt mit ein in das Geschwafel …
Ein Text vom Marilyn’s Army Album „Zeit zu schrei’n“ (2018). Und wie am jeden 23. Dezember nutzen wir diese Backstage für unser Weihnachtskonzert im GREND Essen.
Keine Beweise
Du sagst, es sei Zeit zu verstehn
So könne es nicht weitergehn
Da gäbs Menschen mit guten Ideen
Aber ich werd das niemals so sehn
Keine Beweise
Wenn ich es nicht will
Das sind keine Beweise
Wenn ich es nicht will
Vielleicht war ich zu leise
Doch du bist jetzt still!
Das sind keine Beweise für mich
Du sagst, es sei letztlich banal
Man hätte ja eh keine Wahl
Dass Skrupel und Zweifel vergehn
Aber ich werd das niemals so sehn
Du sprichst von den Zeichen der Zeit
Du wärst für was Neues bereit
Inzwischen sei zuviel geschehn
Aber ich werd das niemals so sehn
Ich erkenn, wie du weichst
Mit den Falschen die Hände dir reichst
Mir scheint, ständig gibt’s einen wie dich
Und immer fehlt einer wie ich