Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

  • Mauritius revisited & das neunhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Mauritius revisited & das neunhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Radlergedanken

    Das Sirren meiner Fahrradkette
    Schmiert die unbeirrte Wette:
    Irgendwie wird’s weitergeh’n!
    Weiß ich auch, dass ihre Glieder
    Immerfort und immer wieder
    Immerzu im Kreis sich dreh’n


  • Indien revisited & das neunhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Indien revisited & das neunhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Endlich! Immer diese Instrumentals zu Beginn, obwohl man doch ausdrücklich Oper gebucht hat. Hat nun ein Ende. Wenn die werten Solisten und Chöre sich diesen Text merken können:

    Der Barbier von Sevilla (Liedtext der Ouvertüre)

    Es naht dünnbeinig und fadenscheinig …
    Dann rumpelt’s rüpelhaft gnadenlos steinig an!
    Bis man es irgendwann
    Nicht mehr verleugnen kann
    Und sich per Sensation den Komfortzonen Ungewohntes angewöhnen lässt

    Noch nachvollziehbar
    Dass der Barbar da an der Bar dereinst Barbier war
    Und ganz Sevilla
    Für ihn vibriert wie zu’nem Tanzschritt von Godzilla

    Schablonisiert wirkt das hier Servierte
    Wie verziert für schiere Schmierenlarmoyanz

    Ihr insistiert zwar
    Der Komponisten Zierde sei nicht kompostierbar
    Und ganz Sevilla
    Schien wie frisiert von ’ner verirrten VoKuHiLa

    Ironisiert stiehlt das Irritier’nde
    Nicht der Grundprinzipien Linientreue Glanz

    Es flutet unvermutet gut durchblutet gegenströmig
    Und belebend widerstrebend in das Haar Verlockung webend
    Eine der Ekstatik abgerung’ne Akrobatik
    Die die Ex-Barbier-Barbatik mit Vokabel-Kokolores kolo(riert)
    Eine der Ekstatik abgerung’ne Akrobatik
    Die die Ex-Barbier-Barbatik mit Vokabel-Kokolores kolo(riert)
    Eine der Ekstatik abgerung’ne Akrobatik
    Die die Ex-Barbier-Barbatik mit Vokabel-Kokolores koloriert
    Und mit Chaos kokettiert
    Uns mit Tobak torpediert
    Ziemlich ungewohnt toupiert
    Von dem Frondienst desertiert

    Mit infantiler VoKuHiLa
    Geht Godzilla nach Sevilla
    Zu dem Dealer in der Ex-Barbiere Bar:
    „Machst Du mir mein Haar?
    Diesmal aber ma‘
    Statt dezent und eh’r verstohlen
    Bitte zentnerschwer und unverhohlen
    Wild verkämmt ungehemmt
    Maßlos onduliert
    Spaßig koloriert
    Ich bin da gänzlich ungeniert
    Sofern nur jemand applaudiert
    Und sein beziehungsweise ihr
    Hochwohlgefallen konstatiert, ja-woll


  • London revisited & das neunhundertvierundneunzigste Gedicht

    London revisited & das neunhundertvierundneunzigste Gedicht

    Todschick

    An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
    Mit „Kann ich Ihnen behilflich sein?“
    In der Fremde oft schnell in Erklärungsnot
    Gelang mir zur Antwort ein griffiges „Nein,
    Ich schaue mich vorerst hier nur etwas um.“
    (Und brauch dazu kein Publikum!)

    „Aber gerne!“, entgegnete denkbar devot
    Und von Dienstleistungseifer beseelt
    Der fortan nicht mehr von mir weichende Tod
    „Sie melden sich, wenn Ihnen irgendwas fehlt?
    Wir hab’n jede Krankheit von Krebs bis Katarrh
    Auch noch in andren Größen da!

    Und ich weiß ja, man zögert es gerne heraus
    Auch Ernsthaftes mal zu ertragen
    Doch schlussendlich ist’s ja für viele im Haus
    Die letzte Chance etwas zu wagen!
    Das Leben ist kurz – heißt das elfte Gebot!“
    Bekräftigte nochmals wie freundlich der Tod

    Und obschon ich ihn anfangs mit Argwohn beäugt
    Fühlt‘ ich mich auch etwas geborgen
    Er hat schon Millionen von sich überzeugt
    Und erlöst von der Last aller Sorgen

    Also ging ich zur Probe
    In seine Garderobe
    Nahm mir das nächste Stück und fand
    Dass dieses mir schon prächtig stand
    Wie jedes Stück der Kollektion –
    Das ist vielleicht des Alters Lohn

    An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
    Und machte mir ein Angebot
    Mir war bis dato gar nicht klar
    Wie nahe ich ihm da schon war


  • Wien revisited & das neunhundertdreiundneunzigste Gedicht

    Wien revisited & das neunhundertdreiundneunzigste Gedicht

    Glanz‘ Los

    Die Dünnheit des Denkens begünstigt es leider
    Dass jemand wie du sich hier breit machen kann
    Es schützt dich der Spruch, dem Erfolg folgten Neider
    (Den ich in ’ner ganz schwachen Stunde ersann)


  • Simbabwe revisited & das neunhundertzweiundneunzigste Gedicht

    Simbabwe revisited & das neunhundertzweiundneunzigste Gedicht

    Der freie Fall

    Wortentspannt stürzt er in Tiven
    Die nach Fragewörtern miefen
    Was? und Wessen?, Wem? und Wen?
    Unversert vom Draufbesteh’n
    Sprudelt er nur Walle?, Walle?

    Jedenfalls berauscht er alle


  • Seychellen revisited & das neunhunderteinundneunzigste Gedicht

    Seychellen revisited & das neunhunderteinundneunzigste Gedicht

    Ain und Kabel

    „Aua!“ jault der Kabeljau
    Als die Gabel ich genau
    Ihm in seinen Nabel hau

    Mit ihm starben Knab und Frau
    Armer, armer Kabeljau

    – Versuch einer Rechtfertigung –
    Just zum Start der Abba-Show-
    Übertragung im TV
    Via Astra-Satellit
    Hatt‘ ich starken Appetit –
    Und auch die, die Kabel schauen
    Laben sich an Kabeljauen!


  • Venedig revisited & das neunhundertneunzigste Gedicht

    Venedig revisited & das neunhundertneunzigste Gedicht

    Memento Marmori

    Über Marmor schleichlängs schreiten
    Weichen Auftritts schleifend gleiten
    Wissend, dass seit Ewigkeiten
    Leute durch ihr Heute zeiten …

    Ist auch unsres Paarlaufs Spürchen
    Unmomentig lang zu seh’n
    Weiß doch unser beider Nürchen
    Dass er hier – baldeinst – gescheh’n!


  • Madagaskar revisited & das neunhundertneunundachtzigste Gedicht

    Madagaskar revisited & das neunhundertneunundachtzigste Gedicht

    Für Verbliebene

    Dein Grab ist längst schon eingeebnet
    Doch das Loch meines Kosmos‘ nicht zu
    Ich spüre sein Gähnen noch hinter der Rückwand
    Von nicht zu verrückenden Schränken
    Und manchmal, da frage ich mehr dich als mich: „Wie-
    So ist der Gewürzstreuer leer?“

    So lang ist das alles schon her …
    Und manchmal, da frage ich mehr mich als die, die
    Grad parallel deiner gedenken:
    „Verzeihst du ein wenig, wie ich noch zum Glück fand?“
    Viel zu friedvoll und ruhig raunst du:
    „Mein Grab ist längst schon eingeebnet!“


  • Helsinki revisited & das neunhundertachtundachtzigste Gedicht

    Helsinki revisited & das neunhundertachtundachtzigste Gedicht

    Schnarrer

    Wenn Milliarden Zikaden Zypressen fressen
    Und Nix hadernd vergessen, den Schaden zu messen
    Zirpt letztmalig was im Zerfressenen lungert
    Weil’s fix nach zu maßlosem Essen verhungert


  • Sylt revisited & das neunhundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Sylt revisited & das neunhundertsiebenundachtzigste Gedicht

    ABC-Schützen

    Und ein weit’res Wort soll büßen
    Dass du so empfänglich bist
    Dir kann schon den Tag versüßen
    Wenn was U-N-U-M-G-Ä-N-G-L-I-C-H-(!!) ist

    Zürne der Majuskeln Eiter!
    Stopp den Treck der Letternschar!
    Treib dein Spielchen emsig weiter
    Bis du schweigst – für immerdar …


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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