Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

  • Löwenengel & das eintausenddreihundertvierundneunzigste Gedicht

    Löwenengel & das eintausenddreihundertvierundneunzigste Gedicht

    Gut möwlich

    War Venetiens Flügellöwe
    Nicht in Wüglichkeit ne Möwe?


  • Le Soleil im Winter & das eintausenddreihundertdreiundneunzigste Gedicht

    Le Soleil im Winter & das eintausenddreihundertdreiundneunzigste Gedicht

    Poolitisch motiviert

    Das Meer ist an den Wintertagen
    Einfach keine Möglichkeit.
    Wer will, der mag das hinterfragen –
    Mir scheint zu kostbar meine Zeit.
    Denn statt hinein- gilt‘s einzuschreiten:
    Wir fordern -jetzt- Meermöglichkeiten!


  • Lesestoff & das eintausenddreihundertzweiundneunzigste Gedicht

    Lesestoff & das eintausenddreihundertzweiundneunzigste Gedicht

    Carpe diem light

    Ich leg mich an den Teich mit Buch –
    Ist besser als ins Leichentuch.


  • Unterwasser & das eintausenddreihunderteinundneunzigste Gedicht

    Unterwasser & das eintausenddreihunderteinundneunzigste Gedicht

    Holz

    Ein Volk von Annodazumal
    Rammte hier einst Pfahl um Pfahl
    Tief ins sumpf‘ge Erdenreich,
    Dass der Stämme harte Leich‘
    Stütze eine ganze Stadt,
    Im Abgetauchtsein konserviert,
    Für Ewigkeiten einplaniert.

    Selbst den Mittelpunkt der Welt
    Hielt hier, wie es jetzt noch hält:
    Holz, dem aller Stolz gebührt,
    Nie von Sauerstoff berührt.
    Was sich oben abgespielt,
    Wer da was mit wem gedealt –
    Alles fand und fand nicht statt.
    Was oberflächlich int‘ressiert
    Ist immer schon recht bald krepiert.
    Doch ewig stählt das Meer den Thron
    Aus eingepfähltem Immerschon.


  • Ponte dell‘ Accademia & das eintausenddreihundertneunzigste Gedicht

    Ponte dell‘ Accademia & das eintausenddreihundertneunzigste Gedicht

    Ein Rumoren

    Mir geht so ein Rumoren
    Grad rum in meinen Ohren.
    Das wummert zwar vom fernen Rand,
    Doch hör ich keine Zwischenwand!
    Und höhnt’s nicht hoch vom Rachen:
    Bald wird’s hier richtig krachen! – ?

    Das macht zum Glück und Schutz mich
    Stückchenweise stutzig.


  • Coronaleere & das eintausenddreihundertneunundachtzigste Gedicht

    Coronaleere & das eintausenddreihundertneunundachtzigste Gedicht

    Ein Ripostegedicht auf „Die Made“ von Ringelnatz wurde sich gewünscht. Da dieses Gedicht gemeinhin Heinz Erhardt zugeschrieben wird, war mir der gewünschte Autor eine zusätzliche Verpflichtung.

    Das Mädchen von Ringelnuts

    Aus eines Baumes Li-li-anen
    Erklingt Gevatter Natters Warnen:

    „Och, Tochter, könnt ich bloß erspar’n
    Dir die Gefahr’n vom Größenwahn,
    Durch den ich ward zum Single, Schatz!
    Mit Kosenamen Ringelnuts –
    Denn Angst um dich macht mich verrückt,
    Wie’s schlingend nahtlos mich bedrückt
    Gleich nuts, wie inglish Nüsse heißen,
    In die wir Schlangen büßend beißen.

    Kind, glaub mir, du als Ringelnatter
    Machst halswärts rasch ein Raubtier satter
    Drum bleibe in den Li-li-anen
    Die unsre Natternleiber tarnen!
    Verbring’n wir unsrer beider Zeit
    Mit Demut und Bescheidenheit!
    Komm, form’n wir eine nette Schlinge,
    Und tun halt Ringelnatterdinge
    Im Blattwerk, wo auch Mama hing,
    Bevor sie einst gen Minga ging.
    Wohin sie schied, ihr Glück zu suchen
    Und mied, die Fahrt zurück zu buchen.
    Sie darbt nun aus vernarrtem Zwange
    Am Startup-Tun als Warteschlange!

    Auch du wirst bald zur schlanken Schlange,
    Drum wird’s um dich mir langsam bange,
    Wann wohlbeseh’ne Eitelkeit
    Dir von den Zeh’n zum Scheitel schreit,
    Weil Repperdeppen nach dir stier’n,
    Die dich zur Tilie reduzier’n,
    Auf Hüfte, Po und ranke Beine!
    Nun gut, da hab’n wir Schlangen keine …
    Wir sind der Welt ja eher Strich –
    Und auf ebenjenen schickt man dich!
    Und wer erst durchs Bordell verdorben,
    Ist selbst für RTL gestorben.

    Drum, vom Gelege bis zum Grab,
    Geh nie vom rechten Wege ab!
    Ich spiel uns jetzt ’nen Jingle ein,
    Dann tanzen wir hier Ringelreih’n!“

    So rattert runter, Satz um Satz,
    Der Mund von Vatter Ringelnuts.
    Doch
    Manch reich geschmückte Schreckenswarnung
    Erweckt im Schützling erst die Ahnung,
    Dass der Hort, in dem man wohnt,
    Rein als Ort so gar nicht lohnt,
    Und dass wohl jene Minga-Stadt
    Viel mehr an schönen Dingen hat,
    Die einem jungen Natterleben
    Den nöt’gen Schwung viel satter geben.

    Und von dem Rat des Vaters weicht,
    Als nachts es aus dem Blattwerk schleicht
    ’s Töchterchen vom Ringelnuts.
    Doch prompt verschlingt es ratzefatz
    Ein Habicht, der grad rumgegroovt
    Und kurz zuvor noch „Hab dich!“ ruft.

    Und in des Baumes Li-li-anen
    Hallt zwar noch fort das alte Warnen …
    Bloß im Bestand an Nattern hat’s
    Da nur noch Vatter Ringelnuts.


  • Canale Grande & das eintausenddreihundertachtundachtzigste Gedicht

    Canale Grande & das eintausenddreihundertachtundachtzigste Gedicht

    Venedig, meerfarben

    Lagune ist ein schönes Wort – und welch ein Ort für eine Stadt!
    Umflüstert von dem Gruß der See, ein Grün beschwappt sie, seidig-matt,

    Mit Seichtheit verhehlender Ungründigkeit.

    Und welch ein schönes Wort: Lagune (sag ich nicht zum letzten Mal)!
    ’s streicht jeden Stein mit Marmorglanz zum Meerstatuen-Ideal.

    In Eselsmilch schwebendes Leben auf Zeit.


  • Lebensadern & das eintausenddreihundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Lebensadern & das eintausenddreihundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Aortaort

    Hätt’s doa koane Kanäle nicht,
    Wär’n längst Venedigs Venen dicht!


  • Santa Margherita & das eintausenddreihundertsechsundachtzigste Gedicht

    Santa Margherita & das eintausenddreihundertsechsundachtzigste Gedicht

    Der alten Jungfer

    Bist bis zum Sterben schön gewesen
    Und bliebst doch am Schluss so alleine,
    Warst so begütert wie belesen –
    Und so schöne Beine!
    Derweil du dich so gut gehalten,
    Hielt niemand deine Hand.

    Hier liegt im Grab der zählbar Alten:
    Ein Schatz, der kaum bekannt.


  • Lido di Jesolo & das eintausenddreihundertfünfundachtzigste Gedicht

    Lido di Jesolo & das eintausenddreihundertfünfundachtzigste Gedicht

    Zu Gast in der Off-Season

    Der Urlaub hat jetzt Ferien
    Und niemand kommt hier her.
    Die zieh’n auf Netflix Serien
    Und nix zieht wen ans Meer.

    Der Nachtportier gießt jeden Sonntag die Pflanzen
    Und neigt dazu sich selbst im Spiegel zu grüßen.
    Es gibt so viel Raum aus der Reihe zu tanzen
    Und bis vor April wird man nicht dafür büßen.

    Die Vorhänge schreien: Wir haben geschlossen!
    Der Flair vom Entree übt das Barrikadieren,
    Besuchende werden mit Argwohn beschossen –
    Hier will vor April nichts und niemand passieren!

    So säumen den Ort, wo sonst Hunderte wohnen,
    Paläste von düsteren Schlüsselpatronen,
    Denen Nachsaisonkühle die Flure bereinigt,
    Bis dass kein Gebrunst mehr die Einsamkeit peinigt,
    Für die – insgeheim – diese Straßen geschaffen
    Als der Welt letztes WLAN-Netz-Schutzreservat,

    Das in dem Moment Parasiten begaffen
    Zur Planung von Kaper- und Brandschatzerfahrt
    Auf Buchungsportalen und in Katalogen,
    Weil man zur Erholung sich einnisten will.

    Derweil sind wir zwei durch die Gassen gezogen
    Und war’n im Gealber so unglaublich still.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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