Achtzeiler

Tree of Life & das vierhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Waschbären im Tree of Life Cahuita

Trotz traurigen Anblicks - die Jungs sind zur Erholung und baldigen Auswilderung eingekerkert.

Auf, du Schmutzfink, Hände waschen! (Remix autoritär)

Sollt' ich dich je ungewaschen erwischen
Kommst du hinter Maschendraht!
Wag es nicht, mir aufzutischen:
"Aber ich wollt' wirklich grad ...!"
Reinlichkeit ist heutzutage
Einfach keine Zeitpunktfrage
Wer nur einen Waschgang spart
Landet hinter Maschendraht!

Cahuita National Park & das vierhundertdreiundsechzigste Gedicht

Palmenviper

Wem man so alles beim Spazieren in Baumrinden begegnet! Die Auflösung zur Frage giftig/nichtgiftig liefert meine "Wild Animals of Costa Rica"-Faltkarte (ja, ich bin ein Nerd!): Es handelt sich um eine Palmenviper, ziemlich giftig.

Schlangenbegegnung

Hm. Die könnte giftig sein ...
"Schlimm, wenn man da schief liegt!" Nein,
Schlimm wär, wenn man so schief liegt
Dass man voll die Biege kriegt
Bis man flach am Boden liegt
Und die Lebenskraft versiegt!

Der Grund legt uns dann triftig nah
Dass dieses Tier wohl giftig war

Cartago & das vierhunderteinundsechzigste Gedicht

Cartago Basilica of Our Lady of the Angels

Sakralbauten

Ich mach nicht drei Kreuze, ich mach nicht mal eins
Ich bin hier beim Abendmahl wegen des Weins
Doch kann ich mir auch nach drei Bier nich erklär'n
Wieso, irgendwie, wenn die Kirchen nich wär'n
Den Städtebesuchen ein Ankerpunkt fehlte
Den vorher vermutlich dies Bauwerk beseelte
Das all dem Gequake befehligt zu schweigen

Denn es spiel'n nicht die Menschen, es spielen die Geigen

Dezembersonne & das vierhundertfünfzigste Gedicht

Isarauen

Die Milde der Dezembertage

Und ein Friedensangebot
Pupst sich aus dem Himmel
Lächelnd weicht der Kältetod
Weihnachtsmarktgebimmel

Fühl dich wie ein Lämmchen, dem
Nie ein Leid geschieht!
Wenn der Frost auch - trau, schau, wem!
Schon sein Messer zieht

Unzugvögel & das vierhundertzweiundvierzigste Gedicht

Der Rest

Nein, keiner von uns klagt der Schmerzen
Die noch vom November verschuldet
Gewärmt von verbitterten Scherzen
Fühlt jeder sich etwas geduldet

Wir kennen die Grauheit der Gräuel
Uns muss man im Grunde nichts zeigen
Wir dulden des Winters Geheuel
Und die nicht gleich sterben, die schweigen

Bahnhof Göttingen & das vierhundertachtunddreißigste Gedicht

Göttingen

Der erste Winter

Wer im Schnee die Meisen tötet
Wird es schwerlich spurlos tun
Jeder Schlachtplatz warnt errötet
Dass die Mörder niemals ruh'n

Schlucken erst die Sonnenblenden
Still und stetig das Verenden
Wird man jeder Wahl verwaisen
Im Jahrhundert ohne Meisen

Knödel & das vierhundertsechsundzwanzigste Gedicht

Karlsbrücke

Kein Knödelgedicht

Bedichte ich euch Knödelein
Schleicht immer sich ein Dödel rein

Der Schleimspucker scheint - ob kompakt oder länglich
Als Reim auf euch wohl unumgänglich
Und der würd' alles schier verderben
So muss der Plan des Verses sterben

Wie gern ich auch euch Knödel preise
Echt nich auf so 'ne blöde Weise!

Basel & das vierhundertsiebte Gedicht

Basel Rheinufer

Gold

Plötzlich schweift um dich Gold der besonderen Welten
Als Essenz von dem Wunsch, dieses Sein zu erhalten
Doch die Delle des Eindrucks verdümpelt im Selten
Und über die Jahre wird alles zum Alten

Obgleich immer öfter die Züge entgleisen
Und täglich es schwant: Du wirst nie wieder reisen
Sind auch die Tresore schon restlos geleert -
Das Wissen vom Gold verliert niemals an Wert

Münchner Schatten & das vierhundertdritte Gedicht

München Stadtsilhoette

Vember

Der novemberigste aller November
Schleicht durch die Nässe der Schuhe sich ein
Es ist seine Düsternis längst nicht mehr stemmbar
Das "ohne dich" formt sich erst jetzt zum "allein"

Selbst der Regen scheint heute im Regen-Sein traurig
Und es sind vor dem Vorschlag schon alle dagegen
Vom Busbahnhofsdach überschüttet das Grau mich
Im Blättermatsch spiegeln sich nichts und der Regen

Museumsquartier & das dreihundertdreiundneunzigste Gedicht

Ägyptisches Museum München

Wieder daheim. Für ein paar Tage.

Brot & Spiele

Und alles verstellt sich, ein Arschloch zu sein
Und jeder schreit: "Alles wird alles verändern."
Und was dir ein "Ja, ..." scheint, heißt eigentlich "Nein!"
Ein "Einmal wie immer!" in neuen Gewändern

Wir wissen: Das is nix - das kann auch nix werden
Wie sehr sich die Herrn auch als Wilde gebärden
Hier herrscht keine Verbindlichkeit
Wir sickern saftlos durch die Zeit

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