Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

KÜStenKArneval & das neunhundertsiebenundvierzigste Gedicht

Flug nach Swakopmund

Nach der Unabhängigkeit

Ich steh' an einer Plüschbar
Vom Skakopmunder Küska
Am Rande des Verstands

Hier, wo sich alte Zeiten
Ein kleines Jetzt bereiten
Im Schoß verlor'nen Lands

Das, was aus alten Bauten
Die Einstigen beschauten
Ruft scheu noch sein Helau

Ein Stückchen Nordseebade
Im Glück der Maskerade ...

Entplüscht es nicht zu rau!

Etoshapfanne & das neunhundertdreiundvierzigste Gedicht

Etoshapfanne

Etoshapfanne

Greift die Weite nicht mehr breiter
Geht es an den Seiten weiter

Mit dem voll entleerten Feld
Misst sich nur das Himmelszelt

Strauß & das neunhunderteinundvierzigste Gedicht

Vogelstrauß an der Ausers Lodge

Vogelstrauß

Natürlich fliegt der Vogelstrauß
Und sieht dabei viel nobler aus
Als Biologen ahnen

Doch zieht er bislang unentdeckt
Und wissenschaftlich inkorrekt
Am Himmel seine Bahnen

Wenn er die Stummelflügel weitet
Und lügnerisch durchs Umland gleitet
Zerrüttet er als "wenig klug"
Das Wissen übern Vogelflug

Und weil das auch die Lehre checkt
Bleibt solche Flugkunst unentdeckt

Sossusfly & das neunhundertachtunddreißigste Gedicht

Flug über die Namib

Wüstenblick

Winde schaben die Konturen
Schatten werfen die Schraffuren
Und erteil'n ihre Lehrstunde Geometrie
Büsche tüpfeln Kleckskontraste
Gott drückt die Beleuchtungstaste
Zur Sonnenstrahlneigungsgradfarbsymphonie

Und am Ende ist alles nur, alles nur Sand
Ein jegliches Leben verdunstender Strand

Impalas & das neunhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Impalas im Chobe Nationalpark

Die gewöhnlichen Felle

Die gewöhnlichen Felle
Provozier'n keine Welle
Sind nicht mal den Druck eines Auslösers wert

Die Geschöpfe der Masse
Aus dem Graufeld der Klasse
Sind der Abstand zu Dingen, um die man sich schert

Dead Vlei & das neunhundertsechsunddreißigste Gedicht

Dead Vlei

Dead Vlei

Hierhin kommt ganz sicher kein Fluss mehr vorbei
Für so viel Hoffnung reicht nicht der Platz auf der Welt
Nur der Lehm der Erinnerung bettet dies Vlei
Und die Gegenwart wirkt wie daneben gestellt

Wasserbock & das neunhunderteinunddreißigste Gedicht

Wasserbock in der Auas Lodge

Begegnung im Busch

Starr
In War-
Teposition
Regungslos erregt
Steh'n
Wir konzentriert auf's Seh'n
Ob sich was bewegt
Ich fixier'
Das fixe Tier
Und werd' zurückfixiert
Bis ein Zuck
Vom Atemruck
Sich ins Bild verirrt
Der die Spannung seitwärts lenkt
Und das Tier nach links versprengt

Dennoch wurden heute hier
Für der Augenblicke vier
Von uns zwei jäh Aufeinandergeprallten
Alle Uhren angehalten

Namib & das neunhundertdreißigste Gedicht

Namibwüste

Fotos in Thesen

Was die Sonne am Mittag so aussaugt an Farbe
Das spuckt sie zur Dämmerung fünfstellig aus
Dann steh‘n Fotografen mit hilfloser Habe
Knipsend, knicksend
Pixeltricksend
In stetig versagenden Abbildungsstaus

Kulturforum & das neunhundertzwanzigste Gedicht

Kulturforum und Potsdamer Platz

Spaghettieis (Die Konstanten des Lebens)

Ein Teil deines Zaubers ist die Profanität
Wenn nach lustlosem Scannen der Eisbecherkarte
Vorm "Ach, das klingt auch lecker!" klar wird: Zu spät!
Denn bevor ich auf eigne Entscheidungen warte
Heißt es: "Einmal Spaghettieis - ganz normal!"
Drei Sorten zur Auswahl - klar, weiß ich, egal!
Inmitten von hunderten Fruchtkreationen
Die sich schon allein ob des Obstwertes lohnen
Brütet kühl jener Standard ganz ohne Verkleidung
Und die Wahl, die auf ihn fällt, ist keine Entscheidung

Will: Dieses fädrig verwob'ne Vanillegekräusel
Unter erbeerversüßendem Saucenbehang
Und den weißschokoknackigen Fettzuckerstreusel!

Ein mit meiner Kindheit verknoteter Zwang

Und auf dem Grat zum Ewig Gerne
Genieß ich, dass die tief im Kerne
Eis geword'ne Sahne is
Schon von der Haptik Leckerbiss!

Doch ahn ich wohl, dass eines Tages
Sitz ich in 'nem Café und wag es
Am Standard vorbei etwas andres zu wählen

Fortan wird auch dort dann die Auswahl mich quälen

Burghausen & das neunhundertzwölfte Gedicht

Burghauen weltlängste Burg

Auf Burgbesuch

Jenes stur bewahrte Früher war dereinst ja auch ein Jetzt
Um's "Schaffe ich's in diese Burg rein?" hat man sich mal arg gefetzt

Dementsprechend eingemauert
Wurden Zeiten überdauert
Zwar trutzt die Feste immer noch
Doch killt die Distinktion ein Loch

Und alles Für- und Wieder-Erwägen über das Riskier'n von Qualen
Reduziert sich zu der Frage: "Willst du so viel Eintritt zahlen?"

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