Politik

Gedichte mit politischem Hintergrund oder entsprechender Attitüde.

Granitbewuchs & das zweitausendeinhundertzweiundsechzigste Gedicht

Bewuchs der Granitfelsen bei Vardo

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Alle Lieben in einem Leib (Todo en un solo cuerpo)

Denk ich an Liebe in der Nacht,
Fragt mich meine Muse, ob ich je bedacht,
Welche der Lieben - soweit mir bekannt,
Sei die bekrönenswert schönste im Land.

Nun, alle sind die Schönsten hier. Und überall!
Bei mancher sind männliche Mienen der Fall,
Der sie antreibt zum Himmelsritt über die Sterne,
And're seh'n den Poem einer Weiblichkeit gerne,
Mal ist's Heftigkeit, wonach die Hüften begehren,
Mal sind's Scham, Brüste, Straffheit, die alles verzehren.
Und doch ist es nicht mehr als 'ne Wahl, die man traf,
Einer Vorliebe, die keiner Wertung bedarf.

Um im gleichen Recht auf Liebe zu koexistieren,
Lasst uns nun gemeinsam zum Kreuzzug marschieren,
Die patriarchalen Strukturen planieren,
Die Mauern der sturen Zensur ruinieren!

Wir sind Feministen, Dissidenten, ein Heer -
Und die Zügel der Zeit sollen brennen!
Lesben, schwarz, Prostituierte und mehr -
In aller Verschiedenheit nicht mehr zu trennen:

Ein Leib einer Zukunft auf wertem Niveau!
Go women, go! Go women, go!

Düsseldorf & das zweitausendeinhundertachtundfünfzigste Gedicht

Blick auf den Rhein von der Düsseldorfer Altstadt

Grundloses Aufatmen

Atmen - Atem - atmen - Atem,
Füllen - Leere - füllen - Leere,
Etwas Angst vor Ungegartem,
Vor dem Schnitt der Wohlstandsschere,

Sog, Druck und Erleichterung,
Fern vom einst erreichten Schwung,
Doch im Schoß entfleischter Süße
Übt das Ebenmaß Tumult
Und bestellt der Schongeduld
Schöngefärbte Grüße.

Herzogstandpatina & das zweitausendeinhundertvierundzwanzigste Gedicht

Blick auf den Herzogstand vom Walchensee

Über Aufmerksamkeiten

Es mag da zwar qua Hysterie
Die Welt sich schneller drehen,
Doch Überdrehtheit lässt sich nie
- was gut ist - übersehen.

Königssee & das zweitausendeinhundertachtzehnte Gedicht

Blick von St. Bartholomä Richtung Schönau am Königssee

In den Echokammern

Oh, es dürsten solch guideklamme, teigige Zeiten
Nach zackigstramm likebaren Eindeutigkeiten!

Obersee & das zweitausendeinhundertsechzehnte Gedicht

Der Obersee beim Königssee

Vulnerabel

Wo 'ne Autorität
Nur besteht
Als Gebaren,
Sind alle Kinder allein zuhaus.

Bis sich jemand ergeht
Als Prophet
Von Gefahren.

Schon drängt's sie nur schnellstmöglich raus.

Kostol Svätej Alžbety & das zweitausendeinhundertsechste Gedicht

Die Sankt-Elisabeth-Kirche in Bratislava, die blaue Kirche

Der Deutungshoheits neue Kleider

Die Affektfreudigkeit des pastelligen Tons
Ist oversexed und underfucked,
Ein schwammiges Meer von Geplärr ohne bones,
Ein opulentes Kleid ums Nackt.

Die Affektfreudigkeit des pastelligen Tons
Ist bloß nach Recherche zu finden.
Lohnt sich sich solche Müh? Nun, sie rüstet dich schon
Für die Konversation mit den Blinden.

Zaha Hadids Skypark & das zweitausendeinhundertfünfte Gedicht

Zaha Hadids Gebäude im Skypark Bratislava

Sozialistische Bauweise

Wenn man Türmen versagt
Sich zu überragen,
Verlier'n sie den Eifer der Höhe.

Statt von Ehrgeiz zernagt,
Eicht sie dann das Behagen
Ihrer Standhaftigkeit vor der Böe.

Santiago de Cuba & das zweitausenddreiundneunzigste Gedicht

in der Altstadt von Santiago de Cuba

Santiago de Cuba (von der Rooftopbar betrachtet)

Santiago klingt wie ein Verbrechername,
Nach 'nem Schurken mit reinem Gewissen.
Der verkneift sich die Schimpfwörter vor einer Dame -
Die Manieren nicht vollends verschlissen
Und im Innern die Sehnsucht nach schöngeist'gem Leben,
Nach Porch, Poesie und Pompon,
Im Schoß eines Lichts, das sich müht zu vergeben,
Wenn Läuterung bricht den Kokon.

Der Schwitzkasten früherer Notwendigkeiten
Verrohte gewöhnlich den Ton.
Mag Santiago auch niemand zum Tisch mehr geleiten,
Versöhnt man sich mit seinem Sohn.

Kampfhähne & das zweitausendachtundachtzigste Gedicht

Frisch rasierte Kampfhähne in Las Terrazas

Grenzen (Update für die Aufgestaut-Fahrgastrechte)

Ziert sich hier wer, uns zu parieren,
Werd'n wir massivstens einmarschieren!
Krakeelt dann auch die Welt - was soll's?!
Was zählt, ist einzig Buslands Stolz!

Santa Clara & das zweitausendzweiundachtzigste Gedicht

Monumento Memorial Che Guevara in Santa Clara

Nach dem Sieg

Aber sollten sich siegreiche Revolutionen
Für frühere Knechte nicht spürbarer lohnen?
Macht das Che schee, Fidel fidel?
Ich denke "nee" in tiefrer Seel' -

Anstatt all das Volk vor sich selbst zu beschützen,
Wär's Zeit, die erstrittene Freiheit zu nützen.

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