Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Zehnzeiler


  • Nebenkanäle & das fünfhundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Venedig Kanäle

    Venedig

    Dieser trubelversandende Abzweig führt
    Als einer wie andre zum Anschein vom Fernab
    Maskiert als ein Fleck, der galant unberührt
    Hier wechselt die Strömung nach „wie ich’s grad gern hab!“

    Schon ist der Kanal nur noch Spiel mit der Ruhe
    Und schwappt so gelinde zum Klappern der Schuhe

    Man irrt wie auf Ansage durch diese Gassen
    Die wirken wie gleichsam verirrt in die Stadt
    Gespurt über solch atmosphärende Trassen
    Ist man vielleicht skeptisch, doch sicher nicht satt!


  • Berlinale & das fünfhundertsechzehnte Gedicht

    Berlinale 2017, Potsdamer Platz Arkaden

    Der Start in in dritte Woche nach Re-Aktivierung dieses Blogs. Wie versprochen, soll es 2017 fünf Gedichte pro Woche geben. Eigentlich an jedem Werktag. Aber manchmal bin ich als mobiler Offliner etwas spät dran … Geduld – am Ende werden es spätestens zum Sonntag fünf Gedichte sein!

    Bärenhunger

    Ein paar Tage vor dem Fasten
    Hasten all die Cineasten
    Nach Berlin – zur Berlinale
    Und verteilen zum Finale
    Fast erlegt – das Fell der Bären
    Unter den’n, die fällig wären

    Den’n hingegen nichts verlieh’n
    Die da hungern statt zu fasten –
    Sie dreh’n sich nochmal gen Berlin
    So wie fast alle Cineasten


  • Nullbalkenparadies & das vierhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Rincon Playa

    Null Balken Ewigkeit

    Das meiste der Welt findet hier gar nicht statt
    Ich bekomm‘ hier noch nicht mal ’n Handysignal
    Und doch gibt’s hier Arten und Daseinsdruck satt
    Erscheint ob der Vielfalt so vieles egal

    Bald werd‘ ich mich wieder bei Facebook einloggen
    Mir für einen Link-Wink die Seele ausbloggen
    Als hätt‘ ich es nicht hier – fast schwelgend – genossen
    Den Wellen zu lauschen
    Dem schäumenden Rauschen
    Im Off von den Strömen der Daten umflossen


  • Poor Man’s Paradise Garten & das vierhundertzweiundneunzigste Gedicht

    Tukan in der Drake Bay

    Die Röstung

    Der hässliche Kaffee kann sehr hässlich sein
    Doch schmeckt er auch grässlich – er muss in mich rein!
    Das bin ich den Bohnen
    Die tief in ihm wohnen
    Gereift und geröstet, doch mindestens schuldig
    Man kann sich gewöhnen
    Ans Schluck-um-Schluck-Stöhnen
    Die tropische Bergwelt gebahr ihn geduldig!

    Protestiert auch der Gaumen und der Magen sagt: „Nee!“
    Er bleibt als Vermutung noch immer: Kaffee


  • Osa & das vierhundertachtundachtzigste Gedicht

    Rincon Playa

    Zurück am Entstehungsort meines Gedichts „Hinten im Korn“ – elf Jahre später.

    Der Wege wegen

    Wenn ich ’nen Pfad hark‘
    Dann tu ich’s im Park
    Denn draußen vom Park
    Steht kein Harkzeug parat
    Was auch weiter nicht schad‘
    Weil dort gibt’s auch kein‘ Pfad
    Denn wenn ich ’nen Pfad hark‘
    Dann tu ich’s im Park

    (Es braucht ja gar kein Argument –
    Man tut nur das, was man auch kennt)


  • Pazifik & das vierhundertdreiundachtzigste Gedicht

    Küste bei Quepos

    Der Überflüssige

    Ich hab mich mit einigen Wassern gewaschen
    Verkühlt an dem Inhalt von mancherlei Flaschen
    Bin stetig in innere Bäder versunken
    Ein guter Freund lobt: „Der ist ständig betrunken!“

    Wie schmal auch der Flaschenhals – ich ließ es fließen
    Den Strom meines Reibachs in Gläser ergießen

    Dir, Wirt, jedenfalls blieb ich niemals was schuldig
    Drum bleib auch im Überdruss etwas geduldig!

    Wir kriegen das gewisslich hin
    Wenn ich erst wieder flüssig bin!


  • Spinne, bunt & das vierhundertsechsundsiebzigste Gedicht

    image

    Wem man so beim Spaziergang begegnet. Auf vielfachem Wunsch: ein Spinnengedicht! Was man nicht sieht: Im Netz hing ein wunderschöner, halb verwitterter Morphofalter.

    Die binomischen Formeln der Insektenphobie

    Spinnen drinnen?
    Braucht man Mut!
    Spinnen draußen?
    Auch nicht gut …!
    Und in Spinnen innendrin?
    Klingt nicht grad nach Hauptgewinn!

    Gut? … da alle einig grienen
    Widmen wir uns nun den Bienen:
    Bienen drinnen?
    Etc. etc.


  • Panama & das vierhundertdreiundsiebzigste Gedicht

    image

    Oh, wie schön ist Ramadan

    Oh, wie schön ist Ramadan
    Und erst der Fünfjahresplan!
    Das Glaubensbekenntnis und Leistungsprinzip
    Die Nutzungserlaubnis – ich hab euch so lieb!

    Ach, wie rar ist Schönheit erst
    Die du frontal überfährst
    Weil dir jed‘ Pamphlet gefällt
    Das zerregelt diese Welt!

    Oh, wie schön ist Ramadan …
    Nee, da haste dir vertan!


  • Brüllaffe & das vierhundertachtundsechzigste Gedicht

    Brüllaffe

    Wem man so alles im Garten begegnet. Das tatsächlich lauteste Tier der Welt. Versammelt sich jeden Morgen um halb Acht neben meiner Hütte und grölt.

    Brüllaffe (Punks not dead)

    Du musst nicht gut sein, aber laut
    Wer hätte dir das zugetraut
    Dass all die streng gesetzten Hürden
    Dich gar nicht int’ressieren würden?
    (Derweil sie denken, du kannst nicht versteh’n
    Hangelst du dich von der Acht auf die Zehn)
    Und mosert wer: „Ganz schön bequem!“ – sagst du: „Nein
    Die Lautstärke Halten kann anstrengend sein!“
    Wo And’re von And’ren Gelehrtes verwalten
    Musst du stetig Nichts zu was Großem gestalten


  • Kaiman & das vierhundertsechsundsechzigste Gedicht

    image

    Wem man so alles im Garten begegnet. Ich hatte die unruhigen Bewegungen im Teich hinter meiner Hütte immer für einen nervösen großen Fisch gehalten. Heute sehe ich: Es ist ein – wenn auch sehr kleines – Krokodil! Da habe ich mich schon gewundert. Im Bild unten rechts zwischen den zwei Halmen ein wenig zu erkennen.

    Kindliches Schoßgedicht zur neckischen Angsteinflößung

    Da ist
    Ein Krokodil im Gartenteich!
    Erwartete nur Krötenlaich
    Rasch abgetaucht zwar, sah ich gleich:
    Da harrte was im Gartenteich!

    Was frisst
    Im Gartenteich ein Krokodil?
    In seinem Reich gibt’s nicht so viel …
    Es will doch wachsen? Sicherlich
    Wenn du kurz wegguckst – frisst es dich!


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