Schau, mein Schätzchen, merkste, gell:
Heute wird es nicht mehr hell!?
Ein mordend Himmel, drückend gräulich,
Als hätte morgens ohne Scheu sich
Der Herrgott mit dreckigem Arsch auf den Horizont gesetzt
Und ihn schmierig geformt zu dem stickigen Jetzt,
Das sich hoffnungstaub als neuer Tag präsentiert
Und den Schmerz in uns nagt, dass auch nichts mehr passiert.
Später fällt nur noch mehr Regen.
Die Helligkeit des Gelbs ist längst
Mit den Vögeln gen Süden gefloh’n.
‚Die Kälte quält sich selber!‘, denkst
Du, weil’s möglich wär, sich zu verschon’n.
Als gelt‘ es, schnell der Hässlichkeit
Und Müdigkeit Leben zu opfern,
Gellt’s allher: “ … dass Ihr endlich seid!“,
Werden Blätter zu Rinnsteinverstopfern.
Im ständig währ’nden Regenguss
Drängelt alles eh gen Schluss –
Und unbarmherzig bellt sein Biss,
Dass dies noch sehr, sehr lang so is‘ …
Der braungebrannte Krumbelag glänzt letzte Kuvertüren,
Ein zartbrutaler Sommertag lässt Welt das Ächzen spüren,
Am Waldrand ringt sich letztes Bäumen gegen sein Verderben
Und jede Wolke trottet treulich spätzuspät ins Gerben.
Den Stau der von Marmor geglätteten Kühle
Flattert kühn eine Schwalbe aus Warmluft entzwei,
Ein Wind drängt die schwerfällig dreharme Mühle
Zum Durchwirbeln der zeitlosen Aircraft-Kartei.
Mancher Hauch ist hier auch schon vorm Zeitmaß gewesen,
Riecht kellerdunstschmauchig, jahrhundertbelesen,
Ist vom Blitztakt des Lichtspiels nur passiventzückt,
In platzhirschgebührende Langmut entrückt.
Wie verlahmt schlurft mein Dasein mit latschigem Schritt –
Der gewinnt erst im Nachhall der Architektur!
Die bewahrt ihren Wert und veredelt mich mit –
Ich fühl mich beheimischt trotz Sightseeing pur.
Und geschmeidig befächelt von Grade-Kaskaden,
Ein Lächeln vom Bad in den alten Arkaden,
Bestürmt frühe Anmut die Sehnsucht der Haut –
Ich bin von der Straßen Zug gleichsam erbaut.
Für ein kleines „Erledigt!“ als Wohlfühlmoment
Gibt das Abendrot dir grünes Licht.
In der Haut schlummert Sonne, die immer noch brennt
Und die Nacht löscht in Schönheit das Licht.
In Berlin ist der Regen am grausten
Und treibt durch die Straßen wie desint’ressiert
An all der temporär enthausten
Unwürdigkeit, die da frömmelnd spaziert
Und irrt
Und irrt.
Und irrt.
(Man will etwas Spirit ja trotzdem erleben.)
Und immer nasser,
Blasser
Wird.
(Hier wirkt aller Abschaum nur herrlich daneben!)
Es belächelt die Stadt die zerzausten
Schöpfe, die ohne Berechtigung sind.
In Berlin ist der Regen am grausten
Und aus dir nieselt immer noch Schönheit, mein Kind!