Ich möchte gern auf großen Plätzen
Dich bei der Wirklichkeit verpetzen
Schnell abtauchen ins Einerlei
Im tiefen Tale, göttlich high
Und dann, erschöpft vom Nichts-Erleben
Wie Schauspieler die Röcke heben
Auch wenn noch ein paar Madagaskar-Reprisen hier veröffentlicht werden, muss dieses Gedichttagebuch dem Umstand Rechnung tragen, dass ich bereits knapp zwei Wochen zurück bin im herbstlichen Deutschland und auch schon einige Tour-Stationen abgereist bin, die sich in der Warteschlange stauen. Z. B. Singen.
Romantische Zugfahrt
Von Singen bis nach Immendingen
Hatte ich sein Dingen drinnen
Der Halt in Engen war vergnüglich
Und meine Reiterei vorzüglich
In Hausach sagte ich „Gut Nacht!“
Und mein rosiger Hintern – er lächelte sacht
Da ich hier auf La Digue lieg
Und gut vier Kilo mehr wieg
Im Einklang mit dem Wellengang
Erschnarche ich mir Walgesang
In einem Paradies aus Sand
Bin ich ganz Meer, bin ich ganz Strand
In Afrikas roter Erde steckt die Kraft von sechshundert Sonnenorangen
Und der Schweiß aller Bürden der Menschheitsgeschichte
Aus den narbig durchpflügten Landwirtschaftsloungen
Spritzt das Futter für rüstige Reiseberichte
So anders, doch: „Was war ich da!“
Im kurz entblößtem Unsichtbar
Helgoland und Legoland
Küssten sich auf Sansibar
Was die Helga „Köstlich!“ fand
Und ihr Mann, der Leonhard
Sprach sodann – nach Beo-Art:
„Siagst, die zwoa san a a Paar!“
Diese Zeile hat noch gar keinen Dunst, wo sie endet
Und auch dieser hier werde ich das nicht verraten
Diese glaubt, dass sich durch ihr Dazutun was wendet
Und nun steh’n sie zu viert hier geschrieben – und warten
Sich im Ist einzurichten, klingt manchmal gescheiter
Denn oft geht’s im Leben ja gar nicht groß weiter
Was hab’n wir nicht alles schon tot hier begraben?
Und nichts hallt noch nach, bist du, Freund, nicht Museum
Doch du bist nicht Museum – Museum? Du nicht
Wir zwäng’n uns in engste Erinnerungswaben
Und all unsre Bilder und Schilder, die Wildheit
Fall’n eine Welt später nicht mehr ins Gewicht