Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Na, das ist so der Weg hin zum Supermarkt –
Der war früher völlig normal.
Und hier hab ich immer mein Radel geparkt,
Mit links und rechts einem Pedal.
Und das ist so der Weg zu ’ner jetzigen Ex –
Die hab ich einst öfter besucht.
Da gab’s den per Treffen vereinbarten Sex –
Ich war damals oft überbucht.
Und dort ist so der Weg zu dem S-Bahnhof hin –
Den konnte ich damals im Schlaf!
Der macht ohne Fahrtziel nicht allzu viel Sinn
Und an Zielen besteht kein Bedarf!
Und das ist so der Weg, da gab ich stets den Guide,
Um den Stadtteil auch günstig zu zeigen.
Jeder Weg führt in nunmehr vergangene Zeit –
Da nannt‘ ich die Stadt noch mein eigen …
Wenn ein brennender Schmerz eine Kühlung erfährt,
Übersteigt doch sein Labsal das Vordemnormal.
Und darum erscheint mir das Unversehrtbleiben
Zu unnuanciert als ein Lebensideal.
Es sind grillende Burschen mir überunheimlich –
Mir scheint ja, die mögen das Menschenzerschlagen!
Sie frönen dem Bierdurst, den gerne bereim‘ ich –
Und trotzdem: Mir schwant, dass wir uns nicht vertragen …
Es ist auch die Musik, die den Abstandswall gräbt –
Technoide Boliden, die hart überdreht
Mir einhämmern: „Du kriegst gleich eine geklebt!“
Ein Rost voller Masku/Muskelinität.
Ja, vielleicht habt ihr recht „Die woll’n einfach nur feiern!?“,
Doch stiekum versuch‘ ich vorüberzueiern …
Nun, da ich nur noch Vergangenheit hab,
Vermag ich mich nicht zu erinnern.
Eine Fuhre Erfahrung rutscht runter ins Grab –
Die gönnte ich Lebensbeginnern.
Meiner Schiffbrüchigkeit trutzt ein bosnisches Eiland
– doch bringt mir das Steuerrad nichts mehr zurück.
Es ist meinem Sandsein ein strandhafter Beistand
Beim Buddeln nach einem vergessenen Glück.
Das Dämmern meiner Müdigkeit
Umrandet meine Lider.
Die Augen reißen sie herauf –
Dann senken sie sich wieder …
Und Sehnen macht sich in mir breit,
Massiert von einem Schlafbedarf –
Vor mir türmt sich ein Seufzen auf,
Wie weit neigt sich die DunkelheitNoch in die Kinderzimmer?
Wie lang noch weitet sich die ZeitVorm bindend gelt’nden „Nimmer“?
Den Schatten scheint jeglicher Raum reserviert.
„Da gewöhn ich mich später dran …“, denkste.
Doch sie kümmert es nicht, wer hier wie reagiert –
Schon exakte Portraits deiner Ängste.
Wie nah sind wir schon einem TreckVon dauernden Verlusten?
Wie kurz greift unser Privileg,Dass wir davon nichts wussten?
Ein Ausblick zu sein, der sich niemals verändert,
An dem keine Wellenbewegung sich bricht,
Der lässig seit Anbeginn alles begendert,
Der nimmer verstummt und Verlässlichkeit spricht …
Das steckt man zum Ziel sich – doch ist der Weg weit.
Und plötzlich verreckst du an Kurzatmigkeit.
Lenz der Grenzentänzelei –
Jeder Trennstrich einerlei,
Nun erfolgreich eingeparkt
Und einander unterhakt.
Unverbindlich und verbunden,
Grenzen gänzlich überwunden –
So erkund ich unerkannt
Dieses nun als jenes Land.
In dem Ort hängen immer noch Werbehinweise
Von längst aufgegebenen Läden.
„Wen trifft’s wohl als Nächstes?“, umflüstert’s sie leise –
Und das Schicksal schreit an die Wand: „Jeden.“
Ich würde mich an die Gerechtigkeit ketten,
Um irgendein Gut vor dem Schlechten zu retten,
Ganz unterkühlt von Traurigkeit …
Man fühlt die aufgebrauchte Zeit.