Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Ich will stille Andacht halten
Vor dem Meistertum der Alten
Meister,
Wispernd: „Darum heißt’Er
So!?“.
Meist perlt Meisterschaftsniveau
Von Personen, die mehr schaffen
Als die meisten andern Affen.
Und Schöpfung, die die Welt begeistert,
Viele weit’re Leben meistert.
Das große Ade stimmt die Querflöte an
Und die Schwermut zwingt alle zu singen,
Dass Linie fortan nicht mehr Linie sein kann,
Bis auch uns / graue Wolken verschlingen.
Das große Hallo spielt den öffnenden Tusch
Und die Vorfreude drängt uns zu tanzen.
Sie zischt in die letzten Verstecke: „Husch, husch!“
Und ich mag / mich in Skepsis verschanzen.
Als schützten dich milde Barrieren,
Staut das Grauen sich vor deiner Welt.
Noch lässt sich ein Zutritt verwehren,
Noch stützt, was entgegen gestellt.
Doch die Unbändigkeit der Bedrohung
Spürt, dass Kraft sich bald lautstark entlädt.
Und du alterst in jene Verrohung,
Die ungerührt schon nach dir späht.
Auch ich fühlte einstmals mich sicher,
Auch mir hielt ein kindlicher Deich
Mein niedlich geblümtes Gekicher.
Nun bin ich von Unglück so reich.
Nun, als zahmer Täter schlüpft dein Los
In kleidsame Versprechen.
Doch hält es all die Zügel bloß,
Um später auszubrechen.
Ich benötige rasch etwas Körper in mir,
Meine Haut ist vom Leiden so leer.
Und nun drängle ich quengelnd durchs Gästequartier,
Als gäb‘ es die Hausbank nicht mehr.
Hier gehören doch andere Lösungen hin,
Wenn der Alltag sich so übernimmt,
Dass sein ganzes Gehöft sich entledigt vom Sinn
Und nichts mehr im Blutkreislauf stimmt!
Bin wohl längst nicht mehr bei mir, finde auch nicht zum Du –
Gewiss ist alleine die Störung.
In die Ferne rückt frühere Sehnsucht nach Ruh –
Alles zerdrückt von Empörung.
Die Wespen schwärmen hungrig aus
Und stehlen den Motten ihr Licht.
Selbst der kundigste Waidmann trägt nichts mehr nach Haus,
Er sieht sich nicht mal in der Pflicht.
Der Sommer schwenkt das Hungertuch,
Doch schon längst wird an Zähnen genagt.
Treuer Unmissverstand ziert des Jahreslaufs Fluch,
Der hatte im Schatten geparkt.
Du predigst stoisch Zuversicht,
Aber irgendein Jahr gilt zuletzt.
Wie der Frühling uns einwebt im einstfernen Licht,
Verschanzt sich der Zauber vorm Jetzt.
Du traust dem Kreislauf alles zu,
Doch ein Blatt fällt, das scheint überreizt.
All das Wespengeschwirr billigt mir keine Ruh.
Vor Herbst wird der Stammbaum verheizt.
Das letzte Fass Bier, das wir leerten,
Steht gedanklich auf meinem Balkon.
Wir war’n nicht die tiefsten Gefährten –
Doch der Durst ward nicht mürbe davon.
Das letzte Fass Bier, das wir leerten
So, als stürbe schon morgen die Chance,
Wenn wir sie uns heute nicht währten
In dem blinden Eck meines Balkons.
Der Durst ist mir seither geblieben.
Als Erinnerung, die wir gestillt.
Als Rat, dieses Dasein zu lieben,