Ach, wie elend lang war ich nun hier nicht mehr da!
Ich fürchte mich vor dem Versprechen,
Ich machte mich fortan nie wieder so rar –
Solch Leichtfertigkeit wird sich rächen!
Unser Wiederseh’n ächzt unter Melancholie –
Wie viel Tonnen davon kann man tragen?
Wir befinden, spät sei ja doch besser als nie
Und man könne sich gar nicht beklagen.
Wenn ich „Stimmt so!“ sag, mein ich: „Behalte den Rest gern
Für dich!“ – hier verlangt’s niemand nach Kommentaren!
Mein Ich, das hier rumstreunt, kommt immer von Gestern
Und grüßt die Gefährten, die wir einmal waren.
Ein Flugzeug äußert still Protest,
Als sich der Zug erhebt.
Ich halte mit den Augen fest,
Was dort am Boden klebt:
Felder, Wälder, Schrebergärten,
Zum Finale: der Kanal.
Dann senkt alle Zuggefährten
Erdanziehungskräft’ger Stahl.
Die Zeit, da Überwindungssieger
Sich auf den flieg’nden Teppich wagen
Ist kurz. Und kühl moniert der Flieger
Herab: „Ich wollte grad schon sagen …!“
An einer Straße, auf der tagelang gar nichts geschieht,
Rauschen unüberhörbar die Bäume.
Der Leerstand erobert sich weiter Gebiet,
Birgt verlässlich verlassene Träume.
Ein lässiger Marder nach drüben flaniert –
Der kennt jedes Auto seit Jahren.
Er wird von der Nachbarschaft sehr akzeptiert
Und irgendwann doch überfahren.
„Achtung, eine Zugdurchfahrt!“,
Warnt’s vom Bahnhof hinein in die Stille –
Auf die hat man fast zwei Jahrzehnte gespart.
Und ein junges Blatt macht killekille.
Ich hab zwei der letzten 500 geseh’n –
Jetzt gilt es mich selber zu schützen!
Denn wenn die 500 bald gänzlich verweh’n,
Kann ich dem Gedächtnis noch nützen.
Diese liebschaftbesiegelnde Paarturtelei
War die letzte von 250.
Vielleicht entspringt dem Akt ein Ei
Und entbrütet sich ihm noch ein Künftig.
Auch möglich, dass es der Welt noch zerbricht.
Um so nötiger scheint’s, dass ich’s heute bedicht‘:
Es ist flatternd geschehen. Und ich war dabei.
Die 500 letzten – und davon gleich zwei!
Ist der Fluss die komplette Nacht weitergeflossen?
Wie hat dann der Nebel sich auf ihn gesetzt?
Sag, wie viel Unumkehrbares wurd‘ schon beschlossen
Und welche Entscheidung fiel bloß so zum Test?
Legt der Fluss sich vielleicht in der Dunkelheit schlafen,
Da ja niemand mehr noch seine Strömung bemerkt?
Hilft die schwadige Suppe der Verpuppung von Larven?
Wird letztlich der Strom zu ’nem Bächlein verzwergt?
Hat der Fluss heut‘ vielleicht seine Strömung verpennt –
Und nun kommt er ihr nicht hinterher?
Es bleibt mancher zurück, wenn die Zeit derart rennt.
Doch wir treffen einander im Meer …
Bin vom Wassertragen ganz durstig geworden,
Ich befürchte, ich mach‘s nicht mehr lang.
Und drohte jetzt jemand, mich bald zu ermorden,
Mir würde darob nicht mehr bang.
Das Gewicht meiner Last hat sich stetig verdoppelt,
Und mein Durst steigert sich mit der Hitze.
Ihr zu viel ist mit meinem zu wenig gekoppelt –
Das fühl ich, so wahr ich hier schwitze.
Bin vom Wassertragen so durstig geworden,
Ich befürchte, ich schaff‘s nicht mehr weit.
Indes führt der Weg zwar allmählich nach Norden –
Alleine, mir bleibt keine Zeit.