Mit dem lausigsten Knausern schleicht
Die Sonne sich aus diesem Jahr.
Und vom ewigen Kauen durchweicht,
Schält sich schäbig der maue Etat
Von seiner geschmacklosen, pampigen Frucht
Aus nährstoffergrauter wie sparsamer Zucht.
Die werd ich zum Spaß heut genussentwöhnt essen
Und unversöhnt dieses Jahrs Pläne vergessen.
Die Rettungsschwimmer treiben ziellos im Meer,
Ohne sicheren Status der Lage.
Man sei immer bemüht, in der Regel gar sehr,
Doch die Fragwürdigkeit kappt manche Tage.
Dein Blick schweift von mir auf den Horizont zu –
Die See bleibt in dem Punkt verlässlich.
Und niemand knackt Austern gekonnter als du
Und bedient sich des Worts unermesslich.
Wie huldvoll wird deiner man einmal gedenken?
Wird man forsch dein Erbleichen zur Reinheit verklären?
Oder auch deinem Fußgeruch Buchseiten schenken,
Um von deiner Menschlichkeit etwas zu zehren?
Wie duldsam wird sich deine Leiche verbreiten
Als Adoptivopfer von Deutungshoheiten,
Als hätt’st du nie Ambivalenzen besessen? –
So ist das Erinnern verbrämtes Vergessen.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
De-ghosting
Die Erinn’rung scheint andauernd „Irrtum!“ zu schrei’n –
Dabei steht jener Tag in Kalendern.
Die sture Verleugnung erkämpft sich ihr Sein,
Als ließ‘ sich das nachträglich ändern.
Dein Pech: Beim Gedächtniserlischen
So einen wie mich zu erwischen.
Denn ich bewahr, was mir gefällt,
Gleich doppelt da in dieser Welt!
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Riesenräder
Ja, wenn Riesen Räder hätten,
Wenn auf diesen dann die fetten
Zwerge im Profile säßen –
Herr, was wär‘ dies vielen Späßen
Ein gar weicher Gabentisch,
Gleich ’nem Vlies aus Federbetten!
Ja, wenn Riesen Räder hätten …
Noch bleibt wahr: Sie haben nisch.
Jeder Ort verbirgt eine Paartanzenklave,
Die ist nicht mal Einheimlichkeiten bekannt,
Dort ist manch bekennender Schrittfolgenskalve
In gänzlich zerrüttende Rhythmen entbrannt.
Hier stellt sich dein Herzschlag dem Takt der Musik,
Manövrierend ums Wörtchen Erregung.
Der Form halber flötet man „très sympathique!“ –
Doch es geht um Bewegung, Bewegung.
Meinen Mutwillen sollte ich Wutwillen nennen:
Ein bissiger Hund, der auf niemanden hört
Und sich weigert, Verwundbarkeit anzuerkennen –
Der nebenher, selbstherrlich, einfach zerstört.
Er labt im Furor sich am eigenen Schaden,
Hüllt sich in als Ungeduld tarnende Decken.
Will ich mich nicht weiters im Selbstmitleid baden,
Muss ich mich vorm Hund meines Wutmuts verstecken.
Dieses Lied weiß noch immer, wie jung wie uns fühlten,
Als wir ohne Schimmer die Nachtstadt durchwühlten
Auf Suche nach den für uns stimmigsten Plätzen
Im Wissen, man wird unser Mittun dort schätzen.
Konsens zelebrierte ambiges Ambiente,
Wir feierten Trends stets im Status al dente,
Doch was wir mal gewannen, verloren wir ganz.
Nur dies Lied liegt mir noch in den Ohren: Kerl, tanz!
Ein Jahr hast du geblumt – nun brülle,
Flut die Flur mit Blütenfülle,
Oppulent wie üppig glühend,
Knülle Farbenprachten blühend,
Die vereint in Übertreibung
Flieh’n den Zügeln der Beschreibung,
Trachtend danach im geballten
Sinnenspiel sich zu entfalten.