Wie zum heimlichen Atemholen
Säuselt die Ruhe vorm Wind,
Streift durch die Fellhärchen schlachtreifer Fohlen,
In denen der Blutstrom gerinnt …
Und wieder einmal stürzt sich wild dein Vertrauen
Voller Maßlosigkeit aufs Buffet!
Und schon wenig später, darauf darfst du bauen,
Tut’s nochmal und doppelt so weh.
Meinen verlorenen Gedichten (zum Verlust meines Notizbuchs in Marrakesch)
Ach, immer wieder verlier ich Gedichte,
Die liederlich ich mir notiert!
Meine Unterbelichtung macht munter zunichte,
Was ich zuvor ellenlang elaboriert.
Dort blieb ein Notizbuch, da brannte ein Blatt …
Zwar fand ich genug Neues an ihrer statt –
Doch würd so gern mal das Verlorene lesen,
Das beinah ein Teil meines Werkes gewesen.
Und immer wanken Topographen
Den Wirrwarr‘n hoffnungshinterher.
Entwürfe, die sie schon verwarfen,
Zerknüllen ihr Erkenntnismeer.
„Aber Wasser ist nicht faltbar!“,
Tönt es trotzigneunmalklug –
Um Schlag Acht ist nicht haltbar
Der Versuche Neuversuch.
Dem gefallenen Stern
Würd‘ ich allzu gern
Ein apartes Plumeau unterschieben,
Um Sturzwundenkummer zu trösten
Mit erles’nen Stickereien –
Da der Welten Zickereien
So infam entblößten,
Wie mitleidsarm Jünger entlieben.
Nach Werder weitet sich mein Blick
Und der See scheint die Zugfahrt zu blenden.
Die Nostalgie ist längst ein Tick,
Der durchknistert mein Lebenbeenden.
Doch ist seine Hohlheit ein purer Genuss,
Stützt das Ruhende strahlzuerwecken.
Mich reizen schon lange die Ufer vom Fluss,
Wo frühere Selbsts mich entdecken.
Wie Spielende dem Spielende entgegensehen,
Säe ich entgegen deiner Meinung
Und meiner Überzeugung
Unter Zeugen die Verneinung
Oder Beugung
Bejahrten Starrsinns ins Verwehen,
Drehend, bis ich Sinn-Star bin –
Nie mehr Herr, doch immerhin!
Es wurde wohl etwas zu lange gelacht,
Um das Zauberwort sich zu behalten.
Nun fehlt die in Märchen vergangene Macht:
Wir werden nie wieder die Alten.
Wir nisten jetzt im höchsten Punkt unsres Baus,
Während drinnen die Nachfolger feiern,
Und schauen in Demut nach Eulenkot aus.
Doch finden nur welchen von Geiern.
Noch fällt in Frühherbstsonnenstrahlen
Die schöne Wärme nieder.
Gedanklich schon im Rückzug, aalen
Sich frosterahn‘nde Glieder
Im Abschiedsspiel der Farben,
Das trotz geschloss‘ner Augen
Wir vollends in uns saugen.